Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 13 (1866)
- Issue
- 3 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 4)
- Language
- German
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In dieser Abspannung der Körp.riräfre und in drr Exaltation dti Geistes fwl Molcho in «inen tiefen Schlaf und batte einen wirren Traum, der darum merkwürdig ist, weil er' sich zum Theil buchstäblich erfüllt bat. Ein Greis rvar ikm erschienen, mit dem er schon öfter im verzückten Zustande verkehrt haben will, der ihn nach dem deilige« Lande »ersetzt«, und er sah jwei Berge uob Wesen in schneeweißen Gewändern, von denen «ml eine Roll« in der Hand hielt, in welcher die Schicksale Roms verzeichnet wartn^Hirmikjvtbeilen ihm aber verboten worben fti. Darauf fühlte^>er sich im Traume wieder an die Tiberdrücke versetzt. ftfTzwei Vögel von verschiedener Größe und Karbe, von denen der ein« bedeuten sollte (nach Erklärung des Greises): eS werde «ine verheerende Wasser« fiuth über Rons und über ein Nordland Hereinbrechen, und ein Erdbeben werde fein Geburtsland Portugal io Schrecken fetzen. Der kleinere Vogel beut« an, daß di« Flurb k,i»e allgemeine sein werde. Nach der Fluth werden zwei Kometen mit glänzendem Schweife sichtbar werden, die über Rom einige'Tagt zu sehen sein werben, von denen wiederum der eine Tolles Zorn über das sündhafte Da: M, der andere Gottes Gnade für Israel bedeuten sollte. Der Greis verkündete Molcho ferner im Traume: daß er von Seiten seiner Glaubensgenossen Verfolgung erleiden werde. Nach sieb.n Monaten, wenn Molcho das dreißigste Zahr erreicht baden würde, werde er in einen Hökern Grad treten und in Byssusgewand gehüllt sein, dafür daß er sich freiwillig dem Tode geweiht. Dann solle er nach Rom zurückkehren, aber vor dem Eintreffen der Fluth es wieder verlassen. Dann werde auf dem messianischen König der heilige Geist, der Geist der Weisheit und ' Einsicht ruben. die Tobten werden auS dem Staude erwachen , und Gott werde seinem Volke Ruhm gewahren. Ermattet von der langen Kasteiung, und dem wirren Traumgesichle schleppte sich Molcho des Morgens nach seiner Herberge, ruhte sich auS, entledigte sich seiner Verkleidung und begab sich ins Freie, um Juden zu begegnen t Februar 1530). Da er noch völlig unbekannt in Rom war, gab er sich, um der Angedrrei von Seilen seiner Gegner zu entgehen, für einen Boten des Salomo Molcho aus. der selbst in Pesaro zurückgeblieben fei. Er wurde aber dennoch erkannt und als aufwiegelender Marrane dem Jnquistn'onslribunal denunckrr. Mit dem Papste und einigen Kardinalen hatte er aber schon früher angeknüpfl und ihnen die drohende Wasserstuth verkündet. Clemens VN., der seit einigen Jahren den Leibeaskelch gekostet und Demüthiguag erfahren hatte, wie nur wenige Päpste vor ihm, der seinen Todfeind in Bologna, Karl V., zum König von Italien und römischen Kaiser krönen mußte (22—24. Februar 1530), dessen Verschwörungen und Verbindungen mit Frankreich und England.sich als trügerisch erwiesen hatten, war nur allzugeaeigt, auf Träume und Visionen zu hören. ES Mögen noch andere unbekannte Beziehungen zwischen dem Papste und Molcho bestanden haben, in deren Folge jener diesem eine überraschende Gunst zuwendete. Auch unter den Eardiaalea batte Molcho Freunde, unter Anderen war ihm L o ren zo Pucci, Großpönilentiar der päpstlichen Curie, der auch für Reuchlin Partei gegen die Dominikaner genommen hatte, 'zugerhan. Während daher die päpstlich» Polizei Molcho in den Tborru Roms auflauerte, war dieser über di« Mauer entkommen, zum Papste geeilt und batte voq ihm eia Sicherheitsschreib,a (Breve) erlangt, baß ihm kein Leib zugefügt werden sollte. Damit versehen^ kehrte Molcho heimlich nach Rom zurück (Mail), trat an einem Sonnabend plötzlich in »er Hauplsynagoge auf uod predig« über den Text de« PropheunadschnitteS zum Erstaunen aller Anwesenden. Seine Anhängerschaft wuchs in Rom so sehr, daß er bis zum Herbste unangefochten jeden Sabdar in den Synagogen predigen durfte;'er begeisterte fein, Zuhörer förmlich, ohne jedoch feirie Gegner entwaffnen zu können. PireS« Molcho war drr jüdische Savonarola. Don feinem Traum« gesichte sprach er mit unumstößlicher Gewißheit und ließ sogar dem Könige von Portugal durch den Gesandten ■ Bras Neto das Lissabon bedrohende Erdbeben ankündigen, i damit er Vorkehrungen treffen könne. Molcho selbst war! so sicher vom Eintreffen der Wasserstuth überzeugt, daß j «r sich beim Hrrannahen derselben nach Venedig begab; dort veranstaltete er den Druck neuer kabbalistischer Aus« legungen. Mit David Reudern, der inzwischen, aus dem j Jnquistlioaskerker befreit nach Italien zurückg,kehrt war, j kam Molcho wieder zusammen. Beide sahen einander! fremd und erstaunt an und erwarteten von einander Wunderdinge. Einer wollte durch den Andern zu der erhabenen Rolle gehobenwerden. Sie waren Beide in Verlegenheit. Molcho erkannte »ei dieser Gelegenheit die schwindelhafte Aufschneiderei feines früber bewunderten Meisters. Er glaubte ihm nicht mehr, baß er unwissend sei, sonder« war überzeugt, daß er sich nur, um die' Leute zu täuschen, unwissend stellte; als Prinz von Arabien durfte er keine talmudisch« und kabbalistische Gelehrsamkeit besitzen- Molcho widerrief sogar seine früherneigenen Aussagen, als wenn er David'« Botschafter gewesen wäre: „Ich will die Wahrheit vor dem Schöpfer des Himmels und der Erbe verkünden, baß meine Beschneidung und mein Aufgeden der Heimalh nicht auf Anrathen von Flgjsch und Blut (David), sondern im desondern Aufträge Gottes geschehen ist." Trotzdem ordnete sich Molcho ihm noch immer unter. E« zeigte sich bei dieser Gelegeni heit, daß Molcho «in betrogener Schwärmer, dagegen David ein Abenteurer war, der es auf Blendwerk abge- ‘ sehen hatte. (Fortsetzung folgt) Allgemeine Zerrung des Judenthnm-. No. 2. 1866. ' Inhalt: Leitende Artikel: Zerstreute Bemerkungen.— Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichten: Deutschland': München, Bom Harze. Preußen: Düfieldorf, Danzig. Oesterreichischer Larser.staat: Pest. Sr.-Breeskerek. Aus Ungarn, P,st, Reu. Berbaß, Prag. Belgien: Brüssel, Brüste!. Nordamerika: Bonn. Nachtrag: Wien, Pari». Correspondenz: Brief eiueS Chinesen. , 2E3S* Zu beziehen durch jedes Postamt und jede Buchhandlung, i Jährlich S Thaler, vierteljährlich */, Thaler. DerantworüZier Redactrur Vr. H. Lotze. rr-rt»z veo v»,«,rrtaer « 8uA>atM»a, i, «einig — Druck «sv G. «reykiag ta Leipzig.