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Jüdisches Volksblatt · 1865-01-01 · 50 (1865) · p. Seite 198

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
12 (1865)
Issue
50 (1865)
Date
1865-01-01
Page
Seite 198 (sequence 2)
Language
German
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198 ^nihitm ftio Q«n :tc größten Wichtigkeit, ja rin un- «nld.driiches Bedürfniß unsrer Zeit, und alle drei greifen praklu'H in «inanrer, daß sie sich gegenseitig ergänzen. , ES würbe ba Ver doppelte Zweck erreicht, einer immer j wachsenden Zahl. von jungen Menschen eine segensreiche Leb.nsrahn zu eröffnen, und zugleich für unsre Religion und beren Bekenner eine unbegrenzte Förderung zu schaffen. Nicht dem Bettel und dem Müßiggang leihen wie unsre Hand, sondern der wirklichen Norh und dem wahren Be, rürfiiiß, und in einer Weise, daß aus deren Befriedigung ein reiches Leben und eine vielseitige Thätigkeit erwachs«. DaS Waisenhaus wird für die Lehrer eine praktische Schale, und wiederum.werden aus jenen für das Seminar zahlreiche brauchbar« Jünglinge heroorgehen." Mit beredten Worten entwickelte nun der junge Geist» liche den ganzen Plan, und verstand «S ihn in allen Theilen so einleuchtend, klar und zweckmäßig erscheinen zu machen, daß der Kranke ihm mit steigendem Wohl« gefallen und In-rsrTsse zudörre, und nachdem der Rabbiner geendet, i'eiaeWsllstLndige Urdereinstimmung erklärte. WaS die Leitung der zu. gründende« Anstalt betraf, so halte jener den Gedanken geäußert, daß dieselbe von einem Raddiner, von dem ersten Vorsteher der Gemeinde und von einem Regi«ungsschulrarh« geschehra sollte. Levy i^ar auch hiermit einverstanden, erklärt« aber, daß der Ersten kein Anderer sein dürfe, als der Mann, der vor ihm säye und nahm ihm jetzt schon daS Versprechen ab, tzas Amt nicht abzulehnen. „Run, sagte er, haben wir die wenige Zeit und Kraft, die mir noch vergönnt sind, schnell zu benutzen. Gehen Sie sofort zu einem Notar, schreiben Sie kur; einen Entwurf über den besprochenen Plan auf, und kemmen Sie mir dem Notar hierher, damir ich meinen Flamen unter die rechtsgültige Schrift noch setzen kenne." , £>c Rabbiner sah die Nolhwendigkeir eia, entfernte sich alstald. und erschien nach.einer Haiden Stunde mir einem Rechtsanwalt und der Schrift. Levy fand die lerere gan; in der Ordnung, ließ aber noch eine namhafte Summe als den' zukünftigen Gehalt des l)r. Mandel als Direktors der Anstatt hinzufügen, unterschrieb und legt« dav Dokument in Sie Hände des Notars. ' Nachdem dreseS Geschäft vorüber war, fühlte sich der Kranke so schwach, daß er um Ruhe dar, und die derben Männer entfernten sich, nachdem der Geistliche noch einen l.rzlich^r Dank und Segen über ihn ausgesprochen. Jetzt stürmte Häunele wieder in bas Zimmer; Levy aber halte sich auf die andere Seite gelegt, Gesicht zur Wand 'gewender und antwortete auf ihr« Fragen nicht. Als sie nach einiger Zeit wieder an das Bell trat, /ah lie, daß er verschieden war. Sanft und unmerklich harre seitte Seele den längst gebrochenen Leid verlassen. — Diesmal schrie Hännele nicht auf und nach Hülfe, sondern sie untersuchte die Leiche nur näher, ob der Tod wirklich und unwiderruflich eingetreten. Als sie diese Uederzeugung gewonnen, griff sie schnell unter bas Kopfkissen und helle das Beulelchen und den Schlüsselbund des Verstorbenen hervor. DaS erster« ließ sie in ihre j weil« Kieidertasche