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Jüdisches Volksblatt · 1865-01-01 · 42 (1865) · p. Seite 167

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
12 (1865)
Issue
42 (1865)
Date
1865-01-01
Page
Seite 167 (sequence 3)
Language
German
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167 Zwei' jüdische Schneider arbeiten für den Gouverneur der Stadt -und für den Sultan, die sehr mir Ihren Ar^ beiten zufrieden sind. ' - Der Handel der Juden ist sehr beträchtlich und sehr monnigfoltitz. Sie beneiden den Handel mir jeder An Seidenwaacen au gros und ea detail, mit Leinchand, mit allen Serien Stoffen etc. Sie kauft»» in Gidrakine und in Manitu, wie auch in Cadlx, Malaga. Gevstlä, um sie in Tetuan wieder zu verkaufen j besonders die Stoffe in hellen Farben, welche sehr beliebt sind. Sie führe»! Handel mit Kaffee, Zucker und allen Eßwaaren füt die Stadt Tetuan. Eine große Zahl sind Maulthiertreiber, sie'führim die Reisenden von Tetuan nach Tanger oder anderswohin, sie müssen gegen jeden Unfall und besonders gegen die Räuber, das Leben und das Vermögen dieser Reifender schützen; die MaulchierkreidA habe, jh»,*, -ußersrd«»t3chen Ruf als ehrlich und geschickt, auch besitzen sie das ganze Vertrauen der Reisenden. Einige Juden sind alS Dolmetscher bei den französischen, englischen und spanischen Coosuln angestellt. Der Posldieost wird gewöhnlich von den Juden besorgt. «Jrod* Israeliten, aus Tetua» gebürtig, sind Bicaonsttln. Herr Nahon, nachdem er sich als Franzose in Oran narurali» firt hatist. zum französischen Diceconsul ernannt worden, «in anderer Judo -ist' Vireconiul-vo« Ponufal uyd Dolmerscher bei dsm spanischen Eonsul. Zwanzig dis dreißig Judeo von Tetuan habe« schöne Handelshäuser in Eeuta, Gibraltar gegenüber, gegründet. Die jüdischen Frauen sind sehr thatig, sie arbeiten alle im Hause; viele betreiben noch ein besonderes Geschäft, besonders die Armen, welche als sehr geschickt im Reinigen der Häuser gelte«; st« ach,neu bei den Juden und selbst bei den Arabern ffür fünfzehn bis fünfundzwanzig SouS für den Tag. Andere verfertige» Pasteten ■ und Zuckerwert; fie sollen sie b^er machen als -die Araber, einige mach»» sie selbst auf. «uropLfche Weif» Andere sind Näherinnen, Wäschrrinorn. Birke arme führen den Haushalt hei. Andern. n ... ' Die Juden sind im Allgemeinen thätiger^ klüger und geschickter in den Handwertew und dem Handel, als dl« Araber. Sie drdeiten gewöhnlich von fünf Uhii dos Morgens bis um ein Uhr des Nachts, denn sie haben zahlreiche Bedürfnisse ihrer Familie zu befriedigen. i V. D i e Stel.lung der Frau. Man hat' jüngst so viel Lärm von der Polygamie der Juden gemacht,, daß es von hohem Jnterrrsse ist, zu wissen, woran man sich zu halten bar. Bri den Arabern von T>tuäü Nehinea die. Frauen wirkl,ich eine sths.tznkergeordnete.Stellung, «in. Sir geh,« -immer mit verdecktem Gosichk.'hre Alogen ausgtnome«. Sie leben ganz isslirt und eingtschloffen sie können keinen Verkehr mit Männern haben Uiid''essen selbst nicht einmal mit ihren Mäont» »M,,Arsch, zvelche sie wie Sklaven ^.hetrachttn« Jever wermögende Araber har. zwei Frauen,'die eine ist bin« Araberin und die andere ist «ine Negerin, welche «r oft als Geschenk vom Sultan erhält. Des AbendS versammeln sich die Frauen und di» kleinen