Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 13 (1866)
- Issue
- 7 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/4908862-5999396-6026786--3163-4911381- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
I Jüdisches Volksblatt. Zur Belehrung und llnterfjaftung auf jüdischem jstebielk. Herau-gegedm von Rabbiner Dr. Ludwig PhiliPPsou in Bo ili. rn, <m «o /»/»-, »on birfct gdtldinft Kitteint wSLr-Ui» eine ftsnnfr. V»t« de» Jahr. r<o «it a . . [No. 7. 1866.] ----- ■ «*■„ SÄwIÄÄ S.ÄÄ ®of,ä”’" [13. Jährg. 1. Quartal. tf Ben Obadja," ein dramatisirterJude.. Reserirt von Loui« Deyl in Frankfurt a. d. Oder. Frankfurt a. d. jDtxc 31. Drj. 1865. Ganz richtig bemerkte unlängst ein Corrrspondent der A. Z. d. I., daß heutzutage nur fetten «in Schrift, steller «inen Roman oder eine Novelle von Stapel lausen läßt, ohne in die Geschichte, s» er erzählt, einen Juden mir zu verwickeln, und daß ebenso selten ein dramatische« Product da« Licht der Wett erblickt, ohne einen Juden auf die Bühn« zu bringen. In der Thal, so ist e«: der Jude muß überall herhatten, und fei e« auch nur, um — wie man sagt — da« Interesse de« Leser« resp. de« Zuschauer« zu erhöhen, — oder sei e« auch nur, um da« literarische Ragout, ha« geboren wird, piquanter zu machen. Und von Glück können wir sprechen, wenn wie tztüch« «och mit heiirr Haut wegKmm«....Wchr immer ist die« der Kall, Gar oft noch müssen wir einen „harren Puff" au«hatten, trotz de« aufgeklärten, de« lichtvollen Jahrhundert«, in welchem wir leben. — Doch sind un«, wir können'« nicht verhehlen, diejenigen Literaten, welch« auf ihren „Juden" geradezu losschlagen, immer noch lieber al« die, welche ihn in einem „zwei, deutigen Lichte" vor da« große Publikum führen, indem sie ihn z. B. edel handeln, die Motive hiezu aber nicht ganz „edel" sein lassen. Un) just eben dsese« haben sich schon, wie man weiß, gar nicht wenig Autoren der neuern Zeit zu Schulden kommen lassen. — Doch der Dichter, von dem wir heute sprrcheu wollen, gehört nicht zu ihnen. Alexander Rost macht ein« beachtenswerthe Ausnahme von sehr Bielen feiner College«; denn fein ,Lude" verrichtet da« Gute in bester Absicht und au« den besten Motiven. — Alexander Rost ist ein nicht unbekannter dramatischer Schriftsteller in Weimar, und fein allerneuste« drqmatische«' Werk beißt: „Berthold Schwarz" oder „die deutschen Er» sinder." (Romantische« Lolttschauspiel in 5 Aufzügen.) Herr Rost macht in diesem Stücke von der sogeaana» tea „Freiheit de« Dichter«" so ausgedehnten ^Gebrauch, daß.xr zwei historisch, berühmte Persönlichkeiten, welche um beinahe «in Jahrhundert von einander getrennt ge, wesen',*) Berthold .Schwarz und Johann Gut- *) Al« Zeit der Erfindung der vuchdr.uckerrunst.wird gewShotich dg« Jahr 14*P angegeben, wahrend da« Schießpulve'r jedenfall» noch vör 135S<rfuoLea worden. tenberg, zu einer und derselben Ze t — nämlich unter der Regierung de« deutschen Kaiser« kluprecht von der Pfalz (1400—1410) — wie an «inen» und demselben Orte, nämlich in der Universitätsstadt Heidelberg, leben ustd wirten, ihren Studien obliege a und ihre großen weltbewegenden Erfindungen wacher läßt. Hat nun Herr Rost hiermit di« „poetische Lceuz" überschritten, so möge ec dieß, wenn ei kann und will, 'vor dem Forum der dfihern Kritik lechkfertigen. Besitzt ja fein Drama anvenrseit« so große rnd schöne Vorzüge, daß sie auch jene „Ueberschceitung" vielleicht aufwltgkN. Doch wir haben er hier nicht mit dem Stücke selber, nicht mit seinen dramatischen Fehlen > und Loqpgk« zu thun. Un« geht nur »er „reich/ Jude" an, welchen Herr Rost mir seinem „Ben Obadja" auf di« Bühne brachte, und dieser Jude interessirt un« gar sehr, gleichviel ob er ein» historisch« »afts' hobr, ,dr< nür kr der Ph L» tafle de« Dichter« entstanden sei» möge. — Bot Allem fei bemerke, baß Rost seinenPfaden" mit großem Geschick zu verwenden, weiß. Derselbe dient ihm zuvörderst als »othweadige« Requisit für die Schilderung d,« mittel» alterlich christlich - deutschen Glaubinsfanatismu«; alsdann trägt er wesentlich zur Ehwacrerisirung dessen bei, welcher al« der ,^Held de« SMe«" glorifiviat werden soll, und endlich tritt der Jude auch.„seldständig" auf und handelt, wie bereit« gesagt, au« „ed l in Motiven," deren Hervorhebung der Dichter auch nicht abseits liegen lassen, wollte noch konnte. — Da« Stück spielt-zu. Än» fang de« 15. Jahrhundert« in der Residenz- und Uni. versitärsstadt Heidelberg. Zu dem gehe men Adeplen-Bund« daselbst gehört, wie au« der Handlung sich ergrebr, auch der Kaiser Ruprecht. Zwei andere sel r hochgestellt« Mitglieder de« Bunde«, der Universitäts-L dernchter Graf Pan, kaleon und'der'kaiserliche Leibarzt Do« ogni, haben An der jungen und »eichen „Gisela," die aU de« Erster«« Richte gilt, eia Beebcechen begangen, welche«, vdschon unter der Verborgenheit dichtestem Schleier.geführt, dach.dem scharfe» Auge de« Juden „Ben. Ob»d a"' nicht entgangen war. Und Dordogui, gerade von die er Seite de«. Ber» rarh füchtend, hat eine feil« Srearw, den Goldschmied Lebreche, dazu ersehen, den Sohn Jael«-unschädlich zu. machen. Lebrzchf aber, her zu f ihr «zu sein scheint, selber den'Streich z^. führe»,'löst sein verpfändete« Wort dadurch, daß' er fein 'Opfer der Wr kh de« Heidelberger Pöbel« peei« giwt, indem er aussprrmr, mit eigene« Außen gesehen zu Hoden, wie Ben Obwja durch Atfealk dir Brunnen der Hhristenstadt »ergistei t.