Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 12 (1865)
- Issue
- 51 (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 203 (sequence 3)
- Language
- German
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LOS Synagoge, öffnet, um nach dem bekannten Aberglauben di« Tobten zv verscheuchen, di« während der Abwesenheit der Lebenden den aus ihrem Erdendasei» gewohnten Gottes« dienst in her heiligen Halle vollführen. Doch den Augen, blick daraüf schämte ich mich meiner Bangigkeit, öffnete die Thüre^ trat festen Schritteein, baß der Boden dröhnte und hatte in der nächsten Minute Licht angezündet. Die Freundlichkeit diese- Raumes und der Studengeräthe über« kam mich, mir einem Gefühl der Zufriedenheit. Zu Haust hatte ich! mich sehr einschränken muffen, und theilre da- Zimmer mit den drei jüngeren Geschwistern. Jetzt hier allein Heic zu sein und mir ganz ungewohnten Bequemlichkeiten, weckte eine Art befriedigenden Stolzein mir. Ich hatte mir vorgenommiL, die Abendstunden, bi« mir noch blieben, zu ausführlichen Briefen an meine ge» liebten Ettern und all« meine Theuern in der Heimath zu verwenden. Ich harre ihnen ja so viel zu sagen, und sie hatten mir zur Pflicht gemacht, ihnen Alles aufs Genauste zu erzählen und zu beschrewen. Bald faß ich daher auf dem Sopha, den Arbeitstisch mit der Lampe vor mir, und die Feder glitt flüchtig über da- Papier dahin. Meine Seele weilte bei den Geliebten, kostete noch einmal bas Weh de- Abschiededurch, sprach noch einmal die heiligen Vorsatze aus, die ich mir in meinem Herzen gelobt, und ließ die kleinen Reisebilder an mir vorüdergehen. Ich schilderte meine Ankunft und gelangte glücklich bis zu meiner Wohnung. Da war es, wo die fatale Mordscene mir wieder in das Bewußtsein fiel, und ein leiser Schauer mir über den Rücken lief. Ich getrau« mich nicht von dem Papiere aufzudlicken, und doch kam es mir vhr, als ob in den Winkeln des halb erleuchteten Zimmers sich Gestalten rührten, aufrichteten und an den Wänden hinhuschten. Der Wind pfiff durch den Schornstein und ein Wetterhahn ächzte auf dem Gipfel eines benachbarten Hauses. Es kam mir wie ein Flüstern, wie ein geheimnißvolles Tonen vor, zwischen welchem es im Fußboden knisterte und sprang, oder in der Thür oder iqr Getäfel. Eine Angst und Bangigkeit üdeckam mich, die mir kalten Schweiß auf die Stirn preß«. Ader ich machte 'mir Muth, ich schlug den Blechdeckel d.r Lampe zurück, ü«ß daganze Zimmer hell wurde, und sah, kühn nach allen Seilen umher. Ich bemerk« eben nichts, benutzte jedoch das wiedergekehr« Gefühl der Sicherheit, beschloß meine Bricfe am andern Morgen zu enden, ergriff bst Lampe undeilte in den Alkoven, um da-Bett aufzufuchen. Ja, meine Leser sollen es wissen > ich schlug die Thür des Alkovens zu und schob eilig den Riegel vor, als ob ich mich dadurch vor dem Besuche her Geister schützen könnte. Bald lag ich unter der Decke, die ich mir weit über den Kopf zog, und wagte trotz der Hitze nicht, diese» wieder frei.'zu machen. Das Herz klopfte mir hörbar. Da sprach ich*mit tiefer Inbrunst da!