Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 12 (1865)
- Issue
- 42 (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 168 (sequence 4)
- Language
- German
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168 Andere Verbrecher werden durch di« Straßen geführt, mit Kellen belastet und von Soldaten begleitet, wel-e wahrend des ganzen Herumziehen- bis ju ihrer Anku rft im Gefängniß sie auf den Rücken schlagen; auch unterliegen sie oft den schrecklichen Schlagen, welche sie auf riefe barbarisch« Weise empfangen. Die Zahl und die Kahnheil der arabischen Diebe und Mörder ist so groß, dcß man um vier Uhr de- Abendnicht mehr in den Umg düngen der Stadt spazieren gehen kann, ohne Gefahr zu laufen, ge, plündert und ermordet zu werden? Der Vor oerneur der Stadt har eine große Zahl Gen-darmen, welr,e dazu de, stimmt sind die Spaziergänger und Reisenden jt begleiten, um sie gegen die Rauher zu schützen, und sich diesen Schutz theuer bezahlen lassen. So muß man »i n Teluan di- Tanger 20 Fr-.! den Gen-darmen bezahl n, Wenn die Reisenden versäumest oder sich weigern Gelb ju bezahlen, auf die Sicherheit rechnend, welch« die Regierung den Bürgern schuldig ist,l so erklärt, der Gouvernur, daß er nicht vemnkwortlich ses für die Mordthaten, die an ihnen begangen werden, und >laßt die Verbrechen ung« straft. Im vorigen Zahl« kehrte rin junger J-rcelit, Jacob Barchilon, zu Pferde!von seinem Garten zucül, der eine Halde Stunde von V«r .Stadt lag, aler von einem Araber, der seit lang^ sein Feind war, üderfa len wurde; dieser zielte auf ihn, , stürzte ihn vom Pferd« »nd versetzte ihm mehrere Säbelhiebe. Trotz feiner Wurden tonnt« er nach Hause gebracht werden, und bevor er den letzten Seufzer au-hauchte, nannte er den Namen sein- Mörder-. Doch bieftr Mörder geht jetzt noch in den l mgedungen der Stadt spazieren ufld kann feinen Geschäften nachgehen, ohne von der Polizei behelligt zu werden. Wadie Juden j.belrifft, so hat man unter ihnen weder einem Mörder! noch einem Diebe jema - begegnet. Hverhält sich die-, ebenso bei den schwarzen Juden, die unter den Bergbewohnern, den Riffenija-, den berüchtigten Riffpiraten, zerstreut rpohnen und welche auf d «selbe Weife wie ihre muselmännischen Nachbarn leben, ohne deren Beispiel in den Verbrechen de- Diebstahlond Mordezu folgen. Auch hat man fast nie in Tetuan inen Juden eine dieser schreckliche« und enrehrenden Stra'en erleiden sehen, von denen ich soeben sprach. Wenn ei»fanatischer Cadi sie einem Jude» auflegen wollte, so wibkrsetzte» sich die europäischen Consstln — man muß ihnerj diese Ge« rechtigkeit widerfahren! lassen — solchen Aktest der Ungerechtigkeit. Selbst in den Gefängnissen unter Hunderten von arabischen Gefangenen trifft man selten esnen Israeliten, und dann wirh er von seinen Freunden Ibesuchr und getröstet, während der arabisch« Gefangene vv« Jedermann verlassen ist. Auch sucht der Epropärr, der sich in Tetuan befindet, sei« intimere Gesellschaft unter de» Judener hat zu ihrer Ehrlichkeit und Geschicklichkeit Bertrauem? Endlich ist die Sodomiterei, die leides unter den Völkern de- Orientnoch häufig ist, bei denI-Juden unbekannt. j Wenn ein nicht beschützter Jude eine» Prozeß mit einem Araber führt, st richtet der Cadi; t»«itn| der Erste« -•• - sich beeinträchtigt glaubt, so kann er bei einem europäischen Consnl appelliren. Wenn der Jude der prvtegirte ist. so wendet er sich gleich zuerst an seinen Consul, welcher ihm seinrn Dolmetscher giebt, um die Klage vor den Gouverneur zu bringen und den Gang de- Prozessezu überwachen. » Wenn die Jude» einen Prozeß unter sich haben, wenden sie sich an da- Radbinertridunal, welcheauden vier Radbinen der Stadt besteh« und nach den talmudischea Gesetzen richtet; manchmal wenden sie sich an die jüdische Junta (Gemeindevorstand). Herrmann Cohn. (Fortsetzung folgt.) Talmudische Weisheit. „Steige eine Stufe hinab und nimm Dir «in» Frau; steige «ine Stufe hinauf und wähle Dir einen Freund." (Jedam. 6) Eist gut, wenn die Frau zu dem Maane hinauf sieht, also mit der Liebe aufrichtig« Achtung vor ihm verbindet; so wie «S wirksam ist, wenn wir «inen Freund besitzen, vor dem wir Achtung haben, so daß uns an seiner Meinung Vielegelegen. Wenn die Frau an Rang und Reichthum über dem Manne steht, so geräth dieser in eine Stellung, welche unerträglich werden kann. Der an Geist oder Einfluß über unstehende Freund aber wird unwirklich fördern. . „Fällt der Stria auf den Krug, wehe dem Krug; fällt der Krug auf den Stein, wehe dem Krug; fei e« so, sei eso, immer wehe dem Krug!" (Esth. rab.) Also wehe dem Schwachen, unter allen Umständen hat er von dem Stärkern zu leiden. Der Krug zerbricht, ob er auf den Stein oder der Stein auf ihn fällt. Und der Schwache erdalt immer Unrecht. Fällt der Stri« auf den Krug und zerschlägt ihn: wakann der Stein dafür? Warum stellt sich der Krug ihm in dra Weg? Fällt der Krug auf den Stein, warum nimmt er sich nicht mehr in Acht? Ist sein Unglück nicht seine eigene Schuld? „Der Dora ist noch so jung und hat schon Stacheln." (ver. rab.) Die Anlagen zum Bösen pflegen sich schon sehr frühe zu zeigen. Allgemeine Zeitung de- Judenthum». R». 41. 1865. Jnhalt:,Leirenbe Artikel: Kosmopolitisch oder national oder wie? — Zerstreute Bemerkungen. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: «o§ Würtewberg. Tauberbischofsheim. Preußen: Berlin. Oeßerreichischer Kaiserstaat: Wien, Wien, Pest. Au- Süd-Ungara, Gr.-Becskerek. Amerika: Baltimore. Australien: Reu- Seeland. LL- Zn beziehen durch jede» Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich yA THaler. / Verantwortlicher Aedacteur: vr. H. Lotze. «rrjaz »ob «.BsgSrtBer'S q*4M*Maig ia LeiPti». — Druck mb «. Lre-liBD iB reipziA.