Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 13 (1866)
- Issue
- 4 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 4)
- Language
- German
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16 die ©liier gefduieben werden. Es enthielt den Text des Propheten Jesaias, auch des Ezechiel und der zwölf I kleinen Propheten. Anfänglich war ar»b Jeremias damit verbunden gewesen, aber von Räubern abgerissen worden, da er in dem Bande, nach Art der deutschen Bibel, dem Propheten Jespias vorangestellt war, vielleicht aus dem j Grunde, weil er im Stile leichter ist, als Jesaias. Diese ' Handschrift also schleppte auch in der Folge Paulus Ccrip« loriS auf seinen eigenen Schultern bis nach Tübingen, , um mich, den etwas zarteren Bruder, zu schonen und damit ich ihm, dem starken, um so leichter auf dem Wege zu folgen vermöchte. Nun wunderte sich der getreue Leh« rer, auf welchem Wege ich. mir gekraute, ohne einen Lehrer das Hebräische zu erlernen, so daß ich es lesen und verstehen könnte. l (Er kam um diese Zeit in Bekanntschaft mit Reuchlin, der ihm-einige erleichternde Anweisung gab, das Heb« ' rätsche zu studiren.) Im Jahre 1300 im August zog ich mit meinem Lebrer Paulus Nach Ulm, wo ich gehört hatte, daß ein \ guter Mann wäre, mit Namen Johann Behaim, Cantor, der von den Ulmec Juden, eh« sie vertrieben wurden/) ' Hebräisch gelernt batte und viele zierlich geschriebene Bü«; cher befaß, die er um vieles Geld von einem armen Juden gekauft hakt«. Unter Anderen hatte er «io Fragment einer Grammatik von den Conjugationen der Verba und den Verwandlungen der Buchstaben, das ansing: „Die heilige ' Sprache" und eia andere» ähnliche» Fragment, besten Anfang „Da- Thor des Zaunes." Diese beiden Fragmente hakte der fromm« Mann um viele- Geld ins Deutsche übersehen lassen von einem Juden, der gar nichts von der hebräischen Grammatik verstand. Denn dis jetzt habe ich unter allen Juden noch keinen gefunden, weder im Elsaß noch zu Dornis, noch zu Frankfurt, noch zu Regensburg, ,noch sonst wo, brr mir auch nur eine grammatische Frage hätte auflosen können ") ^Dieser gute Priester Johannes Aehaim erlaubte mir auf meine demüthige Bitte beide Grammatiken mit der'deutschen Uebersetzung abzofchreiben.v Ihm bat der Herr ohne Zweifel einen reichlichen ewigen Lohn im Himmel erthrilk, denn er war mir von großem Nutzen und har zum Theil den Ruhm eines Lehreran mir verdient. Ja auch nachher, da er meinen Eifer und mein unermüberes und glückliches Studium sah, erlaubte er mir noch Andereabzuschreiben. In demselben Jahre 1300 geschah es durch Gottes Willen und gnädige Vorsehung, daß »in Buchhändler Friedrich von Tübingen eine ganze hebräische Bibel ~tyr* gebracht batte, in ganz kleinem Format zu Pisaurum <Pefaro) in Italien gedruckt. Sobald es mir bekannt ward, eilte ich sogleich lechzend von Verlangen, wie eia „Hirsch nach den Wasserquellen" zu dem Manne, und *, Die Juden wurden em Jahr früher 1499 aus Ul« vertrieben. **) In der Ibat waren die Leistungen der Jaden in Deutschland auf dem Gebiete der hebräischen Grammatik im 15. und 16. Jahrhundert sehr gering. bat ihn, er möchte mich dagöttliche Werk während einigen Tage einfehen lassen, ich wolle es ihm auf die erste Mahnung zurückgeben, wenn er eS verkaufen würde, damit der Buchhändler keinen Schaden an seinem Ge« werde litte. Er sagte es zu, ich möge »S sehen, aber ich müßte wissen, Niemand könne eS für weniger al« anderthalb Gulden kaufen. AlS-ich dahörte, war ich hoch erfreut, daß es so wohlfeit-gu^haben sei, denn ich hatte gefürchtet, alS etwas NeueS werde es kaum für sechs oder acht Gulden zu haben sein. Ich ging damit zu meinem Guardian Paulus und bat ihn flehentlich, er möchte für mich bei dem Buchhändler bürgen, daß ihm diese Summe sicher bezahlt würde, damit mir das Buch nicht entrissen werde. Er willigte gern ein, ich bekam das Buch, be» zeichnete die Capitel und freute mich von Herzen, baß ich Cröius Reichlhümer erlangt bade. — Alsbald las ich von Anfang an die ganze Bibel und legte mir ein hebräisches Wörterbuch an." stayserling. Talmudische Weisheit- „Hast du Vielezugleich ergriffen, so hast du Nichtergriffen; hast du wenig ergriffen, so hast du Etwas ergriffen." (Jom. 80, 1.) Eine sehr vernünftige Warnung, sowohl für das geschäftliche und-politische als für daS geistige Leben. Wer zu viel mit Einem Male erfaßt und betreibt, kommt mit Nicht« zum Ziele, wer einen bestimmten Weg mir Ernst und Ausdauer verfolgt, erreicht Vieles. „Was nutzt da- Licht am hellen Mittag?" (Chull.HO, 2.) Thur nicht Dinge, die überflüssig sind; noch mehr, spare, was doch unnöthig zu verwenden ist. Verbesserung von 2 sinnentstellenden Druckfehlern in meinem nana maia Jud. Volk-bla« Nr. 47. 1863 Seit« 186. In Strophe n Ile Zeile starr lieä: „ o „ „ „ jwaa „ maa M. Strelisker. allgemeine Zeitung de» Judenthums. 9to. 3. 1866. Jah-alt: Leitende Artikel: Die Freizügigkeit. — Di« Deuunciameu. — Zum Gcdachtniß au S. D. Luuatto. — Literarischer Wochenbericht. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: An« Bayern Frankfurt a. Main. Preußen: Berlin, Berlin, Bonn. Oefterreichifch er «aiserstaar: Bonn, Lemberg.Pest. Schweiz- Frankreich: Slraßbura. Eorrespoubenz: Thinesische Briefe. Hl. ZEST Zn beziehen durch jede» Postamt und jede Buchbandlnna. Jährlich 3 Thaler. vierteljährlich */4 Thaler. * Verantwortlicher Redacleur Dr. H. tzytze. Vertag von v,»»grrt»er'S LllLhaitluiig in päpiig — Druck »so <2. fttctftRg in geizig