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Jüdisches Volksblatt · 1865-01-01 · 44 (1865) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
12 (1865)
Issue
44 (1865)
Date
1865-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Volksblatt. Zur Belehrung unk) Unterhaltung auf jüdischem Hebsele. HcrauSgegeben von , , Rabbiner Dr. Ludwig PhÜiPPson in Bonn. flio. 44. 1865.] Bo» vieler SdtfArift trifteint wölbevttilb eine?tu««er. Pret» de» Jahr» gang« 1 Lbir. Nicrieljährig 7 % Ngr. Alle Buckbanblungen. Postämter und Aeiruug«ervediiio»e» uehmen Bestellungen an. [12. Jahrs. 4. Quartal.] T Die Silkeulehre des jüdischen Mittelalters. Wenn I die christliche Welt einmal Notiz nimmt von den Predigten und Religionslehren der neueren jüdischen Theologen * und sie deren Lauterkeit und Sittlichkeit ein» räumen muß: so hört man die Behauptung sehr oft, daß die modernen Juden diese vom Ehristenthum, wenigstens von der Civilisation entlehnt haben. Gut, führen wir den Gegenbeweis! Zeigen wir, daß die Sittenlehre, welch« das mittelalterliche Judenthum predigte, welche im Uten diS 14ten Jahrhundert von jüdischen Celedritäten gelehrt wurde, nicht minder lauter, erhaben, vorleuchtend war, auS einer Zeit, wo die christliche Welt dergleichen wenig auf» zuweisen, noch weniger die Juden der christlichen Welt zu entlehnen geneigt waren. Diezu beweisen ist um so nützlicher, als nicht wenige Juden zuletzt auch Behauptungen glauben, welche so oft wiederholt werden, und die sie auS Unkennlniß nicht widerlegen können. Nein! der Ztrom der reinsten Moralität — und zwar gegen alle Menschen zu üben geht durch die ganze Geschichte deS JudenthumS, von Abraham und Moles bis auf den heutigen Tag! Der Beweis ist bereits geführt. Zunz in feinem Werke „Zur Geschichte und Literatur" (Berlin 1845.) hat ihm einen ausführlichen Abschnitt geschenkt. Dagrößere Publikum, welchem «in so gelehrte- Werk uozugänglich ist, wird eS un- Dank wissen, wenn wir hier einige Auszüge auden Sittenlehren jener Periode bringen. R. Elieser b. Isaak (um 1050). iIu- Orchot Ehajim). Gib, mein Sohn, Gott die Ehre und zolle ihm den Dank, denn er ist e», der dich gebildet und in diese Welt gebracht hat; du bedarfst seiner, er aber nicht seiner. Vertraue nicht deinem leiblichen Wohlergehen hieuieden! Mancher hat sich niedergrlegt und ist nicht wieder aufgrstanden; mancher ging fröhlich zu Bette gesund und wohl, gemurh, und erwachte unter Schmerzen und Schrecken. Fürchte den Herrn, den Gott deiner Väter, unterlasse nicht Abendda- Schemah, Morgens dieTefilla zu lesen, heilige dich auf deinem Rachtlüger und entweihe dein« Seele auch in der vertraulichsten Stunde nicht durch unreine Worte. Sei rein an deinem Leide, versäume früh nicht das Händewaschen, und die reinen Hände falte zum I Gebete; preise deinen Schöpfer, wenn du deine Kleider j anlegst und wenn du deineMährung zu dir nimmst. ' Sei einer der ersten im Gotteshaus«, gehe mir Ehrfurcht hinein, bedenke vor wem du daselbst stehest. Im Lehrhause unterlasse jede eitle Rede, merke auf die Worte der Weisen, schätze nichtfür zü gering undserachte Niemanden. Den Kranken besuche, zeige ihm ein heitere- Gesicht, belästige ihn aber nicht; die Trauernden tröste, weine über die Frommen und du wirst nicht nöthig haben, den Tod deiner Kinder zu beweinen. Ehre den Armen durch geheime Gabe, sieh ihn nicht an, wenn er an deinem Tische ißt, sei nicht taub gegen sein Flehen, fahre ihn nicht an mit harten Worten und gieb ihm von deinen besten Sp!eisen. Wenn du betest, sei klein und demülhig vor i denj Allmächtigen, bekenne deine Sünden, und heilige dich mit angestrengter Kraft, deine döse Begierde zu zügeln. Grüße jedermann, sprich die Wahrheit, sei schamhaft, im Essen mäßig; iß lieber Kraut, ehe du dich von den Menschen abhängig machst, und jage nicht nach Macht unh Herrschaft. Von einem bösin Nachbar, einem übelberüchtigten Menschen, halte dich fern, verweile nicht unter Leuten, die von ihren Nebenmensche» Bosireden; sei nicht die Fliege, die stets die kranken Stellen aussucht: erzähle von dem Nächsten nicht die Fehler: Nimm keine deiner unwürdige Frau und halte deine Söhne zur Kenntnis der göttlichen ,Lehre an. Frohlocke nicht, wenn dein Feind fällt; aber gieb ihm zu essen, wenn er hungert; hüte dich, Waisen und Wirrwen zu kränken, sei nicht Zeuge und Richter in einer Person, und richte nie allein. Tritt nicht plötzlich in dein Hau-"hinein, und mache nicht, daß deine Hau-genossen sich allzusehr vor dir fürchten: Thue ab den Zorn, da- Erdrheil de- Thoren, liebe die! Weisen und strebe nach der Erkenntniß deine- Schöpfet-. Wisse, daß die Hoffnung der Frommm jenes verborgne Paradies ist, davor der Welt erschaffen, die Ruhestätte der reinen und heiligen Geister ist. Audem Buch« der Frommen, gegründet von R. Je.hu da b. Samuel au-Regensdurg, gegen Ende de- 12. Jahrhundert-.! Auch der Frömmste hat keinen Anspruch an göttliche Belohnung, und lebte e, Tausende von Jahren, er kann auä» nicht die kleinste der vielen Wohlthaten vergelten, diel ihm Gott erzeigt. Darum diene Niemand seinem

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