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Jüdisches Volksblatt · 1866-01-01 · 1 (1866) · p. Seite 2

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
13 (1866)
Issue
1 (1866)
Date
1866-01-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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2 Xccitlauf der Gedanken und Blute-, abe wie oft schon, wenn die einschnürende Angst sich verl)ren. und die Folgen dessen, wadu erfahren, sich in rnd Hlßer dir entfalteten, fandst du statt Verluste- Gerinn und statt de- Leidevolle Befriedigung. Und ist licht jmer Tod, vor dem wir Alle stehen, wie diese- Ger >aide, und wir wissen nicht, od er eine nieder« oder aufgehende Sonne, cd er die Nacht oder den Tag einleitet, die volle Nacht oder den vollen Tag? . . . Aber da schließt sich denn eine letzte Frag« daran, die sich auallem n^enichlichen Wirrst» immer wieder nackt und einfach dem! Menschen stellt: wahabe ich da, wahaben wir Alle zu tbun?... Ich trete noch einmal vor da- Gemälde jrne-i Meister-, und eS giebt mir Antwort. 2b er auch wiißte, daß seine Beschauer seiner Sonne nicht absehen würden, ob sie die Morgen - oder die Abendsonne sei, und wahinter dem Lichte kommen würde, dafein Pinsel auf die Leinwand brachte: er malte dennoch die Sonne und da- Licht mitten in die Dämmerung und die Schatten hinein, und es gelang ihm, und wir beschauen sie, und ergötzen undaran imtz fühlen unerhoben, und mir un- und nach un- W'r Diele. Wohlan, so wollen auch wir handeln. Nur immer mehr Licht herbeigeschafft! Nur immer klarer in die'Sonne geschaut, und die aufgelhürmlen Wolken durchleuchtet und mitten durch den dunkeln Wald den Strahlen eine Bahn geschaffen, und die' Dämmerung verscheucht von unfern Pfaden — da- Üebrige überlaffen wir dem schaffenden und waltenden Gotte, der auch uneinst die Rathselfraze unsre- Leben-: od Abend? ob Morgen? lösen, und didahin mit feinet Daterliebe uns leiten wird! . . . Und wenn wir nun heute den Morgen auch eines neuen Jahrganges diese- Blaktedurchleben^ unser Wille lei: Nur immer mehr Licht! Nur immer hellere Sonne! S. D. Luzzatto. Au» der italienischen Trauerrede de» Prol. I-el io della Torre. Bon Rr. PH. Samuel David Luzzatto wurde am Ausgange deachtzehnten Jahrhundertin einer niedrigen, abgelegnen Hütte geboren, gleichsam alhätte di, Vorsehung, indem sie ihn zu einem Leben voll Studium und Nachdenken berief, ihn trennen wollen von dem Getümmel der volkreichen Stadt, in der seine Wiege stand; auch stahlt« ihn die Armuth gegen die Versuchungen der Welt, die so viel«' tüchtige Geister von dem Pfade de- Guten ablenken. Der Daker, ein eifriger Befolge« ber alten Gebrauche, und gelehrt in den heiligen Schriften, diente ihm al- Muster aufrichtiger Frömmigkeit und ^Selbstverleugnung und flößte ihm jene uneigennützige Liebe zu den religiösen Studien ein, die später so reiche Frucht bringen sollte, und «elche den Jüngling auch damalzu ihrem unermüdeten Betreiben anrekzle. aler, nach dem Vor» bilde unserer rubmvollm Weifen, ganz wie sein Baker das tagliche Bröd mit der Arbeit ferner Hände erwarb. Aber später gab et dieselbe auf, weil er sich unwiderstehlich zu einem betrachtenden Leben anzezogen fühlte, bas sich, nicht mit Handwerk-thätigkeit vereinigen läßt. Wenig lernte er von Lehrern, Diel, ja fast Alledurch sich; die Schätze von Wissen, die er später