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Jüdisches Volksblatt · 1866-01-01 · 2 (1866) · p. Seite 7

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
13 (1866)
Issue
2 (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 7 (sequence 3)
Language
German
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7 Einige geschichtliche MiScellen. (Aus dem IX- Bande von Grätz „Geschichte der Juden.") 3. Salomon Molche, der kabbalistische Schwärmer. Ein auS dichtem Dunkel herauSgetretener Mann au«, dem fernen Ost, Mit dem man nicht weih, ob er eia Betrüger ober ein Alle« wagender Schwärmer war. und ob er «ine messianlsch« oder eine politische Roll« zu spielen gedachte, hat in derselben Zeit eine tiefgehend« Bewegung in der Jubenheit veranlaßt, und davon sind die Marranen , im äußersten Westen berührt worden. David, der Ab-; stammnng nach wohl ein Deutscher, der «in» geraume Zeit in Arabien und Nubien geweilt, trat nämlich plötzlich mit einer eigenrhümlichea Roll« in Europa auf und erweckte durch Wahfheit und Dichtung unerfüllbare Hoffnungen. : Er gab sich nämlich al« Abkömmling de« angeblich un« abhängig in Arabien lebenden altisraelitischen Stamme« : Runden aus, und jwar al«-Prinz und Bruder eine« I dort regierenden jüdischen König«, und ließ sich daher David RSudeni nennen. In Arabien harre er sich : thatfächlich aufgehalten und zwar in der Landschaft Chaibar im nördlichen H^g'aS, wo zur Zeit Mohammed« und noch später unabhängige jüdische Stämme wohnten. Dieser Mann mit einer großen Lust an Abenteuern und Irrfahrten verließ Chaibar (Dccembet 1522), wandert« mehrere Monate ln Nubien umher, öfter unter mohammedanischer Verkappung, wollte auch dort zwischen dem weißen und blauen Nil Ueberbleibltt^hemaliger Stämme gefunden haben und rraf endlich in Egppkeu ein.! Dort-erzählte er zuerst seine Märchen von einem mächtigen jüdischen Staate in Chaibar, scheint aber wenig Glauben gefunden zu haben. Auch in Palästina, wo er mehrere Monate «eilte (März — Juni 1523), scheint er kein geneigt,« Ohr für feine abenteuerlichen Erzählungen und Pläne gefunden zu haben und reiste daher über Altpaadrien nach Venedig (Febr. 1524). In diese ehemalig« i Weltstadt, die Vermittlerin zwischen Europa und Asien, war bereits von Palästina au« der Ruf von dem Sendboten der altisraelirischen Stämme und seinen Kabeln gedrungen und hatte die RruZierde rege gewacht. Di« kurz aufeinanderfolgenden Entdeckungen neuer Weiten zum großen Staunen de« damaligen Geschlechtes, bat mir einem Male von Ländern, Menschen, Sitten und Dingen reden hörte, von denen man bis dahin in deq» engen Gehäuse i der mittelalterlichen Geographie keine Ahnung hatte, diese ' alltäglich gewordenen Wunder hatten die damals Lebenden! leichtgläubig gemacht. Sie waren darauf gefaßt, bas Unglaublichste verwirklicht zu sehen. Die Köpfe, die noch von den mittelalterlichen Vorstellungen eingrsponaen waren, zweifelten nicht daran, baß sich auch die verbreiteten geographischen Fabeln durch neue E.atbeckungen bewähren würden. Die Christen hofften auf die Auffindung deS Reiches des fabelhaften Priesters Johannes, in dem das Urchriffenthum feinen Sitz habe. Die Könige von Portugal, die Anreger der Entdeckungen neuer Länbergediete, halten eigens AuSkundfchafter nach Asien und Afrika gesendet, dieses Land aufzusuchen. Die