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Jüdisches Volksblatt · 1865-01-01 · 46 (1865) · p. Seite 182

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
12 (1865)
Issue
46 (1865)
Date
1865-01-01
Page
Seite 182 (sequence 2)
Language
German
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182 Adar, als Fasttag, iw nennen idn Petirah de 8l«Ü Radenn. Sie fasten den ganzen Tag und lesen i« der Synagoge oder den Schulen die betreffenden Stelen über den Tod Moi'eS vor. In der Nacht des Lag ba-Omer, welche sie Noche de hilula de Rabbi Simon den Johal nenne}», lesen sie die Stelle deS Zohar, „diharki Aura," welche dieses Rabbi enthält. Diele Vorlesung bauert ternacht. Nach der Vorlesung versammelt man einer der Notadilitäten der Stadl, gewöhnlich bei de» Tod >i« Mitsich bei n Groß- Radbiner Jsaac Nahen, um dort eine Mahlzeit z}» halten; Tobten- ' md vor-; der Rabbiner häsk hierauf die Haschkabah oder feier für alle die, welche jetzt verstorben sind maldiesen Versammlungen beiwohnten. Oie Juden von Tetuan feiern auch den Jahrestag , Oec Flucht' der Araber vor den Spaniern/ wo die Elfteren; sie plünderten und mißhandelten, bevor sie d»> Stadt verließen. § 10. Heiratben. Oie Araber feiern ihre Heirarben mit großer» Pomp und mir Procesiionen durch die Straßen; sie i etratf>en jung:" die Männer im Alter von sechSzehn bis zwanzig JaKren, und die Mädchen zwischen zwölf und »chtzehn, so daß sie mit dreißig Jahren schon Enkel haben können. Oie Heiralhsbedingungen werden durch die Elt rn festgestellt, da die Gatten selbst zu jung sind um selbst darüber zu bestimmen. Der Varer deS Bräuliga ns gibt dem der Braut eine bestimmte Summe Geldes, als < lcfatz für die Tochter, welche letzterer seinem Sohne gilt; also kauft er, so zu sagen/ seinem Sohne eine Gattin Man siebt, daß die arabischen Frauen mehr werth sind, als die europäischen, welche letztere ihrem Gatten eine Mitgift dringen müssen. Aber, das Auffallendste ist, daß der Araber feine Zukünftige vor der Hochzeit nicht feh n darf; er muß sich hierin auf den Geschmack seiner Mu rer verlassen, die allein sie sehen darr. Man rechnet wa)rscheinlich darauf, daß sie »Km immer gefallen wird, )enn da alle Frauen verschleiert sind, wird er niemals eue sehen, die schöner ist alS die feinige. Dem Fremden wird eS.übrigens sehr schwer gemacht einer arabischen Hochzeit deizuwohnen. Bei den Juden hingegen, beginnen die Fest ichkeiten vierzehn Tage joc btt Hochzeit. Die Trauuvg findet heS Taln Alter, immer am Mittwoch statt, laut der Vorschrift mud (Kelhuborh, j>. 1.). Sie heiralhen im halb> w:e die Araber. Den Samstag vor dem de iimmten HochzelkSlag versammeln sich die Eingeladenen in der Synagoge,wo sie den Bräutigam beglückwünschen; b eaufden Galerien befindlichen Frauen werfen allen, die zun gsrufen werden, Zuckerwerk in die Synagoge hinab dem Gottesdienste begeben sich Alle in das HauS -er! Braut, wo sie zum Essen geladen sind. Noch an Abende > desselben TageS kehrt man in das HäuS der Braut zu-! rück, wo die GelegenheitS - Piurim gesungen werten, worauf dann Thee und Backwerk gereicht wird. Einige Tage vor der Hochzeit werben die Portale alle» Häuser weiß behängt, an denen die Braut vorüber muß um fld>v m bas Haus ibrcS Zukünftigen zu begeben. 2>er, dem Hochzeitstage vorangehende Sonntag beißt der Tag der Kethubah (wo die Kerhubah abgefaßl -wird). Am Dienstag Abend gehen die Geladenen zu der Braut, welche vollständig geschmückt ist, auf dem Kopf eine dreifache Reibe der Frisur ESphipha, mit geschlossenen Augen, die Wangen roth gefärbt, und die Fingerspitzen mit der Farbe Alchenia gelb gefärbt. So geschmückt, geht sie von ihren Eltern und Gasten begleitet hinaus, und erlaubt der Vater den Gasten der Reihe nach seine Tochter zu führen, welche fortwährend mit verschlossenen Augen einhergeht. Diesem Zuge gehen fünfzehn dis zwanzig Knaben voran, die angezündere Kerzen tragen und von Hochzeit-piurim-Sängern.begleitet sind, und solang: der Zug im Haufe des Bräutigams an. Dort befindet sich ein Thalamon, ober Art von Wölbung, worunter ein, für die Braut bestimmter Thron steht^ dann entfernen sich Alle, worauf die Braut in ein reiches Bett gelegt wird, wo sie die Nacht diS zum Mittwoch Morgen in Gesellschaft ihrer Mutter verbringt; dann wird sie aufs neue auf den Thron gesetzt und erwartet so ihren Bräutigam. Dieser kommt gewöhnlich zwischen acht bis neun Uhr Morgens, reich geschmückt mit TaliS und Thephilim, von allen Gästen begleitet, unö^ setzt sich seiner Braut gegenüber. Hierauf liest der Rabbiner die Keihudab, verheirathet dann die jungen Leute nach dem RituS, wo-' rauf der Bräutigam ein GlaS mit dem Fuße zerbricht; eodltch reicht man den Geladenen Liqueur und Kuchen. Um zwei Uhr wird ein großes Mittagsessen gegeben uns eine Collecte für den Rabbiner gehalten. Außerdem geben reiche Leute noch eine Soiree mit> Gesang und Tanz. Die HochzeitSfeierlichkeiten dauern noch sieben Tage, wo man bei der Braut das Abendgebet verrichtet, und Liqueur und Kuchen reicht; endlich am siebenten Tage wird ein großer Fisch gegeben, als Symbol der Fruchtbarkeit. Es ist bemerkenSwerth, daß, während der Araber, wie oben bemerkt, seine Frau kaust, der Jude, überhaupt mehr Kaufmann als der Araber, ebensowenig um seine junge Frau handelt. alS um seine alte Religion; cc kauft sie nicht, sondern heirathet sie; der Daker vor Braut gibt gewöhnlich seinem Schwiegersohn eine Mitgift, im Belaufe von zweihundert Piastern oder lausend Francs. Der Bräutigam gibt seiner Gattin zwei bis drei grüne oder röche goldgestickte Kleider, HalS- und Armbänder, Diamancenringe, ein Perlendand um rS auf der Stirn zu tragen, und die Alhorza, eine Art.von Ohrringen. Schluß folgt.) Sepher Nach Aus einer Ansprache vor der Vereidigung eines jüdischen Juristen behufs Eintritt in den Staatsdienst.*) Von Dr. M. Silbecsteln in Lyck. .... Wohl geloben Sie eS heute an heiliger Stätte, der Wahrung, der treuen und gewissenhaften Wahrung des *) Wir entnehmen diele Worte einer Admomtton, die in Folge Auftrags von dem Schreiber Diese« bei Gelegenheit de« Eintritt« eine« Juristen Dr.jur. utr., iu den preußischen Staat«, dienst vor einiger Zeit gehalten worden ist. vr. S..

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