Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1865-01-01 · 52 (1865) · p. Seite 207

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
12 (1865)
Issue
52 (1865)
Date
1865-01-01
Page
Seite 207 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/4908862-5999392-6026777--3124-4911350
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

207 ruhen, seinen Liedhadereien nachgehen, oder auch dem süßen Nichtsrhua sorglos nachhängen könne; wir sagen sorglos, nicht sorgenlos — denn die Gorgen für sein HauS bat er während der Schulzeit wie während der Ferien. So gut wird es einem Redakteur nicht; denn ein solcher hat weder Ferien noch darf er sich auSruhen. An die letzte Nummer reiht sich sofort die erste wieder; hak er die Feder für die letzte niedergelegt, muß er sie für die erste wieder aufnehmen; und wie man sonst vom französischen Hofe ausrief: „Der König ist tobt, eS lebe der König!" so heißt eS bei einer Zeitschrift: daS Jahr ist zu Ende, das Jahr fängt an! Und dennoch har sich für ihn «in Werk abgeschlossen; Titel und JnhaltSverzeichniß werden gedruckt, di, Nummern an einander gelegt, ein stattlicher Band daraus gebunden. So wird wohl der Herausgeber der Zeitschrift mir Br» friedigung auf das vollendete Werk Hinblicken und diese angenehm, Empfindung seine Seele erfüllen. Doch nein! auch dies nicht. Ein Jeder, der mir Ernst und aufrichtigem Strebe» ein Werk unternimmt, trägt eine große, bedeutende Vorstellung, einen idealen Zweck in sich, nach dessen Erfüllung und Ausführung fein Streben gerichtet ist. Wie die h. Schrift von Mose erzählt, als er die Stifrshütte am Fuße d,S Sinai errichten wollte, bade ihn der Herr ein Vorbild sehen lassen, nach welchem er daS Gebäude bilden sollte: so schaut in seinem Geiste^Zeder, der eine tüchtige Leistung vor hat, ein Vorbild derselben, und trachtet nun danach, sie also zur Wirklichkeit zu dringen, und wenn ihm freilich die Idee nicht unmittelbar von Gott, wie Mosen gekommen, so muß doch etwas Göttliches darin lein, wenn «S für Wahrheit, Recht und frommen Sinn geschaffen werben soll. Ader da liegt nun wiederum ein Unterschied, denn di« Schrift sagt: So wie es Mose gesehen, so vollbrachte er eS. Uns andern geringeren Sterblichen aber geht es nicht so gut, wir bleiben immer hinter unserem idealen Schauen, hinter unserer höheren Vorstellung und unserem Zwecke zurück. Wir selbst erkennen am besten, wie viel wir nicht erreicht, was wir gewollt, wie viel von unseren Absichten unerfüllt geblieben. Ja, nur dem Eitlen, sich selbst Ueberschätzenben ist es gegeben, sich von seinen Arbeiten befriedigt zu fühlen, und über seine Erfolge zu einer behaglichen Zufriedenheit zu kommen, zu einem Gefühle der Sicherheit, das ihn beglückt. Der Redakteur dieser Zeitschrift gesteht offen, daß er es dahin niemals gebracht. Ihn trieb eS immer an, rastlos vorwärts zu streben, weil er Größeres, Vollendeteres schaffen möchte, wie ,S eben in den Idealen seines Geistes ihm vorschwebt. Denn selbst der Zuspruch: Du hast doch nach Deinen besten Kräften mit dem Aufgebot alle» dessen, was Dir zu Gebote steht, gearbeitet, und Dein gujler Wille muß für das gelten, was Du nicht ausgeführt — denn selbst dieser Zuspruch, sagen wir, ent» hält da» Geständniß der Schwäche, und kann beruhigen, aber nicht befriedigen. Und die Redaktion unseres „jüdischen Volks« blattes" dieter der Schwierigkeiten mehr, als fein Umfang und die Leichtigkeit des Tones, der in ihm herrschen muß, glauben lassen möchte. Es ist