Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 12 (1865)
- Issue
- 44 (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 174 (sequence 2)
- Language
- German
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174 Schöpfer wegen tzes zu hoffenden Paradieses., sondern auS reiner Liebe zu ihm und zu ffinem Gebote. In dee Einsamkeit schäme matt sich >or Gott, wie mar vor Menschen sich deS Bosen schämen würde', und las e. fein Leben für ihn, daß wir nicht geringer seien als d e auf GeKeiü 'in den Krieg ziehend n Söldlinge. Auf d. ß unsere Seele vollkommen werde, müssen wir Leiben und Schmerzen tragen; nie dürfer wir vertaugnen wolle i, daß wir Zuden sind. Täusche Niemanden absichtlich durch deine ' Handlungen , auch keinen Nichljwxn; sei nicht zänkisch gegen . Oie Leute,, rveß Glaubens fe seien. Handele ehrl ch in deinem Geschß'fck; erzähle nicht, daß man eine Laare für diesen oder jenen Preis habe abkaufen wollen, wenn eS nicht wahr ist; mache r icht Miene zum Ver aufen, wenn es dir kein Ernst ist: solche Dinge sind eines Israeliten unwürdig. Kommt ^in Jude oder ein )?icht- |u:e und will. Geld von dir »eliehe'n haben, und du magst nicht weil'du an der Wiede:dezahiung^zweifelst, o sage . nicht, du habest kein Gelb. Wenn znischen Juden rnd Nichljuoen ein .Ü er.trag m Beistände a ^geschlossen worden, nüffen zu geg nseicig Erstere Leist.'ad leisten, wenn Letztere ihrer Berpfl Nachkommen. Will ein Jude einen Nichljuden slöüten, dieser aber n cht jenen, müssen wir dem Nichljud n beistehen. Man! soll Niemandem Unrecht chun, auct nicht anderen Glaubensgenossen. 2n dem Vermögen der r, die. die Arbeiter drücken, gestohleae Sachen kaufen, vnd, zu ihrem Hausgqrälhe heidnische Zienalhen Hallen, lt kein Segen; sie qder ihre Kinder geben dessen Verlust'». §n dem Verkehr mit Nichljuden befleißige dich derselbe, Red-- lichkeil als mit Juden; mache den Nichljuden auf «einen Irrtbum aufmerksam, und teffer du lebst von Ä mosen, als daß du, zur Schmach Cig Judenthums und x$ jüdischen Name iS, mit fremdenj Gelbe davon läufst. Holt d^r Nichtjüoe sich bei dir Rinh, io sage ihm, eer.aw dem Orte, w chin er sich degiesbt, redlich und wer c a "Be-u trüger ist. Siehst du einen fremden Glaubensg messen! eine Sünde .begehen, so hi^terlreibe sie, wenn du &ie; Macht dazu hast, und sei dar Prophet Jona hier n dein Vorbild, glichet ein Mörder zu o-'r, so gewah e ihm keinen Schutz, auch wenn eß ein Jude ist; begegnet dir aber auf schmalem schlechte» 'Wege ein. Lasttr» gender, >'o mache ihm Platz, auch we»n es kein Jude ist. Einem die natürlichen lNoachidischeü) Gebote haltenden Nicht-! juden gieb chrück, was er yerlcren, halte ihn tubr‘ira Ehren als fcfn die göttliche Lehre vernachlässigender Israel liten. Uebn^ens sind an Deji meisten Orten die den Christen! in ihren Sitten-ähnlich. Bietet dir Jemand ein A-nulel an, als nütz chkung Gunst oder $ciduhum zu erw :rden, so trage es mc>t, fon kern bade detn ungekheilres Vertrauen zu Gott. Abfall, irolllkst du, wenn deir e Pläne mißlingen, d andern Heerjn aussuchen als den Ewigen deiner Kannst du chit dem Wenigen, das du besitzest, dich ren, so niinm nicht von An xren. um reich zu. denn die meisten von denen, l ie von Anderen nehn en, hae den kein Glück. An dem 8elüe von Leuten, die die Münzen beschneiden, Wuche Geschäfte machen, r »redlich Maß und Oewichc haben ui d im Handel nicht