Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 12 (1865)
- Issue
- 52 (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 206 (sequence 2)
- Language
- German
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206 und Pein nicht "zwingen zu glauben, was sie nicht glauben. Seid ihr nickt selbst ein Beweis hiervon^' fügte Williams hierzu. „Ihr konntet nicht glauben, was Laub andefoklen und habt daS Land eurer Vater verlassen. Unb jetzt bin ich hier bei euch in Gefahr, weil ich nicht glauben kann, was ibr glaubt. Welch ein Wiberipruchk Verfahrt ibr gewaltsam gegen mich, so handelt ihr' gegen euer bessere- Wesen; ibr könnt mich todti'chlagen; von der göttlichen Wahrheit könnt ihr aber kein Won wegschaffen." Williams wurde durch Beschluß der Synode — nur ein Geistlicher bar nicht beigestimmt — des PredigeramteS in .Salem für unwürdra erklärt und aus Massachusetts verwiegen -3 Nov. 1635). , „Diese -neuen und gefährlichen Grundsätze," heißt es im'DerbannungS- . defchlusse, „untergraben das Ansehen der Behörden." Selbst die eigene Gemeinde Kak ihren entsetzten s Geistlichen bis auf wenige Mitglieder verlassen.;! Um her gewaltsamen Rücksendung nach England zu entgehen, ist der Verfolgte, mitten im Winter,;in dre Urwälder, gestoben, weg von den Christen zu den ^nbianern. „Während 14 Wochen, eine lange lanHe Zeit." schreibt Williams, „.habe ich weder Brod gegessen,! noch in einem Ben geschlafen, dis ich endlich zu dem ^mild unb edelgesinnten Häuptling Massawic gelang-rek" 'Massaioit und seine Indianer, welche Williams immer mit Fr^undlichkcit und Güte behandelt hakten, haben tzen Flüchtling unter ihren Schutz genommen, ihm einig!? Acker Landes, .zu seinem Unterhalte angewiesen, unfern der Narrggansel Ducht bei der heutiaen schonen Stadt Pcgvidence jlIuni 1636). Frau und Kinder und einige Anbänger sind nachgekommen. ''owie viele derjenigen, welche sich in 9kutngland und-anderen Kolonien , wegen Glaubens - unp GewissenSsach,en beeng: fühlten. Die herrliche ^ni'el Aquilneck ober Rhode Island, wgnach später die ganze Niederlassung genannt wurde, ist ihm bald von den Einreimischen überlassen worden. „Nicht für Geld", erzablt Williams, „sondern die Liedeswerkc, welche; ick unk Sir Hencv Dane den Indianern leisteten, haben st« der logen! uns diests herrliche Land abzulretrn." In solcher Weise ward der Grund gelegr;u dem reinsten demokca ischen Gemeinwesen, wo jeder glaubt oder nicht, was e: will- und kann. Weder weltliche noch geistlich^ Bekörd n erhielten irgend eine Macht über religiöse Angelegen! eilen. „Wir sitzen seit langer Zett, hier," schreibt Wil lams 1654) an seinenFreund und Gesinnungsgenossen. Sir . )enry 'Dane, „frei von jeder Bewegung; wir »lieben trocken, wäbrend in unserem Gedurtslande Srcönze BlureS vergossen wurden. Wir kennen keine preSbyterianische Tyrannei; wir werben auch nicht von dem Lberstcöm nden Feuer der sogenannten gottseligen Magistratsperioneri verzehrt; wir wissen nichtvon Zehenten, überhaupt 'aum etwas von Abgaben." .Das Grundgesetz Ver jungen Gemeinde war einfach und kur;. „Wir, deren Namen hier unten geschrieben, /'wünschen in der Stadt Provirenee zu wohnen,'versprechen, sowohl, in Beziehung des ak iven wie. des passiven Gehorsams,' uns allen Anordnungen oder Einverständnissen zu unterwerfen, welche von der Einwohnerschaft für Vatz öffentliche Wohl in. gesetzi icher Form gemacht werden. Wir unterwerfen uns der Mehrbeit der gegenwärtigen .Einwohner, der Familienhauvtec, welche die städtische Gemeinde bilden, und derjenigen, welche , künftig darin ausgenommen werden, — jedoch nur in bürgerlichen Angelegenheiten." — „Williamswar ein freier Mann in jeder Beziehung, im Denken, Sprechen und Handeln. Ec erkannte und verfolgt« sein Princip nach allen Richtungen; es' schwebte ihm in voller Klarheit vor der Seele. Er ist ihm treu geblieben immerdar;^ er hatte Muth und Geduld genug danach zu bandeln, unter allen schwierigen Umständen seines langen Lebens." — „Zn seinen zahlreichen Schriften har Williams. der Freund Miltons, CromwellS und vieler andern -ausgezeichneten Männer, bereits vor länger als zwei Jahrhunderten, zur Zeit des dreißigjährigen Krieges, als Ketzer und Hexen in Masse verbrannt wurden, als geistliche und weltliche Despoten Glauben und Denken vorschriebcn, die Grundsätze piedergelegt, welchen heutigen Tags alle edeln und freien Geister huldigen." — „Menschliche Gesetze über Glaudenssachen sind ein Eingriff in die Rechte Gor, res; sie sind null und nichtig; kein Mensch braucht sich nach ihnen zu richten." „Nach dem natürlichen und bürgerlichen Recht kann jeder anderen was ihm beliebt. SZ mit Gewalt zu verbreiten und zu erhallen, steht im Widerspruch mit der Narur der Religion. Sie muß durch frei« Zustimmung und nicht mittels Zwanges angenomiyen werben." „Gesetze, welche-, auf dem Grunde der Religion einen Unterschieb machen "zwischen Menschen, sie unfähig für diese und jene Aemter erklären, sind tyrannisch und verderblich." „Ich verlange keine Freiheit für mich, die ich nicht Andern gönne. Papisten. Juden, Muselmänner und Atheisten mögen in ihrem Gewissen ebenso - unbelästigl bleiben wie sch; sie mögen ihren Gottesdienst einrichlen, Geistliche aufnehmen und unterhalten, in welcher Weise sie wollen." „Während ' der furchtbaren Zeiten, wo die Freunde oder Quaker in Massachusetts ausgrpeilscht und aufge-' hangt wurden, haben sie durch Williams in Providcnce, obgleich er ein heftiger Gegner ihrer Lcbrmeinungen war, fixere Unterkunft gefunden. Die Puritaner sandten Boten und verlangten ihre Ausweisung. Rhode Island widersetzte sich."' — Bei allem dem ist es wobl zu beachten, daß dieser überaus freisinnige Mann dennoch ein strenggläubiger und bibelfester war, daß ihm die Bibel als einzige Richtschnur diente und er hiernach seine Handlungen nach dem Wortlaut der Schrift und gegen die obwaltenden Verhältnisse einrichttte. Zum Schluffe des Jahrgangs. Es ist ein eigeothümliches Gefübl, mit welchem der Redakteur einer ^Zeitschrift das Manuscript für die letzte Nummer des Jahrganges vorbereitet. Wenn ein Schulmeister aus der letzten Lcclion vor großen oder kleinen Ferien nach Hause geht, und sei er noch so gewissenhaft und pflichttreu, habe et noch so viel Liede zu seinem Berufe und seinen Schülern — so schreitet er mir dem behaglichen Gefühl nach seiner Wohnung, eine Reihe von Tagen vor sich zu haben, in denen ec aus-