in so vielen hochgepriesenen Schriften niederlegte, sammelte ec nicht in den Schulen, die er vielleicht nie-betreten, yicht audem Munde von Dozenten, die nur «tot» geringen Anrheil an seiner wissenschaftlichen Bildung hatten, sondern auden Büchern, in die er sich Tag und Nacht mir einem unermüdlichen Fleiß vertiefte. Aler, nachdem er sich dem Lehrfache gewidmet, bei verschiedenen Gelegenheiten furchtsam unv schüchtern die ersten Beweise feine- Wissengab, erstaunte seine Grdurtsstadr, einen so ausgezeichneten Geist zu besitzen, ohne ezu ahnen, plötzlich ln dem unscheinbaren und stillen Jünglinge ein« solch« Menge von Wissen zu entdecken. Und oiet,- Wissen häufte er geduldig mitten unter unglaublichen Anstrengungen und Entbehrungen auk, die.er gefaßt und heiter ertrug, im Schweigen der einsamen Kammer, und jeden Tag vergrößert« er dessen Menge, indem er Andern davon mittheilte. Ethürmken sich ihm fast unüberwindliche Schwierigkeiten entgegen, aber er, wie Jakob mir dem Engel, rang unerschrocken mit Allem, wasich ihm in den Weg stellte, um endlich den Plan auszuführen,' der in seinem — eines noch unbekannten Jüngling- — Geiste glühte, den er stetverfolgte, der ihm der Stern war, an dem sein Antlitz hing, so lang er lebte: nämlich in jeder Weise da- Judenthum zu verherrlichen; bas war die Aufgabe, der er sich weihte, diesedas Ziel, zu welchem der mühevolle Pfad führen sollte: da-Judentham;u verherrlichen, daso verläumdet. wir er selbst versicherte, und entstellt worden, da-heißt, ebemjenigen, welcher gegen dasselbe auunheilvoller Verblendung alte- Uebelwollen nährte oder aus dem pöbelhaften Vorurlheile, welches es verläumdet«, den Vorwand zur Verlängerung der alten Unterdrückung hernahm, zu zeigen, wie es in ber That ist, ein Lehrer der Gerechtigkeit und Menschenliebe; in Helles, von allen Standpunkten auaufgefaßtes Licht die Prinzipien zu setzen, aus denen es besteht, und die heilsamen Früchte, welche audenselben entsprießen; da- Jubenthum ,.in seiner Lehre" zu. verherrlichen, auch für die Glaubensgenossen, welche es nicht kennen, und deshalb nicht schätzen oder sich nicht darum kümmern, auf baß die tödtliche Gleichgültigkeit von. ihnen genommen werde; es zu verherrlichen „in seiner Geschichte," in der Geschichte feiner Einrichtungen, der allmahligen Reinigung de- Volkedurch dieselben, ber großen Männer, welche ihm ihren Glanz verliehen haben; es zu verherilichen „in seiner Litteratur," dieser weiten, vielgestaltigen, unerschöpflichen Litteratur, welche zur Grundlage die Bibel und zum hauptsächlichen Gegenstand sowie zum letzten Zwecke die Religion hat. Um da- Judenthum in seiner Litteratur zu -verherrlichen',' war es nothwendtg, die Sprache, welche tzaffelb« lehrt, eifrig zu studi'ren, di« Arbeit sowohl der stlimmesgenöffischen wie der fremden Grammatiker fortzusetzen und nach Möglichkeit zu vollenden, auch praktisch da- Hebräische zu üben, um es lebendig zu erhalten, wenigstenal- Gelehrtensprache; war es notwendig, sich in da- Studium der Bibel zu vertiefen mit den neuen Hülf-mittela, «elche die Wisset», fchaft unin di« Hand giebt, und die Beschäftigung mit unfern großen Kommentatoren wieder aufzunehmen, welch« wir uns seit einiger Zeit hatten auder Hand gleiten lassen; war eendlich nolhwendkg, unsere Alterthümer,

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