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Jüdisches Volksblatt · 1865-01-01 · 45 (1865) · p. Seite 179

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
12 (1865)
Issue
45 (1865)
Date
1865-01-01
Page
Seite 179 (sequence 3)
Language
German
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großen breiträndrigen Strohdut, um sich vor der Sonn« zu schützen, und einen weißwollenen Ueberwurf, welcher den Kopf sowie den ganzen Körper bedeckt. Don ihrem zehnten Jahr« an sind sie verpflichtet ihr Gesicht mit einem Tuche zu verhüllen, danur die Augen freiläßt. Sie tragen gelb-ober rothlederne Pantoffeln, aber keine Strümpfe und umwiöwln nur die Beine mit einem Tuche. Im Hause ist »S ihnen erlaubt ihre Schmucksirchen, Diamanten und alle ihrem Vermögen an» gemeffenea Luxu-gegenstände zu tragen. Sie führen Alle eiü müßige» Leben, die Armen ausgenommen, welche die härteste Arbeit in den Feldern verrichten und auf dem Markte verschiedene Nahrung-mittel verkaufen; bei dieser Gelegenheit dürfen sie ihr Gesicht frei lassen um mit den Händlern sprechen zu können. Die Sitten der Juden kommen denen der Europäer schon viel näher. Sie haben Stühle nnd nehmen ihre Mahlzeiten nicht auf der Erde sitzend zu sich, wie die Araber, ebenso benutzen sie, wie in Europa, Messer und Gabeln. Ihre Kleidung weicht bedeutend von der der Araber ab. Ihre Kopfbedeckung besteht aueiner schwär» zrn Mütze. Ihre Hembärmel sind nicht so weit und ihre Beinkleider sind von weißem Leinen. Sie tragen die europäische Fußbekleidung 'und leinene Strünttzfe. Sie tragen rin blaue- oder rothe» Kleid, welchesie von Halbizu Füßen bedeckt, und welcheder Läng« nach vorn herunter zugeknöpft ist. Um ebesser passend zu machen, tragen sie einen Gürtel von rothem Tuche, eine Art Shawl, wel» chen sie mehrmalum den Leib schlingen. Außerdem tragen sie noch eine Art Ueberwurf, Sulham genannt, von blauem Tuche mit Aradhängenden Aermeln und reich mit Seibeafranzen garairl. Biele tragen Uhren an einem schwarzen Bande, welcheman durch da- Kleid sieht. Die Raddinen und Gelehrten ersetzen den Sulham durch eine Art Burnuvon schwarzem Merino, und tra» gen al- Kopfbedeckung «ine Art Shawl von rosa Merino. Endlich muß man in Betreff der Männerkleidung noch hinzufügen, baß zwanzig didreißig i-raelitifche Fa» milien sich vollständig europäisch kleiden. Die jüdischen Frauen von Tetuan sind außerordent» lich schön; sie sind liebenswürdiger und geselliger al< die arabischen Frauen. Sie siud sehr thätig, arbeiten Alle in ihren Häusern und beschäftigen sich mit der Wirth» schafr. Die armen Frauen führe» die Wirthschaft bei Andern,. manche sind Nähekinnei/ Wäscherinnen, etc. noch andere weißen die Häuser, wie ich schon oben de, merkte. Die jüdischen Frauen von Tetuan bedecken sich nicht da- Gesicht wie die arabischen. , Ebenso ist ihre Kleidung von der ihrer Land-leute verschieden. Sie bedecken ihren Kopf mir einem seidenen Tuche, ihre Frisur läuft spitz zu. Sie tragen Ohrringe. Au» ßerdem tragen sie vor den Ohren die Alhorza, eine Art von Ring, welcher an den Wangen hemnterhängt, und von Gold ist, mit grünen Steinen besetzt. Sie haben da- Haar mit einer Art Tuch von rothem Merino um» wickelt, welche» auf den Nacken herabhängt, denn die verhelratheten Frauen dürfen niemalihr Haar zeigen; nur vor der Hochzeit kann man «- sehen, indem ein langen Flechten den Rücken herabhängt. Die verheira» theten Frauen tragen eine Art Mieder reich mit Gold gestickt, mit sehr weiten Aermeln und unten mit Spitzen ei i v > Uit gesetzt. Außerdem tragen ße ßm dm Hal- und «in Kleid Zenn sie über die Straßen gehe» Neid von rothem oder blauem «!inen Merinogürtel um den -«stickt und sehr breit; endlich sstiefelchen. ' Die Novia-, oder Neuvero der Stirn, besonderim erst« , E»phivha, ein« Art breirevnd grünen Steinen garnirt in Man sieht diese Esphipha man jungen' Mädchen von vierzehn welche sie al- Geschenk von haben. — Endlich kleiden sich Mädchen nach europäischem Gesc die e Gold oder Perlenkette « europäischem Schnitt. tragen sie «in andere- Stoff mit Gold gestickt, erleid, ^uch mit Gold tragen sie.-Schuhe oder wählten tragen noch auf Jahre ihrer Eh«, die von Seide mir ^Perlen Werth« von 50Ö Fr».!< »mal auf der Stüm von i difünfzehn Jahren, ihrem Verlobten erhalten unverhfiratheten juygen macke. § 8. (5ultu» und »eremonien. Die Moscheen sind groß, g it erleuchtet, sehr remlich und ohne jeden Schmuck, eir ige Teppich« und Lüster ausgenommen, welcht letztere zi m Adrndgotte-dimste benutzt werden. Alreine Monotheisten und Heilige anerkennen, haben die besuchtesten sind ihre Moscheen Freitag Morgen und Montag nieder und verharrt in der tiefs durch den Scherif geleiteten Gt Stadt umschließt Tetuan eine vieler Beziehung bemerkeo-werth keine Männer mehr da sind, de> reten die arabischen Frauen die Moschee. Urbrigen« darf lein Europäer oder Jude sie besuchen. — In der Umgeg Traber von Scherif-, welche dl Gebet,- betreten. — Die Beschneibung nehmen vor, wie bei Jsmael, dem Sol ne Abraham». Sie enthalten sich de- Schweinefleische« und schlachten ihr Lieh nach jüdischer Weise. Jede- Jc um da» Grad de» Propheten der ganzen Zeit der Pilgerschaf nicht und verlheilea sie bei ihre Sie betrachten die Sachen de heilige Reliquien. da sie keine Araber kein^Bild. Am am Donnerstag Abend, ldend. Man wirft sich' ,n Andacht während dette-bienste-. Alheilige roße Mosch«, welche in ist. Nur Abends, wenn nd der Stadt sieht man Araber zum Zwecke bete im dreizehnten Jahre br pilgern sie nach. Mekka, zu besuchen. Während wechseln sie ihre Kleiber Rückkehr an ihre Freunde, verstorbenen Pilger al» (Fortsetzung folgt.) Frage« und Antworte«. 2. Herr L. in E.: Wie verhielt e» sich nach dem Gesetze mit den Kindern der Sklaven5 Durfte der Herr Mann und Weid, Eltern und Kinder nach Belieben trennen und verkaufen? Ohne uns in bisse Materie genauer eivzulassen, de» merken wir, daß der jBegriff „Sklave" bei den Hebräern gar nicht vorhanden war. Die hebräische Sprache hat nur einen Au-bruck und dieser heißt eigentlich nur Arbeiter, von -q» arbeiten. Diese Bezeichnung enthält nicht Schimpfliche» oder nur Verächtliche-, denn

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