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Jüdisches Volksblatt · 1866-01-01 · 4 (1866) · p. Seite 15

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
13 (1866)
Issue
4 (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 15 (sequence 3)
Language
German
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15 Sohn wietzerzusehen nicht hoffen könne. Ich freute mich dieses Briefes unendlich, obgleich eine tiefe Wehmuth aus jeder Zeile sich aussprach. Elag ein so feiner Duft zarter Empfindung, richtigen Taktes bei aller Stärke des Gefühls über den Brief des Mädchens ausgebreitet, daß mich bald die Schwester mehr inttrefsirt« als der Bruder. Da ich mir vorgenommen, Li« Reise nach meiner Vaterstabt zu Fuß und Über bas Gebirge zu machen und O. gerade auf dem Wege lag, beschloß ich, in diesem Städtchen Rast zu machen, und mich der Familie vorzustelleu. Ich war gewiß, hier endlich Alles zu erfahren, was ich zu wissen wünschte. (Fortsetzung folgt.) Pellican's Studium des Hebräischen. Pellican, eine hervorragende Persönlichkeit unter den vielen Erscheinungen des regenerirendea, schöpferisch großartigen sechSzrhnlen Jahrhunderts, persönlicher Freund Reuchlins und Zwinglis, gehört zu denjenigen gelehrten Theologen, welche mit besonderer Vorliebe das Studium des Hebräischen betrieben. Er hinterließ mehrere die jüdische Literatur berührende Schriften, rheilS grammatikalischen, theils exegetischen Inhalts sowie auch eine noch ungedruckte lateinische Uebersetzung des Pentateuch - Commentars nan thx von R. Abraham Saba. Pellican schrieb c. 1550, ungefähr sechs Jahre vor seinem Tode in lateinischer Sprache eine Chronik" seine- Leben-, deren Original- Handschrift die Siabtdiblkotbek in Zürich aufbewahrr. In dieser Chronik berichtet ec über sein« Studien des Hebräschrn, und bietet diese handschriftliche Aufzeichnung so mannigfache interessante Aufschlüsse, daß wir dieses Bruchstück in einer schlichten deutschen Uebersetzung hier gern mittheilen. Pellican, der, ein geborener Schwabe, in Tübingen unter dem Franciscaner Scriptoris studirte, erzählt: »,3m Jahr« 1499 ward derselbe Scriptoris zum Generalvicar des Franciscaner-Ordens im Elsaß berufen. Da nahm er mich nach feiner Gewohnheit zum Gefährten, weil ich gut zu Fuß war und gerne Beschwerden ertrug. Da aber die Gefährten auf dem Weg« wechselten, weil wir unser viele waren, bekam ich zum Begleiter einen gewissen-Pater Paulus Pfedersheimer, einen ausgezeichneten Prediger, der vor langem zu Mainz vom Jubenthum bekehrt und zum Magister der Künste ernannt, der Miaorite geworben war und sich großen Ruhm er, worden hatte. Mit diesem kam ich auf dem Wege ins Gespräch und erzählt« ihm, ich hätte von Kind auf und von der niedrrn Schule an einen Trieb und eia Verlangen gehabt, die hebräische Sprache zu verstehen. Ich hatte namljch als ei« Knabe von eilf Jahren oder noch jünger unter den Knaben gehör«, «in Doctor der Theologie, der mit einem Juden über den christlichen Glauben dispuklrtr, sei durch di« Antworten nicht nur von dem Juden, sondern auch von einer Jüdin widerlegt worden. Wie ich das als Knabe hört«, ward ich gewaltig verwundert und betrübt, nicht ohne großes Aergeraiß lm Gewisse», wenn die christliche Religion nicht auf festeren Beweisen ruhe» sollte, als auf solchen, die von Juden, gelehrten Theologen gegenüber, könnten umgestoßen werden. Das lag mir akjo von Kind auf tief im Herzen. 