- Nachrgebet, ja wiederhol« es der Sicherheit wegen noch einmal, dachte an meine Eltern, deren frommer Segen schützend über mir weile, und an welchem ich eine feste Wehir gegen alle Undillen halte und — schlief ein und zwar den gesunden Schlaf des Gerechten. Am andern Morgen war natürlich aller Spuk und alle Bangigkeit vor solchem verschwunden. Aber ich nahm mir vor,. die Dinge, die hier vorgefallen, so genau wie möglich zu erkunden, damit >sie eine feste Gestalt annabmen und dadurch der Phantasie allen ü entzogen. Divs führ« ich aus, und ich bald ruhig in meinem Gemärt Studien beschäftigt, und genoß all, es mir gewähr«. Was ich damals will ich dem Leser getreulich erzählen b «flüssigen Spielraum in Folge dessen lebte . nur mit meinen die Behaglichkeit, die und späterhin erfuhr, (Zortsetzung folgt.) Fragen und Antr »orten. , 4. Herr R in P.:^LLie bekam t, werden jetzt auch nzcht allzuselter Rabbiner von ihr» n bete. Souveränen mit OrdenSzei» hen geschmückt. W r haben bereits in Frankreich, Belgien, Dänemark-, P reußenj Italien und Rußland Radbinen, welche einen £>rbm erhalten haben. Ein Vorkomm riß läßt mich nun Ob es angemissen und geziemend Rabbiner sein 2rdenszeichen auf sei wir wissen die Lehrern hierdu ahermals das ltzng der Kulte Dennoch «bereden mit Neins be- Gottesdienstr trage? Wir müsse» diese Frage'entsch antworten, und zwar aus solgenien Gründen. Auch Ehre zu schätzen, we che unsren! geistlichen ich^erwiesen wird, besondern&L.I)«rmit KkiNjip der Gleichste! sind, die Orden eben >ie Frage aufwerfen: sei, daß ein solcher «m Ornate bei dem ung und Gleichachvon den Thronen he :ad sanklionirt wird. leugniss« menschlicher Ehren und Au» zeichnung, die beim H ottesdienste durchaus nicht am Plaue sind. Hier soll Ich inSbesonders der, welcher ein Haiiptlräger der offentlicten Anbetung Geltes ist, aller Zeiche^l der Eitelkeit enrteiben, lim nur das vorzustellen, w»S er sein soll, Mersch und Diener Gottes. Hier soll I er durch Nichts, a s was seines Amtes ist, vor Anderen sich auszeicho/n, n chrs an sich tragen, was die Augen! der Menschen auf si h und diese von de« Gedanken der 'Andacht adziehr. Die will er über die. Dcmuth, über die Nichtigkeit des E rgeizes predigen, aägethan mir der^ glanzknden Zeichen die auf das GfAk'ntheil Hinweisen? ... So viel wir wissen", ist es auch der christlichen Geistlichen nicht Silk. Ordenszeichen beim Gottesdienste zu tragen. — Hierzu hmmt aber noch ein Besonderes. Die meisten Ordenszeichm haben ibre Grundform im Kreuze. Und wenn es au h lhöricht wäre, daß der Jude darum ein Ljrdenszeichen nicht tragen solle, da ja mit diesem nicht mehr der Gedanke res Glaubens, sondern nur der bürgerlichen Auszeichnung ve dundcn ist: so möchte eS doch bei Dielen Anstoß erregen, ein solches Symbol der christlichen Religion beim Gottes »ienste auf der Brust eines Radbinen zu sehen. — 5. Herr' L. in E.: Da bekanntlich nur die Abroniden und die Leviten ihre Abstammung dewah k haben, alle übrigen Juden unter dem Namen Jsrae itert zosammengefaßt werden: wieso können wir wissen, laß die zehn Stämme verloren gegang-n sind? Welche Tatsachen, sprächen dagegen, daß die jetzigen Juden ’fln Genuss aller zwölf Stämme seien? Der Fragesteller gerätb hiermit < uf eines der schwierigsten Kapitel der jüdischen Geschicht, auf fin yistorii'cheS RLthsel, dessen Lösung unsrer Zeit roch nichr voroehalten. Will derselbe sich gründlich über Mrs,'was bas baby-