Juden hatten erwartet, baß eines Tage« die verschwunden geglaubten $ israelitischen Zehnstämme iiz irgend «nem Winkel von Asien anfgefiinben, und d.iß selbst d r fabelhafte Fluß baddation oder Sambalion, d>r an den Werkel« tagen fließ« »nd am Sabbat stillstehi, mit den daran wohnenden Mo fr söhnen, di« das uralt« Iubenthum bewahrten, irgend wo entdeckt werben »ürbe. Nun war ein Abgesandter angeblich unabhängiger israelitischen Stämme. in David Reubeni ln Venedig «ngettoffen. Welch eia Wunder! Dir Phantasie der «uro;äischen Juden war dl« zuverlässigste Bundesgenossin für diesen Abenteurer; sie bahnte ihm den Weg. Sein an zedticher Reisizweck, den « halb burchschimmern ließ und sein Diener ganz auSplauderte, erhöhte noch vir Erwai tong. E« hieß, er sei von seinem Bruder, der über dr« mal hundecnaulend guSerwählte Krieger gebiete, von den. iebzsg Aeltrstea d»S Landes Chaibar an die europäischen jÄrsten, namentlich an den Papst adgeorbnel, um von ihr rn Feuerwaffen und Kanonen zu erwirken, um damit einerseji I di« mohammedani, schen Volker, welche die Vereinigung di i* und jenseits des rorhea Meere« wohnender jüdischen Stämme hinderten, zu bekämpfen und andrerseits mir bei kriegStürdtige« jüdischen Armeen die Türken au« den heiligen. Lande zu jagen. David Rünbeni'S Person und B« irhmrn trugen "dazu bei, ihm Glauben zu verschaffen. SrideS hatte etwas Fremdartiges, GebeimnißvolleS, Exc« attische». Er war von schwarzer Hautfarbe, zwerghafr und von einer Magerkeit, welch« durch anhaltendes sechStäg grS Faßen ihn zum durchsichtigen Skelet machte. Dabe besaß er Math, Unerschrockenheit und ein barsches S Lese», welches jede Vertraulichkeit fernhielt. Er sprach nur hebräisch, aber in einem so verdorbenen Jargon («ahi scheintich nach deutscher Aussprache ungrammatisch), baß ihn weder di« asia» tischen, «och bi« südeurspäischen Iu >«n verstanden. 6): gab vor, nie Lalmvd gelernt zu Halen, »och überhaupt die jüdische Literatur zu kennen, so» bern «in Krieger zu sein» der ln einer einzigen Schlacht »rrzig Mann erschla» gm habe. Später stelle es sich ab« heraus, daß rr in den kabbalistischen Dusel eingeweiht var, und nur Unwissenheit heuchelte. In Venedig angekommen, kehlt« <r bei keinem Juden ein, sondern bUed itn Hause des E'chiffSkapitainS^ d^r ihn dahin gebracht hatte; aber sein nitgedrachttr Diener hatte indessen die Juden auf ihn a ifmertsam gemacht; sie suchten.,.ihn auf. Ei» jüdischer lXaler, Mose, und ein angesehener reicher Mann, Ma lisch (Felice), verwendeten sich sehr für ihn, obwohl ei ihnen nur im Allgemeinen angebeutrt hatte: er hah« ei ,en Auftrag für den Papst zum Wohl« der Judenheit, und sie mögen ihm ein Schiff verschaffen, um so bald ale - möglich nach Rom gelangen zu können. In Rom «gekommen (Februar 1524), ritt er auf einem weißen Ro i mir einem Diener s" und einem Dolmetsch in den päpftlick ra Hof und erlangte gleich ein« Audienz dei dem Kardinal Giuli o im Beisein anderer Kardioäle. Auch vom Pai st« Clemens wurde er in Audienz empfangen und üdrrr lchte ihm Beglaubigungsschreiben. Clemens VII. (auf dem päpstlich rn Stuhle 1523 — 1534) war einer der ebelsten Päpfe, aus dem stören« tinifch -mebiceischen Haust in unehelicher Geburt erzeugt, klug und milde, der von dem Bestreben beseelt war.

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