Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1866-01-01 · 2 (1866) · p. Seite 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
13 (1866)
Issue
2 (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 8 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/4908862-5999396-6026781--3141-4911364
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Italien unabhängig von den Barbaren, &i h. von Den Dmrschen za machen. Ader seine Regiemntz fiel in eine- Zeit, wo Europa au* den Angeln schobest war. Auf^ der einen Seite drohte die von Luther aussegangme Reformation, die täglich Riesenfortschrilte mach e, da* Papst» thum zu untergraben, und auf der anbem Seite drückte die Wucht des in der Hand Karls V. vereinigttn großen Reiches van Spanien und Deutschland, wozu noch Burgund unlr ein Theil von Amerika gehörten, auf-Italien, und | es war nahe daran, in sklavische Adhängigktzir vom Kaiser zu gerarhen. Uedrrwarf sich Clemens mit dem Kaiser, so i begünstigte dieser die Reformation und machte Miene, dir; Päpstliche Gewalt einzuschranken. Versöhnt, er sich mit ihm, so gerierh Italiens Freiheit in Gefahr. So war er trotz seines festen Charakters in steter Schwankung und > nahm, wie die meisten seiner Zeitgenossen, zu astrologischen j Jtunfftn seine Zuflucht, um bas, was menschliche Klugheit l nicht verauSsehm konnte, durch Constellalion zu erfahren. , Clemens war kein Fanatiker, überhaupt mehr weltlich als geistlich gesinnt und seinem Verwandten Lev X. ähnlich; daher war er auch milde gegen die Juden nnb schützte sie i vor Verfolgungen. Dem Papste Clemens VII. scheint Düvid Röubenr Beglaubigungsschreiben von pormgiesischen Capitainen ober Geschäftsträgern, die er in Arabien oder Nubien ange- > troffen haben mag, überreicht zu haben, welche ihm wohl! das Vorhandensein von kriegerischen Juden in jenem Him, > mrlsstrich bezeugt haben, vielleicht noch mehr, was ihnen < der Abenteurer mir seiner imponirenden Erfindungsgabe. aufgedunden haben .mochte. Diese Creditivr üderschickte der Papst dem portugiesischen Hofe, und als man sie dorr bewährt gefunden, wurde David mir großer Auszeichnung und mir allen Ehren eines Gesandten behandelt. Auf einem Maulesel ritt er durch Rom, begleitet von zehn Juden und mehr als zweihunderl Christen. Der Plan mag dem Papste, dessen Unternehmung durch dm Widerstreit der verwickeltm Verhältnisse jeden Augenblick durchkreuzt wurde, geschmeichelt haben, einen Kreuzzug gegen die Türkei, und zwar durch ein israelitisches Heer zu veranlassen, den gefährlichsten Feind der Christenheit aus dem heiligen Land« vertreiben zu lassen und solchergestalt wieder die kriegerischen Angelegenheiten th Händen zu baden. Selbst die Ungläubigsten unter den Juden, welche Davids Worten nicht ganz trauten, konnten sich vor der Überrafchmden Thatsach« nicht verschließen, baß ein Jude von dem päpstlichen Hof« mit solcher Zuvorkommenheit und Ehre behandelt - wurde, und warm auch ihrerseits überzeugt, daß mindestens ein Korn Wahrheit in Davids Angaben liegen jnösse. Die römischen und fremdm Judm drängten sich seitdem an iba, der ihnen ein» hoffnungsreiche Zukunft zu eröffnen schien; er aber spielte seine Rolle meisterhaft, sie in scheuer Entfemung zu halten- Als endlich rin förmliche- Einladungsschreiben von Portugas an David RSubmi einlief, sich an bessm Hof zu begedm, verließ ec Rom nach mehr beim einjährigem Aufenthalte und reiste mit einer jüdischen Kahne zu Schiffe i dabin. In Almeirin, der Residenz de» Königs JoL» III. > bei -LantStem, wo pMd (im November I52-).<d>Letroff,n war, wurde er ebenfalls mit Auszeichnung behandelt, und eS wurde mit ihm «in Plan verabredet, wie für di« ifraeli, tischen Reiche in Arabien und Nubien Waffen und Kanonen von Portugal aus geliefert werben sollten. Es spricht Vieles dafür, baß Davids Erscheinen in Portugal eine, Umstimmung gegen die Marranen hervorgerufen unbJouo bewogen hat, die beadfichtigte Verfolgung gegen sie fallen zu lassen. Zu einer so weirreichmvm Unternehmung brauchte er ihre Unterstützung, ihre Kapitalien und ihren Rach. Wollte er ein Bündniß mit einem jübischm König und Volk eingehm. durfte er die Halbjuden in seinem Lande nicht verfolgm. Damm erkaltete plötzlich sein Elfer für die Einfübrung der Inquisition in Portugal. Man kann sich das Erstaunen und die Freude der Marranm in Portugal denken bei der Wahrnehmung, daß ein Jude nicht nur in Portugal eingelassen wurde, sondrm auch Zutritt zum Hofe erhielt und mit demselben m Verkehr stand! So hätte denn die ErlöfimgSstundr für sie gefchlagm. nach der sie sich in tiefster Seele gesrbnt hatten! Unerwartete Hilfe sei für sie eingerroffm, Befreiung und Rettung aus ihrer Angst. Sie arhmeten wieder auf. Gleichviel ob sich David Rrubeni als weflianifcher Vorläufer auSgegebm har ober nicht, die Marranm hielten-ihn dafür und zähl- .len die Tage bis zur Zeit, wo man sie daS neue Jerusalem in herrlicher Pracht sehen lassen würde. (Fortsetzung folgt.) Miscelle. Das tobte Meer. — Albert RhodeS erzählt in feinem Reifewerke: Jerusalem ss it i» über ein Bad, bas er im rodtm Meere genommen hat: „Ich blieb beinahe drei Viertelstunde im lvdtm Meer« und fühlte mich gestärkt und erfrischt, als ich herauskam. DaS schmerzende Gefühl, von welchem einige Reisende-gesprochm haben, war mir nichts als ein leichtes, nicht ummgenchmeS Prickeln. Dadurch, baß ich mich rasch abrieb, ebe die Haut trocken geworben, wurde auch die Fettigkeit, deren einige Reismde Erwähnung gethan, kaum gefühlt. Die Hauptsorge brlm Baden im tobten Meere sollte darauf gerichtet fein, Nase, Augen und Ohren außer Waffrr zu halten; geschieht dies, so ist das Bad eines der angenehmsten, dir man nehmen kann. Ich Hab« häufig im atlanrischm und im mittelländischen Meere, so wie .in Thermalquellen gebadet, aber nie irgend eines so erfrischend gefunden, wie daS rodle Meer." Allgemeine Zeitung des Judentbums. No. 1. 1866- Inhalt: Leitende Artikel: Die Zukunft der Religion. — Zur Geschichte der Glaubensfreiheit in den vereiulgreu Staaken. ZeitungSuachrichten: Deutschland: Bavremh. Ltuttgatt, Hannover. Preußen Berlin, Aachm, Berlin. Oesterrerchischer Kaiserftaat: Wien. Pest. Pest. Schweiz: Basel. Jtalieu: Rom. Rußland: Petersburg, Warschau. Nordamerika: Bonn. Zu beziehen durch jedes Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich 3« Thaler. verankrronlicher Redaeleur I)r. H. Pvtze. Nru», v.'» «-»«qlrlae-r'r Bu«br»-Vlung i» reivziq - Druck vsa'S »revsing in

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.