auf seinem Gebiete bestimmt. zur, Belehrung und zur Unterhaltung zu dienen, d. h. nichts Anderes alS die Belehrung auf dem Wege der Unterhaltung anzustreden. Weil die Belehrung in der ernsten wissenschaftlichen Gestalt, »r der gründlichen und umfassenden Weise für Viele, ja für die Meisten, entweder unverständlich oder zu trocken uni ohne Interesse ist, bedarf es de» Mittel« der Unterhalttu g, um ihnen tiefere Gedanken, Resultate der Forschung u; ib ernste Anregungen zuzuführen. Aber darin liegt «den di! Schwierigkeit. Unser Blatt muß vermeiden, was zwar unterhalten mag, aber woraus nichts gelernt oder enrn >mmen werben kann, und ebenso muß es fern halten, r,as die Dürre und Nüchternheit der gelehrten Wissenschaf: an sich «dgt. Es muß stets das Eine m»r dem Andrn in rechtem Maße und angemessener Mischung ^zu verein»- rn suchen. Es muß sich an das Leben anschließen, in welchem sich oft an ein leichtes Wort ein schwerer Sinn i nüpft: es muß durch' die Anmutd nach der Würde, selbst durch den Scherz nach dem Ernste ringen. Denn °— das b >rf niemals vergessen werben — es bewegt sich auch auf em religiösen Gebiet«; es ist eine Vorhalle zum H eiliglhume, und ein solcher Eingang muß dem erhabenen öaowerke angemessen sein, und in ihm nichts vorhanden, was der Majestät de« Raumes, in den er hineinführen soll, nicht entspricht. Da ist denn die Empfindung des Zag, »s, ob man nirgends fehl gegriffen, ob der Bebeutendheii die Würdigkeit brr Mittel entsoricht. sehr natürlich. U,d in der Thal zeigt sich uns die» praktisch genug. B ie könnten eher ein Dutzend gelehrter Abhandlungen erholten, bevor unS ein, nach allen Richtungen hin voltsmäßi , tiefsinnig und doch verständlich, anregend und von allei Gewöhnlichen fern adgefaßter Aufsatz zukommt. So ergibt es sich denn, daß in dl r angegebenen Stunde am Schluss« eines abermaligen Iah ganzdie Seel« des Herausgeber« zumeist von Wünschen erfüllt ist. Wir wünschen, baß auch vollendet« Jahrgang unsren Lesern recht viel des Erfremi hen, des Erhebenden und Befriedigenden gebracht habe, d> ß er nicht selten von dessen Inhalte sich, ergötzt, aufgerich et und belehrt gefunden habe.. Wir. wünschen, baß deutlich bewogen fühl«, diesem Blatt« ihm eine immer größere Verbreitung Tbeiles.üch bemühe. Wir wünschen, daß wir auch fijr den^nächsten Band dieser Zeitschrift Kraft und Frische mögen, um seine Blätter dem etilen und bedeutsamen Zwecke gemäß zu füllen, dem Zwek«, die Liede für die Religion der vier Jahrtausende immer entzünden, zu nädren und zu läutern, lichen Schatze .ihrer Wahrheiten, ihre > Geschichte und ihrer Literatur die schönste- Kleinodien zu Lichte des Tages erglänzen zu last geistige Band zu befestigen, welches Glaubens in religiöser Beziehung ' ait einander und alle Jahrhundert« unserer Vergangenheit verknüpft. Wir wünschen, daß es der Entwürfe und Pläne, die für leben, gelingen möge.^recht viele in Fleische und Blute der Ausführung wünschen endlich, baß die Hände m fernerhin die Spenden ihrer Geist s bringen, auf daß, wie wir e« hoffen der breiz,hace dieser Zeitschrift, ei »er ber reichsten und glänzendsten unsrer Sammlung wersich deshalb underreu zu bleiben, und zu verschaffen semes vhn Neuem zu aus Sem unerlchöpfheden, und bei dem n, und dadurch da« die Bekenner unsres mit der Gegenwart uns au< der Menge diesen Zweck ' in unS bester Weise mit dem zu bekleiden. Wir srer Mitarbeiten auch uns reichlich dar» der neue Jahrgang,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.