fallen, und mit dem andere» eilt« jit; zu dem eichenen Schranke. Ein wahres Triumphgefühl \ breitete sich über ihr häßliches, altes Gesicht aus. Bald; harte sie den «igenrhümlichrn Schlüssel zum Schranke herauszefunden und stirß ihn in das Schloß. Dieses gab auch nach, aber — der Schrank offnere sich darum doch nicht. Levy halte den künstlichen Mechanismus, der durch einen Druck auf den uuscheinbarm Knopf in Bewegung gefetzt ward. sorgfältig geheim' gehauen, und fo stand das Weib vor der Thüre, hinter welcher so-großer Reichthum verborgen war und stieß und rüttelte daran mit allen Kräften und verzweifelter Anstrengung, aber sie wzch und wankte nicht. Thränen und Flüche mischten sich in ihr tolles Gedahren,- aber auch diese halfen zu nichts. Der Schrank blieb zu und sie mußte endlich die Hoffnung, ihn öffnen zu können, aufgeben. Gern hält« sie «ine Axt ergriffen und die Thüre eingeschmettirt; birs durfte sie aber nicht wagen ohne sich scharfer Ahndung auszusetzen. Sie legte daher den Schlüsselbund wieder unter das Kiffen und begann nun zu schreien und zu klagen, bis die Nachbarn herbeieilren. In kurzer Zeit war das Zimmer voller Menschen, unter denen sich bald die Männer der Chebra geschäftig zeigten, um dem Tobten die nächsten Pflichten zu erweisen. Die überflüssigen Leure wurden entfernt, und dem Arzte, wie der Polizei Anzeige gemacht. Bald kam auch Lippmaan wieder, blickte gleichgültig auf die Leiche seines Bruders und ließ sich von Hännele berichten, waS vor dem Tode noch vvr» gefallen fei. Auch er schaute mir gierigen Augen aus den geheimnisvollen Schrank; aber während er noch dasaß, kamen die Grnchtsperfonen, und versiegelten den Schrank wie alle Hadseligteiten des Verstorbenen. Der Notar halte angezeigt, daß eine tetzrwillige Verordnung bei ihm aiedergelegt sii. Jetzt war auch der letzte Ausweg verschlossen und das Unabwendbare mußte getragen werden. Auch Hännele litt eS nicht mehr in diesen Räumen. Jkire Thränen flössen reichlich, ihr Jammern schallte lau,l, aber ohne deibr adzudrechen, suchte -sie i« ihrer Kammer alles Fertschaffvare zusammen, und macht« daraus ein ganz ansehnliches Bündel. Doch noch eia anderes, wenn auch kleineres barg sie unter ihren Mantel. .Es waren — ihre Ersparnisse. Trotz der GrnLuigkeir, m l welcher Levy die Ausgaben abgemessen harr«, verstand es Hänn.l« während der zehn Jahre ihrer Wirrhfchaftsführuna. ein« ganz erklärliche Summe adzukaapsen, und zusammeazur scharren, und im Grunde war Levy auch gar nicht so geizig gegen sie, und erfreute sie bisweilen mir ganz ansehnlichen Geldgeschenken. DieS halte sie fest, und.wollte nun abwarten, wie viel ihr der letzte Wille deS Verstorbenen Hab« zu fallen lassen. — Weder der Notar, noch der Rabbiner halten.Veran» : lassung, aus den Legaten des Verstorbenen ein Gehermniß zu machen; bas Gerücht verdrettete sich schnell in der Stadt, und bracht« eia freuüiges Auffehn hervor. Alles rühmt« jetzt den Heimgegangenen^ Alles wollte längst seinen Evelmuth erkannt und von seine« ungeheuren Reichthum gewußt haben, und man rüstet« sich, ihm «in L«ich«»begäagniß zu bereiten. wie iS fo grvßartig in der Stadt noch nicht gewesen sein sollte. 5. Uaterdeß lag der Tvüre in seinem Zirpmer nach, der hergebrachten Sitte auf einem Strohlager mit einem schwarzen Tuche zugedeckt. Es war spät Abend schon

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