Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1865-01-01 · 41 (1865) · p. Seite 162

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
12 (1865)
Issue
41 (1865)
Date
1865-01-01
Page
Seite 162 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/4908862-5999392-6026764--3068-4911305
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

162; - Leserinnen derselben gewiß mir großem Interesse aufgem mmen worden ist. Vernehmen Letztere doch darin Nachriä t und Belehrung über Heimarh, Art und Wesen, namentlit > aber ’ auch über Zucht und Pflege diesezierlichen Gewächses dessen Kweig« und Blüthen wohl im größten Theile von Deut chland verwendet werden, um den jungfräulichen Brautkr mz zu. flechten. Manch deutsche- Mädchen mag hierdurch angeregt werden, sich selbst mir sorgsamer Hand ihr! 5rautkränzlein zu erziehen. Bei undagegen wurde durch jenen Aufsatz lie Erinnerung angeregt, daß die Myrrhe noch eine veitere symbolische Bedeutung habe und eine Derwenduig im CultuS finde, wobei sie -»lein viel nolhwendiger - Requisit erscheint, an das viel strengere Anforderung n gemacht werben, als dies bei der Myrrhe de- Braut'ranzrs der Fall ist. Dieselbe macht nämlich einen der nolhwen» digsten Bestandrheile des Feststraußes aus, reicher für da« Lau-bhüttenfest der Israeliten gebo en ist. In Folge dessen macht die Zucht der Myrthr ein n sehr dankbaren Zweig der Industrie unserer Gärtner ai s, der um so lohnender wird, jemehr eS dabei gelingt, d n Anforderungen zu genügen, welche an den tadellosen M-rthenzweig bei Vieser Verwendung gestellt werden >urd von welchen sogleich die Rede sein' wird. In Beziehung auf den Feststrauß beißt es im 3. Buche Mosis Cap. 23, Vers 40: Und ihr fol er euch nehmen am ersten Tage (des Hültenfestes) Fruht de« Hadardaumes, Zweige der Dattelpalme und Zwei;c vom Aboth - Baume und Bachweiden und ihr sollet euch freuen vor dem Ewigen, eurem Gotte sieben Tage. Die Frucht des Hadardau'meS ist der Ethrog, welcher man heute Zeder, Meerapfel, Paradiesapfe , auch Adamsapfel nennt. Die Tradition bringtHadrr oder i Hador in Verbindung mit dem Griechischen vSup d. i. Wasser, «eil dieser Baum am Wasser wachse. Auch liest sie nach dem Chaldäischen Haddor, der da blei! t> weil die Frucht drei Jahre am Baume bleibt, ehe sie re f wird, trm nmanb rauro aar-sn *,m “nr,„ *^1« ' «T7 *p In der Thar verwenden die Israeliten gege lwärtig zum Fesistraiuß al« Paradiesapfel eine besondere! lrt von Cikrone. Der Cilronenbaum, cidrus m«dica, bild t nämlich eine devrächtliche Anzahl sogenannter Varietät n oder Abarten, von welchen zu uns in der Regel nur die g emrineCitrone oder Sauercilrone kommt, die al erwart« wohl, bekannt ist. Die nächste Abart wird Limette, citrus linetts, genannt j sie har mehr rundliche Früchte, die sich dui ch «inen großen, stumpfen Nabel an der Spitze auszeich len, die ferner gerippt,'oder mit einer ober mehreren Eindrücken in der Schale versehen, etwa als ob hinein gebiss n wäre. Diese sehr .wohlriechende Abart dient am Hütten feste al- Paradiesapfel. Sie findet sich in verschiede>en Gegenden von Italien, auf Sicilien und vorzüglich in Caladcien. Z»c Zeit der Züge Garibaldi'- waren the lS durch die Zerstörung vieler Baume, rheilS durch die Uiterbrechung der Verbindungen die echten Paradiese pfel so selten geworden, baß ein Stück bis zu fünf Gr lden bezahlt wükve. Beiläufig werde noch erwähnt, >aß eine weitere