Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 12 (1865)
- Issue
- 49 (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 194 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Mann. der vor seinem Bene saß, schwer getroffen; eine k«fe Traurigkeit, fast Verzweiflung brekkeee sich über sein Gesicht und seine Gestalt aus, und nur wik Müde ent» raffle er sich ibt, um noch einmal zu jenem zu sprechen, wobei er wie flehend die Hände gegen ihn ausstreckte. ..Sei nicht so hart, so grausam hart, Levy!" rief er aus. „Giebt es nicht heilige Pflichten, die Gott selbst uns mit der Geburt auferlegt hat, und die niemals von uns genommen «erdenk und wenn sie der Eine noch so sehr verletzt hat, ist eS dem Anderen nicht gestattet, sich ihrer ledig zu halten. Habe ich als Bruder nicht recht gegen Dich gehandelt, so thust Du nicht minder unrecht, wenn Du ebensogegen mich verfährst. Bleiben ich und di« Meinigen nicht Deine Nächsten? Und es geht mir traurig. Ich. habe mein Leoelang gearbeitet und gekämpft »nd nun chabe ich den Erfolg doch verloren. Nur kurze Zeit noch, und ich kann mich nickt mehr halten; Alles'drschr üver mich zusammen und Schande und Elend werhen das LvoS meines Alker». Mein ältester Sohn ist schon foctgegangen, um sich irgendwo ein Brod zu suchen; cheine Tochter ist mrt einem wackeren Mann verlobt, aber ich kann die Aussteuer nicht schaffen.- Es stände i in Deiner Macht, mit einer mäßigen Summe uns Asten zu helfen. Welche Genugthuung für Dich,' wenn du mich nicht blos bitten, sondern Dich erbitten ließest! Welche Gefühle der Befriedigung müssen Dein Herz noch erfüllen, wenn Du als großmüthizer Wohlrhäter von uns schiedesti - ..Siehst Du," erwiederte Levy ledhafr, ».jetzt sagst Du wenigstens, warum Du gekommen, und warum Du n^ich so bemulhlg um Versöhnung bittest! Zehn Jahre habt Ihr mich nicht gekannt, wett Ihr mich für einen Besttler hieltet; zehn Jahre ginget Ihr an mir vorüber, ohne mich zu grüßen, und weder Neffe noch Nickte darren |etn Wort für mich, oder nur e,nen Blick. Os ich Rsvth oder Ueberfluß harre, ob ich gesund oder krank sei — Ihr darrer nur Kränkungen für mich. Und nun, da Du er» fahren, baß ich doch nicht so ganz mittellos, daß es. hier Etwas zu ffschen gäbe, jetzt kommst Du und spielst den Weichherzigen und Gefühlvollen, und ich soll der Thor sein, der Deine sußcn Worre mit baarer Münze bezahle! Nein, nicht diese sanften Blicke; gied mir. nur immer wieder jene Augen voll Hohn und Verachtung, die Du einst für den armen vaterlosen Knaben, für den irrege, gangenen Jüngling, für den adgemarrerea Wanderer aus der Fremde harrest. Ich will sie nicht anders, ober besser, ich will sie gar nicht. Geh, ich habe dich nicht gerufen!" Da wallte freilich der Zorn des Mannes wieder auf, und sein Mund kräuselte sich voll GrimmrS und seine Hand ballte sich voll Zornes; aber ec hielt doch an-sich und die Worte, die er murmelre. 