7 geworden war und die heilige Schn und bei Tische hörte und las, mit Lyra*), da lernt« ich, daß die Geh, ls ich nun Minon'te t täglich im Chore der Erklärung des mnisse der Schrift nicht so klar seien und nicht Allen rewiß. da Diele viel Verschiedenes über dieselben vordrachteu. Denn ich hörte, daß Lyra bald den Hieronymus, bal» die Erklärung des Rabbi Salomon**) billigte, und lagegen den Augustinus und den bekehrten Juden Paulas de Durgos mißbilligte. Das horte ich, verstand gen der Propheten noch nicht, sah, daß öfter der hebräisch« Grunbtext angeführt war als die la einische Uebersetzung, hörte auch an manchen Stellen, die «1 aldäische Uebersetzung des OnkeloS oder Jonathan fei enlw der für oder gegen unsere Uebersetzung; zugleich, las ich »uch des Paulus de BurgoS Untersuchung, welche ein Jia jener inS Lateinisch« übertragen, die gegen die Juden aus deren Schriften ge, schrieben ist, und las, wie Petrus. Niger sehr vieles aus jüdischen Schriftstellern in dem Boche anführte, das er den „Stern des Messias" betitelte, j Dies Alles was ich sah und hörte und las, reizte mich als Knabe, und da ich schon Jüngling war, zum Erlernen bei hebräischen Sprache, wenn mir auch nur Pergamente an dßn Einbänden unserer Bücher in die 'Hände kamen. Doc^ war mir bis auf diesen Tag noch keine Gelegenheit irgend wie geworden, das Hebräische zu lernen, und doch mußte daraus da» Der» stänbniß der zweifelhaften Punkte im Alten Testamente entnommen werden, wie vom Griechischen im Reuen. In solche» Gespräch kam ichmit Paulus Pfedersheimer, dem genannten bekehrten Juden, auf dem Wege zwischen Dürckrn (Türkheim) und Worms. Darauf antwortete mir der Parer Pfedersheimer rasch und hedeirwillig: Wir gehen eben jetzt auf Mainz, dort habe ich hebräische Handschriften gelassen, die ich einst meinem Dattr wegzenommen, da ich Christ wurde» die will ich dir überlassen, wenn du deinen so frommen Wunsch erfüllen un > dich diesem Studium widmen willst. Ich antwortete ihm Wenn du mir solche heilige Bücher ü>rrgeben willst, so'weiß ich eine Weise, auf welche ich mir getraue, sie aus mir selbst sowohl zu lesen als zu verstehen. Der Mann versprach mir demnach ein Buch, wenn wir nach Mainz kämen. Wir gelangten unter diesem .Gespräche nach Worms, dann nach Oppenheim. — Ich harre aber meinem Vater, al» er ' nach Mainz ging, angelegentlich empfohlen, er möchte den bekehrten Paulus daran erinnern, mir das hebräische Buch zu überfchicken. Rach einigen Tagen kam Paulus Eerip» toris und hatte an de» Guardian das hebräische Buch auf seinen Schultern von Mainz »ach Pforzheim getragen, meinem Wunsch und Derlangm zu Liebe; denn er billigte es sehr, da er auch selbst früher da-Griechische von Reuchlin gelernt hatte. Nichts war mit dis auf diesen Tag Erwünschteres widerfahren, als da ich jene große hebräische Handschrift mir dringen sah. Es war aber das Buch prachtvoll auf Pergament geschrieben mit gar zierliche» Buchstaben nebst der Masora, von solcher Große, wie sie rin ganze- Kalbfell geben konnte, und es halte drei Co» lumnen auf eiaer Seite, nicht aut zwei wie gewöhnlich *) Nikolaus de Lyra, Professor der Theologie io Paris, benutzte tu seioen Schriften auch Raschi's Kommentar. **) Raschi. *•*) lieber Paul dt Burgos siehe Kayserliog.Sephardim, LI ff.

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