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Jüdisches Volksblatt · 1866-01-01 · 3 (1866) · p. Seite 11

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
13 (1866)
Issue
3 (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 11 (sequence 3)
Language
German
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11 düng angeeignet, verstand und sprach da- Lateinisch«, die Allerwelt-fprache der damaligen Zeit, und hatte edizum königlichen Geheimschreider an einem hohen Gericht-» Hofe gebracht. Er muß aber auch in Sie hebräische und raddinische Literatur von frühester Jugend «ingeweiht ge» wesen sein, und selbst in die Kabbala hatte ihn wohl einer der marranischen Lehrer eingeführt. Sonst ist weiter nichtvon dem Jüngling bekannt, dessen Name bald ln Europa, und Asien «inen so Hellen Klang erlangen sc Al- David mit seinen chimärischen .Plänen ln Portugal ausgetreten war, wurde Diogo Pirevon wilden Träumen und Visionen förmlich besessen, die sämmtllch einen messianlschen Hintergrund harten. Er drängte sich daher an thn, um zu erfahren, ob dessen Sendung mir seinen traumhaften Offenbarungen üdereinstimmte. David Rkubrni soll ihn aber kalt behandelt und ihm gradezu bemerkt haben: seine mklitairische Botschaft Hab« mit der messianischen Mystik nichtgemein; er verstünde über» Haupt nichtvon der Kabbala. Diogo Pirewar aber im Wahne, die Kälte deangeblichen Gesandten rührte davon her, weil er selbst noch nicht da- Lunde-zeichrn an feinem Leide trage und schritt daher zu dieser gefahrvollen Operation; rin dadurch erzeugter Blutverlust warf ihn auf- Krankenlager. David war sehr ungehalten darüber, alihm Pirediese Miltheilung gemacht hatte, weil beide in Gefahr kommen konnten, wenn edem Könige kund würde, daß ein Marrane sich durch einen entfchiedenrir Akt zum Judenthume bekannt, und <t dann heißen würde: er sei von jenem dazu.überredet worden. Nach der Beschneidung halte PireS, der entweder damalS den Namen Salomo Molchs angenommen oder lhn schon./rüher geführt, wahrscheinlich durch die KörperschwÄbd noch fürchterlichere Traumgesichte. Ihr Inhalt deW^/sich immer auf die Marranen und deren messiani» sche Erlösung. Einst sah er drei verschiedenfarbige Tauben, welche von mächtigen Schützen zu Boden gestreckt worden: weiße Tauben (treugeblieben« Juden), grüne Tauben (schwankende Marranen mit dem Judenlbum im Herzen) und schwarze (dem jüdischen Bekenntniß bereitfremd» gewordene Neuchristen). Durch Gottesboten feien die Schützen vernichtet worben, und die grünen Tauber» erhielten ihre weiße Farbe wieder. Im Traume will er auch vom Himmel durch ein eigene- Wesen, dasich mit ihm untekrebett (Maggid), einen Auftrag erhalten haben, Portugal zu verlassen und nach der Türkei au-znwand«rn. Die Entfernung der Marranen au- Portugal muß damals nicht schwer gewesen sein. Es ist nicht bekannt, auf welchem Wege er nach der Türkei gelangte. Dort machte der junge, schöne, schwärmerische, dem Judenlbum neugewonnene Kabbalist große- Aufsehen. Er gab sich zuerst als «inen Sendboten de- David Rüubeni au-, von dessen guter Aufnahme am päpstlichen und portugiesischen Hofe auch im Mocgenlande viele Märchen im Umlauf waren und die Köpfe erhitzt hatten. In Portugal waren unterdeß (wie Grätz au-führlich beschreibt) viele stürmische Scenen betreffder Marranen vorgefallen, und der portugiesische König hatte seinem Gesandten am päpstlichen Hofe den Auftrag ertheilt, die Bulle zur Einführung der Inquisition in Portugal endlich zu