Mädchen auf, der Terrasse, um Luit zu schöpfen, doch beim Andkst^ eineS-Männes, defonderS eines Europäers, müssen' sie sich verstecken. Niemand darf in »in Hau« oder einen Garten eintret,n, ivo arabische Fraueit sind. Sie dürfen selbst nicht ln die Moscheen gehen, utn ihre Gebete zu vebrichttn, ausgenommen in der Nascht, wenn kein einziger Mann dort ist. Die Franen der armen Araber arbeiten auf dem Felde, wo Wan sie den däetrsten Arbeiten unterwirft; sie tragen die schwersten Lasten um sechs dis acht Sous den Tag zü verdienen. Indessen genießen fie ein Vorrecht, wegen dessen ihre Glaudensgenvsfiimen fie wahrscheinlich beneiden, sie dürfen, wenn sie auf den Markt gehen, ihr Gesicht entschleiern,! damit sie nicht genirt sind und mit den Verkäufern sprechen können. |l Die jüdischen Krauen hingegen sind «'viel freier und von ihren Männern viel geachteter. Sieessen mit ihren Männern immer aw Tisch. Sie gehen nicht mit verschleiertem Gesicht. | Sie sind weder isslirt noch ringeschloffen; sie sprechen mit den Männern;! sie gehen in di« Synagoge, wenn sie wollen, sie machen sogar Besuche mir oder ohne ihre Männer. Was die Bigamie betrifft, den Gegmstastd so vieler feindlichen Kritiken, io giebt es in der ganzen Sradt Tetuan, die 7 — 8060 jüdische Seelen enthält, nur. zwei Bigamisten, von denen der eine die zweit, Frau geheirathet hat, weil die erst«> unheilbar wahnsinnig geworden, und der andere hatte die zweite Frau im Ausland« geheirathet, ohno Wissen der ersten ^Gattin. Darauf reduzier« sich dt« Falle der Bigamie, j Diesebeiden Fälle, weit davon entfernt zum Vorwurfe zu -gereichen, könnten eher dazu dienen, das Verdienst der Juden zu Tetuan zu erhöhen, die trotz der beiden Beispiele, welche ihnen doch die Möglichkeit zweier Verheirarhungen zeigen, doch Alle ln der Monogamie bleiben. Wie viele Christen und Juden in Parks und anders wo gäbe es hlngegegen, die gern zwei oder drei Frauen helratheten, wenn dies möglich wäre und die Polizei es erlaubte I VI. Prozesse und verbrechen. 1 ' ' Der Bericht Über die Prozesse und Verbrechen ist noch einer der intereffantrprn, und zeigt sehr wohl die höhere Moral der Juden von Tetuan. > Die Araber haben noch die barbarischen deS Mitrot, afterö würdigen Bestrafungen beibehalteü; so setzen fie auf den Diebstahl und andere schwere verbrochen die Strafe von 600—600 Schlägen auf den nackten Rücke». Di« arabischen Frciiren, die der Entehrung oder einer schlechten Aufführung angeklagt sind, werden in den Aesckvoe (eine Akt Justizpalast) gefühlt, um von dem Paschah gerichtet zu werden; wenn sie für schuldig erkannt sind, erhalten sie sichend, in ftiner Gegenwart und vor dem Thor» des Meschuar, 300—600 Peitschenhieb* auf den Rücken, und sie müssen' sich u. A. einem mehrmonatlichen Gefängniß Uttrerzsehbn. Diese Urlheiie und Strafen' finden Immer an Mäikttagen statt, welch« auf den Soaittag, Mittwoch und Freitag fallen: die Strafe ist auf diese Weise durch dii Gegenwart der Menge noch verg-rößdrt.' Unglücklicher Weift sind diese entehrenden und eruievrigenden Strafen weniger dazu geeignet die Frauru zu deffsrn, als vielmehr zu demoralisiren, ihnen jedes Gefühl von Würde zu nehmen und sie auf die Stuf» wirklicher Sklavinnen herab, zudrücken.

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