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Jüdisches Volksblatt · 1866-01-01 · 3 (1866) · p. Seite 10

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
13 (1866)
Issue
3 (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 10 (sequence 2)
Language
German
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10 Als im Anfang ches vorigen Semesters die furchtbare |. TyphuSepidemie in unfern hiesigen Lazarerhrn und Krantenhäufern ausgedrochen und täglich ihre Todesopfer fvr- : bittt, bin ich von 52 Kommilitonen allein mit ttntm j einzigen hiergeblieben, und stellte mein Leben und meine j Kräfte unserm verehrten Lehrer Tag und Nacht zu Gebote, j Zahllose starben um mich her, mein armer Genosse sank > in das Grad, aber ich mich nicht, und der Herr Professor . ließ eS sich nicht nehmen, nach übersiandenec Epidemie, mich dem Ministerium zu empfehlen, bas mir deshalb den Erlaß aller weitern Collegien- und Promorionskoßen j alS Zeichen brr Anerkennung gewährte. Ich würde sie-, niemals erwähnen, wenn es sich nicht darum handelte, » einem kindischen Vorurtheil entgegen zu treten und meine i Ehre vor jedem Angriff zu wahren. Was mir aber herj dieter, diese Herausforderung anzunehmen, ist ein zwei-1 facher Grund; zunächst unrerfazt mir meine Religion j auf das entschiedenste, mich in einen solchen Handel rin- , zulassen, und das Leben meines Nächsten so wie mein eigenes um solcher erbärmlichen Dinge willen auf das! Spiel zu setzen. „Du sollst nicht tödren," ist eines, brr zehn Gebote, das 'ohne Einschränkung nur da verletzt werden darf, wo das Vaterland rufr oder das Leben mei-. nes Nebenmr'nschrn oder mein eigenes gewaltlhäkig bedroht \ wird. Die Schamlosigkeiten des Herrn don S. gehören j in keine dieser Kategorien. Der zweite Grund ist: daß! es hier um Leben ober Tod sich handelt; daß nur Einer j von uns lebendig dr« Kampfplatz verlassen soll, vielleicht j auch Keiner, spricht dir Herausforderung genugsam aus.! Aber ich sowohl als Herr v. S. — wir sind nämlich j Beide Kinder derselben Stadt, ja derselben Straße — sind die ' einzigen Söhne armer unglücklicher Wictwen, welche die Illrij nige Stütze ihr« Zukunft inuns, ihren Söhnen besitzen. Ich will weder meine noch feine Mutter ihres einzigen Gute- und 1 Trostes berauben. Wie Herr von S. darüber denkt, und oh sein j bisheriger Lebenswandel so beschaffen war, daß er^ben! Hoffnungen seiner Mutter zu entsprechen verheißt., gehl! mich nichtan. Für mich ist die Pflicht gegen nßeine j Mutter, die Jahre lang gearbeitet und gedarbt har! um j mir das Studium möglich zu machen, und deren Alter ohne mich eine PZüste der Verzweiflung und der Armulh^ sein würde, die höchste auf Erden, der ich alle-Andere nach» > setze,. . . Jetzt urtheile Du und laß alle unsere Mitjstudenren uctheiten, ob ich die unsinnige Forderung des ' Herrn von S. annehmen könne." „Oec Eartellträger war von den Worten Rosenthals tief erschüttert, uns dachte lange über vieselben nach. Dann erhob er sich und sprach: „Nein! D» Haft vollkommen, Recht; ich bin von Deiner Ehrrnhaftigkeik völlig überzeugt, > und werde sie überall vertteren. Du kannst und darfst die Herausforderung nicht anehmen. Aber könnten wir nicht, um die Sache auszuzleichen, und ihr alle weiteren Folgen abzuschneiden, einen andern Weg einschlazen, nämlich ... daß Du di« Beleidigungen, die Du