erwirken. Allein in die Speichen dieserollenden Radegriff die schwache Hand veliebenswürdigen kabba» lkstischen Schwärmer- Diogo Pireober Salomo M-lcho «in. Er hatte sich vom Orient nach Italien begeben, um die messianksche Srndoüg, die ev in sich fühlte, oder die man ihm zugedacht, zu vollbringen. Er wollte in der christlichen Wrtthauptstabt ohne Scheu vor Forsten von der baldige« Erlösung sprachen. In Ancona, wo er mir einem Gefolge eingeiroffeck war (gegen Ende 1529). stellten ihm einige Uebelwollende nach, wie er er» zählte; ewaren richtiger bedächtige Menschen, die von* seinem Auftreten im Orient Kunde ei halten hatten, von seiner ungestümen Märtyrersucht Leider für die Gesammtjubenheit, oder wenigstenfür die M rrranen in Italien, Portugal und Spanien, befürchteten u >d. darum ihn beim Btsthof von Ancona angaden, daß er al- Neuchcist zum Judenrhum zurückgetretea sei. Der i irchenfürst lud ihn vor sich und stellte ihn zue Rede. Molch» soll furchtlos «ingestanden baden, er» habe das Judenthum oorg,zogen, weil es die Wahrheit lehre. Der S ttschof entließ ihn, aleinen der portugiesischen Marranen denen vom Papste und den Carbknälrn Dekennlaißfreihe l bewilligt worden war, ungefährdet, verbot ihm aber, zegen da- Christenthum zu predigen. Molchs hielt sic» noch einige Zeit borf auf, feine Predigten wurden sehr besucht, selbst Geist» liche und vornehme Christen fanden si h in der Synagoge dazu ein. Er führ» auch eine öffentl che Disputation mit einem Prälaten, scheint aber dabu ch seine Sicherheit gefährdet zu haben, und begab sich n £olgc dessen mir dem Herzog von Urbiao, France-:o Maria della Rover« L, der sich von der Niederlassung der Marranen in seinem kleinen Staate Borchekle i »sprach, nach Pe» faro. Eließ ihm aber da keine Ruhei er brannte vor Ungeduld, nach Rom zu reisen, um dv t der Ankunft be- Messiavorzuardeiken. Molchs hatte aber keine klare Vorstellung von dem, w.aer eigen sich beginnen sollte. Er erwartete daher eine höhere Eingebung, die, wie er glaubte, nicht au-dleiben würde. Mit Zurücklassung feiner Dienerschaft in Pefaro begab er fick, einem Traumgesichte zufolge, zu Roß allein nach R»m. Leim Anblick der ewigen Stabt, die Molcho gleich öuther für den Sitz de- Antichristhielt, übermannke» ihi seine Gefühle und er verfiel in ein inbrünstige- Gebet, in welchem er um die Sündenvergebung und Erlösung Israelflehte. Da will er eine Stimme vernommen hi den, welche in'sein Gebet einfiel und ihm in Lidelversn bedeutete: „Edom (Rom) wird J-rael- Erd« werden, sei > Fuß wird wanken, Israel aber wird Sieg erringen." Ja dieser Stimmung zog er Abendin Rom'-Mauern ein. begab sich in rin« christliche Herberge, gab vor, ungekaant «ine Geliebte auf» suchen zu wollen und bat den Wieth, ihm zu einer Der« kleidung behilflich zu sein. Er ließ >ann sein Roß und seine Kleider in der Herberge, zog krwpen an, schwärzt« fei» Gesicht, umwickelte seine Füße mi: schmutzigen Lappen und setzte sich unter da» Bettelvolk an der Tiderdrücke, dem Palasie des Papstegegenüber. £ asollte eine messiar niscke Ausstaffirung sein; denn nach der Sage soll der Messiaunter den Aussätzigen und Zerlumpten Rom'S wrtlen und von dort auzum Trimnphe erweckt werben. Dreißig Tage hinter einander führ!« der portugiesisch« Schwärmer ein solche- Bettlerleden, c ß kein Fleisch, trank keinen Wein, sondern begnügt« sich mit der allerdücftigsten Kost und erwartete eine prophetische L erzückung.

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