ehrlich sind, ist kein Segen; it^e Kinder uns Helfershelfer muffen L s war einem werden j auswandern und kommen an den Bettelstab. Mancher i wird aber auch darum arm,- weil er Arme verächtlich de- handelt oder mit harten Worten zurückgestoßen und ge- > sprechen har: Wer' arbeiten kann, dem ged' ich Nichts! Er sollte lieber den Armen zukommen lassen, was er für! unnütze eitle Dinge, z. B. für Vogel, die er sich hält, ver-; schwendet. . , Wer Erbarmen hat mit dem Menschen, dessen er-! barm» sich Gott; ein Unbarmherziger gleicht dem Vieh, daS bei dem Leiden der Seinigen gleichgültig bleibt. Mit dreien muß man besonders Mitleiden haben: mit dem! Sinnigen, den ein Toller beherrscht, dem Guten, der einem -schlechten Menschen unlerlhan ist, dem Edlen, der von > einem Elenden abhängig wirb. Aber dreier soll man sich nicht erbarmen: des Grausamen, der selbst ohne Erbarmen Laster verübt; des in sein Verderben rennenden gewarnten j Tboren; des Undankbaren. Der größte Fehler ist Undank- ' barfeit; sie ist selbst gegen das Thier nicht gellalcet. Auch brr ist strafwürdig, der dem Vieh über Gebühr Lasten auferlegt, es schlagt und gualt, eine Katze an den Ohren : zerrt, ein Pferd mit den Sporen sticht. Ein kranke- Tiner oder ein trächtiges soll geschont werden; lauft ein , nicht gefährlicher Hund dir in dein Haus, so jage ihn ryit einer kleinen Peitsche hinaus, aber hüte dich, ihn mit; ein.m großen Stocke zu schlagen, mit siedendem Wasser Mt begießen, zwischen die Thüre zu klemmen, zu blenden. v!och größere Verantwortung übernimmt derjenige, der Knecht und Magd harr behandelt. Sind die Leute gut uüv du brauchst Geld, so verkaufe sie keinem Grausamen, der sie unmenschlich züchtigt. Nimm keine Verleumdung willig auf, suche vielmehr dem zuzureben^, der bei dir sich über einen Dritten beschwert. Sprichst du von Jemandem, so erzähle bas Gute von ihm, jedoch nicht in Gegenwart seiner Feinde, die hieraus "nur Veranlassung nehmen würden, sich über seine Fehler auszulassen. Lode nicht einen' Reichen vor einem Reichen, den Schreiber vor einem Schreiber, überhaupt nie jemanden vor seinem Geschäflsgenossen; nur den GotleSfürchtigen magst du einem GotleSfürchtigen rühmen. Antworre nicht mit überlauter frecher Stimme, sondern bescheiden, und von muffigen Spöttern entferne dich schweigend, — bas Spotten führt zu Unanständigkeiten und diese zur Unzucht. Stelle keinen zur Rede, von dem du überzeugt bist, daß er dir kein Gehör giedl, oder daß ec dadurch zu Haß und Rache verleitet würde. Iss ein Reicher und ein Armer krank, und du siebest die Leute den R.ichen besuchen, so gehe zu dcm-^srmen selbst wenn ec kein Gelehrter ist. Aber wo der Gelehrte Almosen, der Arme Ehre bedarf, gebt jener vor; es sei denn, baß der arme Ungelehrte gotlesfürchrig, jener aber SS nicht ist, dann gebührt der Gottesfurcht die Ehre. Verbinde dich lieber mit einem freigebigen Ungelehrten als mit einem geizigen Gelehrten. Bist du Anderen schuldig, so bezahle erst deine Schulden und bann spende Almosen. Bedarfst du eines Genossen zum Lernen, und findest einen guten schweigsamen, aber von den Uebermülhigen verspotteten Üungling, so erwähle ihn dir, wenn er es zufrieden ist, züm Freunde und Schüler, denn die unverdient Aurückgesetzlen werden erhöhet. Speie nicht aus wenn dir Aussätzige begegnen, sie sind alle Gottes Geschöpfe, und Gesunde wie Kranke von »hm abhängig.