Herrn' von S. zugefügr, revozkrest?" . , . Rosenkhal erblaßte bei diesen Worten; doch antwortete er nach einigem Besinnen: „Dazu konnte ich mich nur entschließen, wenn auch mein Gegner, der doch zuerst die schimpflichsten Reden weder mich ausstieß, diese widerruft. Ich kann Dir versichern, daß es mir auch dann schwer ankommen würbe, da ich leider sagen muß, daß Alles, was ich sagte, wahr ist; und wenn Du das vergangene Leben de- Herrn von S. kenntest, würdest Du nicht anderurtheilen. Er hat mehr als einmal ehrlos gegen mich und gegen Andere gehandelt. Aber es sei. Um de- Friedens willen will ich mich dazu entschließen. Doch ich weiß im Voraus, mein Beleidiger wird nicht darauf eingehen. ES'giedc Menschen, die nachdem sie ihr Leben in ihrer Weise aurgekostet und vergeudet haben, beffelben so üdecdrüffig sind, baß sie gern eine Gelegenheit wahrnehmen, wo sie elf mit einigem Prunke und mir gcw'sser Entschuldigung vor ideer Eitelkeit auf daS Spiet setzen können. Doch wie gesagt, die edle Gesinnung, die Du gegen mich geäußert, macht eo mir zur Pflicht, wenn auch mit einigem Opfer in Deinen Vorschlag einzugehen, und ich will widerrufen, w<nn Here von S. widerruft." Mit einem warmen Händedruck schieden die beioen wackern jungen Leute von einander." „Aber ekam, wie Rosenthal vorausgefagt. Der Herr von S. wollte durchaus nicht revoziren, und schäumte vor Wuih, daß sein Gegner da« Duell verweigerte, und brr Kartellträger ihm Recht gab. Dieser versagte ihm auch jeden weitern Dienst in dieser Angelegenheit. Alle weiteren Versuche des Herrn von S., Rosenthal vor die Klinge zu bringen, schlugen fehl, und ec fand ihn, wo er ihn traf, von Freunden umgeben, welche jede Beleidigung. die er ihm anzathun versuchte, sofort in nachdrücklichster Weife zurückzu'weisen sich entschlossen zeigten. Herrvon S. kam darüber ganz von Sinnen, und beschloß. daher, sich auf eine andere und eigene Weise Genuglhüung zu verschaffen. Er forderte einen leichtsinnigen Patron, der sein Zechgenosse war, auf, mit ihm auf da« Zimmer RosenkhalS zu rücken, und diesen dort mir der Waffe in der Hand zum Kampfe zu zwingen. Ec be» rebele idn hierzu, weil er sich sonst geradezu durch einen Mord an feinem Gegner rächen würde. Es wäre ihm einmal nicht mehr möglich, mir Rosenthal unter einer Sonne zu leben; Einer von ihnen müsse fallen, und sein Freund habe rS'daher in der Hand, ihm hierzu auf eine eh.renhafle Weise zu verhelfen. Auf diese Weise willigte der Letztere, ein und erklärte sich bereit als Sekundant zu bienen. Dieeinmal festgesiellt, ward es ihnen auch nicht schwer, einen sogenannten Paukdoklor zur Anwesenheit zu bestimmen." (Fortsetzung folgt.) Einige geschichtliche Miscellcn. (Aus dem lX. Bande von Grätz „Geschichte der Juden.-" 3. Salomon MolMo, der kabbalistische Schwärmer. (Fortsetzung.) Am mächtigsten wurde ein edler, begabter, schöner Jüngling von David Röudeni'S Erscheinen und den Hoffnungen, die er erweckte, ergriffen und umgewandelr. Diogv Pirrs (geb. um 1501, starb als Märtyrer 1532), der in einer günstiger» Umgebung mir seiner glühenden dichterischen Phantasie auf dem Gebiete des Schönen viel hätte leisten können, wurde ein Werkzeug für die Aufschneiderei des angeblichen Gesandten von Chaibar. Hls Neuchrist geboren, hatte sich Pires eine gelehrte Bll-

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