Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 12 (1865)
- Issue
- 41 (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 163 (sequence 3)
- Language
- German
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163 i Auch betrachtet man die vier Bestandrheil« de« Feststraußeal< Symbol der vier Patriarchen Abeam, Jsaac, Jakob und Joseph. Hier gilt die Myrrhe als Symbol Jakob-, der von Kindern reich umgeben war, wie die Myrrhe von Blättern. In ähnlicher Welse wird De» Ziehung genommen auf di« vier Stammmütter Sarah, Rebekka, Leah und Rahel, und wird die Myrkhe alS Leah aufgefaßt. Man bringt ferner mir den genannten vier Symbolen die vier Ströme in Verbindung, von denen in der Gene, sierzählt wird, daß sie dem Paradiese entfließen, und eS entspricht in diesem Falle die Myrthe dem Flusse Gihon. Sodann wird jeder der vier Symbol«' alS ein unmittelbarer Hinweis auf Gott aufgefaßr und zwar die Myrrhe in Anlehnung an Secharj. I, 8. „Und er itanb zwischen den Myrrhen." Endlich wirb durch den Feststrauß die ganze Körperwell dargestellt: durch den Ethrog der mathematische Punkt, durch den Palmzweig die Linien, durch zwei Bach» weiden dt, Fläche (zwei Ausdehnungen) und durch drei Myr» then brr Körper (drei Ausdehnungen). Denn der Feststrauß besteht aus einem Ethrog, einem Palmzweig zwei Bachweiden und drei Myrrhen.*) Schließlich werbe noch bemerkt, daß die Myrthe öfter in der heiligen Schrift angeführt wird, und daß inSbe» sondere Hadassah, die Myrthe, auch der hebräische Name der Königin Esther war. Wie Du thust, so geschieht Dir. DaS Brüsseler Blatt „le libre Examen“ enthält Fol» gendeS, was uns allerdings wenig verbürgt, worin jedoch eine Wahrheit zu liegen scheint. Der Katholische Cvngreß, der mehrere Male in Me» cheln abgehalten worden, hat dieses Iahe feine Session am 10. September in Trier eröffnet. Man versichert uns, daß bei der ersten Sitzung folgendes Gesuch vorgelesen wurde: Ehrwürdige Herren! Wir haben Ihnen ein furchtbare- Verbrechen anzu» zeigen, welches den Schrecken der ganzen katholischen Welt erregen wirb. Am 1. Juni d. I. ging der Dreimaster „Saere coeur de Marie“ vom Hafen von Marseille au-, um sich nach Senegal zu begeben; zwei Tage darauf zwang ihn »in Sturm, sich den Küsten Marokkos zu nähern; und da wurden sie von einer Flotte von Riff» piraten überfallen. Diese Seeräuber haben sich de- Schiffe- und Alledessen, waeS enthielt, bemächtigt, und haben alle die darauf befindlichen Personen zu Gefangenen ge» macht. Unter ihnen befand sich der Chevalier von St. Joseph, Kirchenvorsteher seiner Gemeind«, Bicepräsident *) Außer den obigen Deutungen giebt es noch andere mehr ethischer Art. wie baß die Palme die religiöse Kraft, der Lthrog die Menschenliebe, die Bachveid« die Demnth und die Myrthe die Unschuld und Reinheit bedeuten; s. Über den ganzen Gegenstand unser Bibelwerk zu 8. Mos. 23, 40. Die Redaktion. der Gesellschaft >on-St. Dinceut von Paul und Schatz» meist» de- Or>enS^ 8t. Enlanee; dieser heilige Mann hatte seinen fün jährigen Sohn Ignaz bei ßch. Da einige der Gefangenen ihrem Familien schreiben durften, wurde ein Beauftragt«' in die Höhle der Räuber gesandt. Man wurde einig üb«: die zu bezahlende Sumche, und alle Gefangenen wurden in Freiheit gesetzt, nur der kleine Ignaz nicht. Der Hauprmann der Räuber erklärte, daß dieses Kind beschnitten wäre und jetzt Muhammedaner sei, daß man e«, ohne da- Heil seiner Seele zu gefährtrn, seinen Eltern, bi« Ungläubige, Christen sind, nicht wiedergeben könne und daß «S ln ein orthodoxes Katechumenat gebracht wäre, wo e< in der wahren Religion erzogen werden würbe. AlS der unglü^llche Barer dies« schrecklich« Entscheidung vernahm, warf er sich diesem fanatischen Muselmann zu Füßen, brach in ThrLnen auS, rief, daß diese- Kind seine ganze Freude, sein ganzer Trost wäre, daß er lieber sein Leben, alS diese- Kind verlöre; und daß Nichtquälender für ihn wäre alS zu wissen, daß sein Sohn in einer andern Religion wie die seiner Eltern erzogen, daß er diese zu verachten, zu Haffen gelehrt würde. Der H-uptmann erwiderte, daß die unveränderlichen und göttlichen Gesetze der wahren — b. h. seiner Religion ihm fest vorschrieden so zu handeln, wie er ethäte. „UeberdieS, fügte er hinzu, folge ich hierin nur_dem Beispiel, dada- Haupt Eurer Religion gegeben har^ der den kleinen Mortara seinen Eltern rauben ließ. Mögen sich die Katholiken etwabesser der Vorschriften ihreheiligen Bucheerinnern: Thue einem Andern nicht, was Du nicht möchtest, daß eS Dir gethan würde; thue Andern da- Gut«, was Du möchtest, baß eS Dir gethan würde (Matth. VII. 12.). Man wird euch richten, wie ihr Andere gerichtet habt, und man wird gegen euch ebenso verfahren, wie ihn gegen Andere verfahren seih, (baf; 2.)." Der niedergeschchetterte Vater bemerkte, daß er persönlich nichtmit dtr Mortaraangelegenheit zu thun bade. „Du bist dafür verantwortlich, sagte der Seeräuber; denn Du und di« Deinigen haben da- Verbrechen gebilligt, ihr Hab« egerechtfertigt und ihr habt sogar.Stoff zum Spotten darin gefunden. Nun, Christen, unterzieht euch dem Gesetze, daihr gegeben habt. -Doch, ich bin ein guter Fürst. Gebender Pabst den kleinen Mortara und den kleinen Cohen ihren Eltern wieder, und ich werde Dir Deinen Sohn wiedergeben. Sein Verfahren wird damei» nige bestimmen." Wir blieben verwirrt. Bei Ihnen, erlauchte Stellvertreter de- KatholLi-mu-, suchen wir Rath und Hülfe. Wenn wir die Thatfache, deren Dpfer unser Freund ist, in die Oeffentlichkeir bringen, ist e« bann nicht zu befürchten, daß da- Publikum den Pabst und den Piraten in demselben Tadel einbegreiftk . . . Wir bitten um Verzeihung für gotteslästerliche Zusammenstellung; aber die Gottlosen werden da- Verfahren Beider auf dieselbe Linie stellen. Nichtthun, hieße eine Beschimpfung ftmktio» - nrren. Man müßte! den Einen schänden, ohne aufzuhören den Andern zu segnen und zu verherrlichen. Dieist eine sehr schwierige Aufgabe; und trotz unsretiefen Respektfür den heiligen Later, lastet der Vergleich seine- Verfahrenmit dem de- Seeräuberwie ein Alp aus uns. Wir haben unsre Zuflucht zu dem Lichte deheiligen Geistegenommen, der unnicht gewürdigt hat, un-