Abart, di« Bergamorre genannt, voi citrus limetta Bergamium, Früchte trägt, deren Schale reich ist an einem Oele von feinem Wohlgeruch, das u lter dem Namen „Bergamottenöl" eines der gewöhnlichsten Parfüme bildet. Kommen wir nunmehr zu der Myrthe. S»e wird verstanden unter den Zweigen vom Aboth-Baume. Adoth bedeutet: geflochten, dicht umgeben, wie der Zweig der Myrthe von Blattern dicht umgeben ist. Der Talmud und die Codices bezeichnen drei Arten von Myrlhea: 1. diejenige, an welcher die Blatter nach dem Ausdruck der Botaniker an dem Zweige in dreiblättrigen Quirlen oder Wirbeln stehen, indem je drei in gleicher Höhe den Srengel umgeben. Diese Art ist die wahre Hadassah oder Hedaß, welche für den religiösen Gebrauch vorgefchrieben ist. Der Gärtner zieht diese Art von niedrigen Pflanzen in Mistbeeten, wobei sie besonders schöne, schlanke Zweige mit großen Blättern bildet, so daß man sie eher 'für die großblättrige Myrthe hält als für die gemeine Myrthe, Myrlus communis. Der Gebrauch ver- | langt, daß ein schöner Zweig des Aboth mindestens drei \ Hand breit an Länge haben soll und ein solcher wird ' gern mir Vs Thaler bezahlt. Neben dem wahren Hedaß sprossen viele Zweige, an welchen nur zwei Blatter bei* ■ sammen, das dritte aber höher steht, oder an welchen überhaupt alle Blatter abwechselnd hoher stehen, folia alter-! nantia, wie die Kunstsprache es bezeichnet, die aber zum - religiösen Gebrauche völlig untauglich sind und mit dem Namen Uedass Schoteh, rhörichte Myrthe, bezeichnet ' werden. Bei oer dritten Art stehen immer zwei Blätter einander gegenüber, folia opposita; »S ist die« die gew.öhn-! liche oder normale Blarcstellung der Myrthr. Diese Art ' darf im Nolyfalle gebrauche werden, steht im Preise jedoch weit hinter der wahren Hadassah zurück. S. über das Dorherg. 'i nve« Fragen wir nunmehr nach der symbolischen Bedeutung der Myrthe) so kann dieselbe nur im Zusammen- ' hange mit den drei übrigen Bestandtheilen des Feststraußes ' verstanden werden, und wir begegnen hier einem überra-! schenken Reichthum symbolischer Vorstellungen, die nicht weniger als sechs Gruppen bilden. Erstlich ist der Ethrog, Paradiesapfel, eine wohlschmeckende Frucht von wunderbarem Wohlgeruche; die Dattelpalme bringt süße Früchte, ist aber geruchlos; die; Myrthe duftet angenehm, ist aber nicht genießbar, und di« , Weibe har weder Frucht noch Geruch. Hierin sollen nun vier Vertreter der Gemeinde Israels gegeben sein; denn manche J-raeliten zeichnen sich aus durch Kenntniß der Gotteslehre (symbolisirt durch den Wohlgeruch), sowie durch gute Thaten (symbolisirt durch die wohlschmeckende Frucht); andere zeichnen sich nur durch gute Thaten auS, andere nur durch Wissen, andereendlich weder durch Thaten noch Wissen; doch Alle sollen sicheinenim Preise ihres Schöpfers. (»Vergleiche hierzu so wie zu dem Folgenden da- Schlußpoem zum ersten Tage Sukkolh von Kallir ynnMb nnpre). Wir entnehmen also hieraus, daß der Duft der Myrrhe als Symbol der Wissenschaft, und zwar der heiligen Wissenschaft gilt. In weiterer Bedeutung stellt aber der Feststrauß den menschlichen Körper dar. sDer Ethrog gleicht dem Herzen, der Palmenzweig dem Rückgrat, die Blätter der »Myrthe gleichen den Lippen und die der Bachweide den Augen. Weihe, Israel, dein Herz, deinen Mund, deine Augen und deinen übrigen Körper nur dem Dienste Gottes.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.