'waren nicht verständlich, und er verließ das Zimmer. Draußen fand er Hannele, und sie blickte ihn mit höhnischen Augen an. denn sie mochte wohl ihr Gespräch belauscht Kaden. „Was seht Ihr mich so an?" sprach er zu ihr. ..Meint Jbr, es wird Euch besser gehen? Ihr hofft auch vergebens, Oer da drina ist keines Men» scheu Freund, und Ihr werdet so leer auSgehen, wie Ihr gekommen." DaS Weib haue einen großen Schreck; sie uäute innerlich den Zusicherungen Levy'S Nicht ganz, und in oiessm Schmant,» 909 Hoffen vnd Zweifeln war sie je» dem Anstoß jugähgiich, 'der khc vp» außen kam. „Wie?" rief sie aus. „was meint Ihr, was wißt Ihr?" „Daß Ihr Euch nicht so gewaltig auf Eure Erd« schüft verlassen solltet,'denn mein Bruder" — er iprach dies Wort wlt unsäglichem Hoh»« chus — „zerreißt lieber seine Papiere und vergrädl sein Gold, ehe ec es einem der Seinigen überläßt." * „O dann weiß ich, wem er es giedt! Da ist der Schleicher, der Wohlrebner, der neumodische Rabbiner. Er war schon zweimal hier und ist heute Nachmittag wiederdestellt." Bon dieser Nachricht war Lippmann nicht wenig dei troffen, und nach einigem Nachdenken sagte er: „Dann! bekommen wir gewiß nichts; dann will er eine Stiftung | von seinem Getde machen, und wir gehen leer aus. Hannele, das müssen wir verhindern. Thur Ihr daS eurige, lasset den Mann nicht hinein, störet sie in ihrem Thun; eS kann .sich doch nur um einige Stunden handeln. So lange e« noch nicht festaemachr ist, gilt e» nicht, und dann fallt .es uns von selbst zu, und ich schwöre euch hier beim lebendigen Gotte zu, ihr sollet einen dritten Theil von Allem erhalten, was ich bekomme! Ich selbst werde auch nicht stille sein und will sofort zu , dem Manne gehen, um ihn zurechkzusetzen." i Hannele versprach das Mögliche zu khun, und Lippl mann eilte fort. ' Hannele ging in bas Kranken,immer hinein, und ' j fing an, zu rumoren, Gesichrec zu schneiden und Work«; zu brummen, ein« Manier, die Levy zu gut kannte, um \ nicht zu wissen, was sie zu bedeuten habe. Er rcbere i daher daS Weid an: „Was sicht dich wieder an, Hannele? I waS bat dich so aufgebracht?" | „Soll man sich nicht ärgern," laurere die Antwort, j „wenn man sieht, baß ein Mann wie Lippmann sich vor : dir beugt und krümmt, und in deiner lehren Stunde bist , du so unbarmherzig und jagst deinen eigenen leidlichen I Bruder von dir. Was hat man da von dir zu erwar» > ren? Wie soll ich auf dune Versicherungen krauen, daß i Du für mich sorgen wollest? Hast du mir gesagt, was > du für mich bestimmt hast? hast du mir es gezeigt? Du willst und willst, und wenn es dazu kommt, hast du nickt das Herz gehabt, eS fest zu machen." Levy seufzte tief auf; da» Bewußtsein, von jedem, der ihm nade käme, um de» Mammons willen g,quält zu werden, und nur unter dem Fluche habgieriger Blicke zu sterben, stieg in ihm auf und ließ ihm Leben und Menschen nur um so verächtlicher erscheinen. „Ich habe j Dir gesagtrief er mir Bitterkeit aus, „eS ist Alle« fest : vrstimmt, und du erhältst deinen genügenden Theil. doch j nur wenn du dich ruhig verhalst. Nimm dich in Acht, und denk an die Fadel von dem Hund, der üver die Brück, lauft. Ich will kein Wort mehr hören, und du sollst still khun, was ich dir sage." i Das war freilich Hännele nicht so leicht möglich, aber , Furcht bekam sie doch und schwieg. — Uuterdeß war Lippmann zu dem Rabbiner geult und; trat bei demselben in sehr aufgeregter Stimmung em. ■ „Herr Dr., ich höre zu meinem Erstaunen, baß Sie wie« ' , verholt zu meinem Bruder gegangen, um den Sterbenden zu überreden, fein Vermögen den Seinigen zu entziehen