Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 12 (1865)
- Issue
- 49 (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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ollsblatt. Zur Belehrung und Anterhattung auf jüdischem ffebiete. Herausgrgeben von Rabbiner Dr. Lnd»lg Phili--sou in Bonn. rn> >n « n/* f i Von iicjn DritfMM ctiActal sMtnttiA (in« Duma. 9ttU M » » ,. , , , , , UlD. 4“ loOÖJ S»»»« t Lbtt. 0>i«r,eljädrin 7^ Rgr. «Le »uchhaodUw««». ****««« |/ > ANVL. 4. Husrisi.1 ~x*r. iuuw.j ftritvnftt'Trebitfc’Ken «efcwnr «Me»u»,r» <in. L*^ 'Ü ""'2' ** Die Stiftung. Erzählung aus -er jüngstm Zeit. (Fortsitzung.) 3. Lcoy hat» sich bald wird» erhoit- Et war, wi? wenn die Erschütterung seine Ledensg«ster noch einmal aufgeregt und vor dein Verscheiden jum Aufflackern gebracht hätte. Zn der Stadt aber batte sich schnell das Gerücht durch den Nachbar verbreitet, Levp sei von einem Schlaganfall getroffen, verstorben. Alsbald eilt« sein Bruder Lippmann herbei,.«», wenn jener, wie er hofft« ohne Testament aus dem Lebe» gegangen, sein Erbrecht wahrzunehmeo. Er trat tn das Zimmer und fand ju seinem Erstaune» Levp im Bitte liegend, aber mit lebhaften Augen, und ausdrucksvoller Sprache, da er «de» einige Worte zu Hännele sagte. Lippmann faßte sich schnell, und wollte die Situation benutze», sich mit seinem Bruder Möglichst auf guten Fuß zu stellen. Er winkte Hannele, welch« das Zimmer verließ, und setzt« sich auf einen Stuhl neben bem Lager seines Bruders. „Ich, bin gekommen, hob er an, weil ich gehört habe, daß es Hir sehr schlimm geht. Zch den von dieser Nachricht sehr ergriffen, und mein Herz drängt mich^be» vor wir auf immer geschieden werde», daß Du noch ein gutes Wort zu mir sprechest, und wir uns aussöhnen. Schenkt D" Gott Gesundheit wieder, was ich von -an» zer Seele wünsche, desto besser, so werden wir bi« letzten Tage unsres Lebens in gutem Einverstäadniß mit ein» ander stehen." „Das wäre nicht nöthig gewesen," erwiederte kurz der Krank« „lind warum nicht, Levp? Zst nicht de- Haders ge» nug unter unS gewesen, und wollen wir die groß« Sünde begehen, daß der Tob uns als uneinige Brüder trenne, und wir vor dem Richterstuhl Gottes mit Unwillen und Aergerniß im Herzen treten sollen- Bei dem Andenken an unsre Elter», Ioße di« Hand der Versöhnung, die ich Dir reiche, nicht zurück; es wird Dir für di« Stunden, die »och bevorstehen, ein gutes Bewußtsein geben und Dich erleichtern. Sieh, ich hin der Aeltere, aber ich komme Dir gern^ntgegen." „Das wäre nicht nöthig", wiederholte der Kranke, und kehrte'sei» Gesicht der Wand zu. Aber kippmann ließ nicht nach; es fuhr fort: „Zch weiß, und gestehe es ein, daß ich nicht immer gut gegen Dich gehandelt, und daß ich mich licht immer als Bruder erwiesen habe. Zch. bereue es Haare, die sich auf ursser Beider mich eines Besseren belehrt. Ich zeihung, gewahre si, mir. Zch wü jetzt rief; di« grauen Häupter gelegt» haben bitte Dich »m Veraschte Nichts setznlitdek. als daß es mir «och vergönnt mit*, diese met»e Bitte auch durch Thaten zu unterstütze». Sei nicht unerdirrlich, Bruder, sei es jetzt »icht." Der Mann hatte wirklich mit sprachen, und es schien fast, als seinem Auge dringen wollte. Levp hatte sich jetzt wieder' zu ihin gewandt, und nach einigem Schweigen sprach er: „Gu , ich will Dir antworten. Sieh, ich halte vo» solch m Seenen vor dem ewegter Stimm, gerb ein« Tdrän« aus Tode nichts. Was man während ist, muß ma» auch im Tobe fein, lungsweise seines Leben» io der letzt scheint mir ganz ohne Nutzen zu fein ter schaut nicht, ckuf die aaosrligeu Br cken, dir wir rhmnur eines Lebens gewesen md bi« ganz« Hand» Grunde umkekren. Der göttlich« Rich- »inwerfen. Er prüft «n es uns gefallen Furcht vor dem,, was uns erwartet, unser ganzes Lebe«, und wir mü lassen, hiernach, das Uctheil aus fernen Händen zu.empfangen. Wi, Beide haben ntermrl l Liebe zu einandet empfunden, und was wir jetzt thäl m, geschähe bei mir nur aus Angst, bei Dir wahrschein ich mir «ine« Blick auf meine Hinterlaffeoschaft. Nein, Lippmann, Du hast mich zweimal von Dir gestoßen; i t der größten Nord meines Lebens hast Du mich aus den Hans« gejagt und mich dem Verderbe» überlassen; und als ich müde aus der Fremde wieder deimtehrre, und nein Herz sich naeb einem freundlichen Begegniß sehnt«, riesen Du und Deine Kinder mich ab. Hast Du mich b s dieher allein ge, lassen, brauche ich auch für di« letztet Schritte kein« Begleitung. Zetzt will ich es Dir gest hen: ich kehrt« au» Amerika mit einem großen Vermög a zurück, aber ich wollte erst erkenne«, ob in der lange« Reihe von Zichren die Bruderliebe in Dir erwacht sei. l sch fand keine Spur davon.. Du hast die Prüfung nicht estanden. Als Zo» seph fein« Brüder wiederfand, traf er ie treu und ergeben^ und sie wollten sich hinopsem für ßitnjamin. Da ver» gaß er, wie sie ihn in di« Sklaverei r rrtoaft, und brachte sie nach Gosen und ernährte sie. Z» hätte es auch ge» tha«. Ader Du verkauftest mich «ich einmal, und da laß' mich nur, denn es hilft Dir «ichts und ich will ruhig sterben. Unter den düsteren Er nnerunlgen, die mit Deinem Anblick verbunden sind, tot int« ich es nicht. Geh, verlaß' mich." Die Worte des Kranken hatten den