Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 13 (1866)
- Issue
- 3 (1866)
- Date
- 1866-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Bottsblatt Zur LLlehrung und Unterhaltung auf jüdischen Her»osg«geb«n von Gebiete. Rabbiner Dt. Lodwig Philippsov in Bonn. sNo. 3. 1866J Vo» Vieser Zettzchrill eriideü,» wLchevlll» et»» 9bna«n. Preis de« gavr» r« n lang« 1 Lhn. kierreljähriz 7 Ngr. Pll« Bv4ba»dlungeo. PostSmier I I I »„» Atü»»gl<r»mtiaat« ,eh«e» ve»««i»ge» mu L * »krg. j. Quartal.] Das Dueü. Eine Erzählung^us der Wirklichkeit. (Fortsetzung). 3. -» „Her Sekundant/' fuhr jetzt Herr M. in seiner Er» zählung fort, „hatte den Flüchtling glücklich bis zu dem harrenden Wagen gebracht. 2» einer Universitätsstadt sind die sogenannten Philister mit allen derartigen Vor» gängen bekannt; es bedurfte daher nur eines tüchtigen Trinkgeldes, um den Kutscher wie rasend auf seine Rosse tosschlagen zu machen, so daß sie in möglich kürzester Zeit über dir Grenze flogen, bis zu einem Städtchen, von welchem Rosenthal in anderer Weise seinen Weg fortsetzte, während der Kutscher quer durch das kand fuhr und von einer ganz andern Himmelsgegend her nach K. zurück» kehrte. .Rach der ihm gewordenen Anweisung und Le, zabluqg bewerkstelligte der Kutscher diese Rückkehr erst nach Verlauf einiger Tage. Der Sekundant hingegen war sofort wieder zur Stadt gekommen und stellte sich unbe» fangen bei der gerichtlichen Untersuchung «in, wie dies nicht minder auch der Paukboktor lhat. Sie. konnten und wollten sich nicht der ihnen zukommenben, in solchen Fällen verhältaißmäßig milden Straf« entziehen. Durch diese, so wir durch andere Zeugen, wurde der Verlauf des ganzen Vorganges genau festgestellt, und ich will Ihnen denselben mittheilen, da ich selbstverständlich meine Rolle oabei mitsptrlre." „Der Professor K., der berühmte Kliniker, hatte mit Erlaudniß der Vorgesetzten Behörde dies Mal seine vielbesuchten Doslefung um vier Wochen früher angefangen, weil er im Herbste eine größere Reife zu machen^gedenkr. Zch weiß nicht, ob es auf allen Universitäten so Sitte ist, hier aber belegt in stark besuchten Hörsälen jeder Student bei dem FamuluS des Professors »inen bestimmten Sitz, welchen er dann während des ganzen Semesters inne har. So that auch unser Rosenthal. Kaum hatte dieser aber vor der erste» Vorlesung seine» Platz eingenommen, der Hörsaal war schon dicht gefüllt, als ein anderer Student, nämlich Herr v. S., der einige Tage zuvor in K. angekommen, bereintrat und den Platz neben Roseatdal »inaehmen wollte. Kaum aber war er Dieses anfichrig geworden und bemerkte, daß ihn, sagen Sie der Aufall oder die Fügung, für das Halbjahr zu seinem Rachbar gemacht, als er in eine furchtbare Wuth gerieth und dem Nichts ahnenden Rosenrhal, der beschäfttgt war, sein Schreibheft zurecht zu legen, zuionnerte: „Verfluchte Jude, verfolgst Du mich auch hürderN" — Lei diene unerwarteten Anrede stchr Rosmtlal zusammen, als *r aber einen Blick auf feinen Legrer geworfen, faßte er sich schnell und erwiderte ruhig: „Aus dem Munde eines so abscheulichen Edristen haftet keil Fluch;, übrigens ist die Verfolgung auf Deiner Seite, denn ich Hab« meinen Platz schon längst belegt." — Dt se Fassung und Ruhe brachte den Herrn v. S. ganz ai ßer sich, und er schrie mit wahrhafter Wulb: „Schuft, Schurke, Hund von einem 2ud«n!" — Doch auch j»;t verließ die Fassung unfern Freund nicht, sondern er intwortere, wen» tgfb laut und bestimmt: „Wer Herrn >. S; kennt, der und da er sich auch selbst kennt, uniß er es nicht minder, wie oft er schon ehrlos gehandelt und wie er sich daher in der Anwendung jener Beiwört t nur in der Person geirrt hat." — Auf diese Worte! vnnre sich Herr v. S. nicht mehr halten; mit erhobenen Stocke drang er auf Rosenrhal eia, und, da der Letztere kräftig gemq war, seinem Mann zu stehen, so hä«! es wahrscheinlich ei« skandalöses Handgemenge gegeben,, wenn sich nicht einige Studenten zwischen die beiden grnorfe« hätten und det Professor K. soeben in den Saat getreten wäre. Don allen Seiten gebot man Ruhe, und da der Herr v. S. seiner Wuthausdrüche nicht Herr Iwerben konnte, drängte man ihn zur Thür hinaus, und schloß sie vor ihm zu. Rosenrhal, wenn auch lief erschüttert und bleich nie der Tod, ließ sich auf feine« Sitz nieder und folgte dem Vortrage des Professors, so gut «r es vermochte." „Am ander» Tage stellte sich ein anbrer-Student bei Rosenthal ein, und brachte die H« rausforberung des Herrn v. S. und zwar auf krumm« Säbel ohne Liüde, 24 Gänge. Rosenrhal verweigerte di! Annahme eines solchen und überhast jeden Duells. „ Das mich hierzu veran» lasst/' sprach er zu dem Üarlelltt, ger, „will ich Dir kurz auseinandersetzen, nickt um mich ror Herrn v. S., soydera nur, um wich vor Dir und alle» denen, di» davon höre», zu rechtfertigen. Zch könnte rnich schon auf notorisch ehrlose Handlungen dieses Men ckea berufen; -aber das will ich nicht, damit es nicht sckeinv, daß Ich solche» nur zur Hülfe ruf», um dem Du ll auszuweichen. Wohl aber bin ich mir schuldig, jedem unbegründeten Vorwurf, der Muthlosigkeit oder Feigheit, der mj$ rreff,a könnt», »orzudengea, und da berufe ich »ich den» auf bas Aevg» »iß des Herrn Professors K. ,ldst. Zch habe weine« Muth, mein« Todesverachtung in andrer Weife und auf einem nicht minder ehrenvollen Felde genugsam erpiesen.