Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1865-01-01 · 39 (1865) · p. Seite 154

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
12 (1865)
Issue
39 (1865)
Date
1865-01-01
Page
Seite 154 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/4908862-5999392-6026761--3058-4911297
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

154 — bestimmt worden, und wa« Du vermagst — Dul gehest auf dem Wegs beS Todes, wenn Du eS nickt thus, Du bist dem Tobe anheimgefallen.wenn Du mehr oder weni, er da« Gegenrheil lbuest. Dre Schrift sagt Dir die«: a'-nb mx "iCTia ■‘9 1® (Spr. Sal. 10, 17., „den Weg zum Leben gehr, wer wahret die Bestimmung? II. Der Mensch »st vor Allem Einzelweser (Individuum,, der und der Mensch und kein andern, von der Beschaffenheit, in den Verhältnissen, von dem! eben«- gang. Und fürwahr! unter den Tausend MiUioner Men» chen, die zugleich auf düier Erde leben, und un er den zahllosen Tausend Millionen Menschen, die schon gelebt haben auf dieser Erde, gleicht kein Mansch dem ändern, waren und sind die Verhältnisse und Erlebnisse keine« denen des Andern ^gleich, so unendlich verschied, n und mannigfaltig sind fie. Vergliche nur Jeder sich mir allen Denen, die er kennt, vergleiche stch der Bruder n it dem Bruder. die'Schwester mit der Schwester, ec i,ird es also finden. So hat ein Zeder zuvorderst zu prüf was e r a!« Besondere«;u rbun, wozu er in seiner Besonderheit berufen, beflanigt und verpflichtet sei, ob ec und wie er e« lhue i Zuvörderst. Au» seinen besonderen Anla'gi n bildet jeder Mensch im Laufe seine« Leben« einen des iinmlen Charakter, ein bestimmt.« Wesen an sich selbst herau«. Kennst Du diesen? Und wenn Du ihn kennst, streift Du. wie Du es heilig verpflichtet bist, ihn zu verdes ern, zu veredelnd;u lautern,? Du bist leidenschaftlich, mfdrausend, hitzlg —i arbeitest Dü daran, die«;u nähren oder zu mintern und zu beherrschen, daß Du nicht in Sünren und Verderben verfällst? Du bist phlegmatisch, träge, ru fluchtig — stachelst Lu Dich auf zur Tbätizkeir, zur Leb, ndigteil, zur Sorgfalt? Du bist leichtsinnig, leichtfertig, r »bekümmert um den Gekalr und die Folgen Deine« Tl uns — weckest Du Dein-Bewußtsein, Dein Pflichtgefühl, Deine Besonnenheit, und wachest über Dich Schritt vor Schritt? Du bist zu Gram und Sorge geneigt. Alle« rscheinet Dir dunkel, ja schwarz, Schrecken gewahrst Du, tco keine fiirt, Furche erfüllt Dich, wo Niemand Dich veriolgt — e tuic verbitterst Du damit Drin und.der Deine i Leben! tuckrst Du Deinen Geist zu starken. Deinen Mutb zu Kleben, Zuversicht und Mannhaftigkeit in D'in Hcrz zu schaffen? Siehe, Du bist kleinlichen Leidenschafre, zugleich sehr unrerthan — siehst Du etwas Gute« und Schönes bei <ihrm Andern-, wie häßlich wühlt der Neid ir Deinem Herzen; Du erfährst drn Glücksfall eine« Andern, wie gern möchtest Du ihn dessen berauben: mühest Du l'i*, die« zu überwinden. Dich zu freuen an der Freude Anderer, zu leide« mit dem Leide Anderer? Alle« die« » nd noch viel:« Andere — mit Einem Worte, wa« thust Du für Dich selbst? was mühst Du Dich, Dir selbst zu genügen, und Dich zu dem zu machen, wa« Du sein und w» >en sollst? Siehe, die größten Helbenlhaten werden im Geheim« t hier zwischen den vier Wanden unsere« Brustkasten«, in den Kammern de« Herzen« vollbracht, Helbenlhaten in der Selb tbezwingung und Seldftveredlung, Keiner kreiß davon, a ach Dein Vertrautester nicht, nur Der, rvsaai?rvo, de Herzeasprüfer! ■ Dann weiter. Du bist Sohn, Tochter, entseuchst Du \t Liede Deiner urtö gerade dieser Eltern? ei füllst Du :ie Pflichten de« Gehorsam«, der Dankbarkeit, so weit Du Zolltest und könntest? Und wenn Deine Elt rn dahin sind, ehrst Du ihr Andenken so, wie sie um Dich verdienten? Oder entsagest und sprichst ihuen Hohn in Gedanken und Thal? — Du bist Ehemann, Eheweid. Zed« Ehe har ihre Geschichte, o daß e« keine Leidensgeschichte sei, oder doch der Sonnenzeir mehr darin als der Sturmstuth — wie vergeltet Ihr Euch Eure Liede, Hingebung, Aufopferung? O Mann, wa« thvest Du Deinem Weide an Liebe und Nachsicht und Schonung — o Weib, wie weit lebst Du dem Frieden und der Sparsamkeit und dem Glücke Deine« Manne«? Denkt, wie bald Ihr getrennt werden könnet! . .. Du bist Darer, Mutter — eines, mehrerer, vieler Kinder -- in zartestem Alter, aufwachsender, selbstständiger, wie erfüllet Zhr die heilige Pflicht der Erziehung? Daß Zhr Eure Kinder liebt über Alles, o da« weiß ich, aber wie Ihr sie erziehet? Seid Zhr auch streng, oder nur nachsichtig? Vermöger Zhr auch zu züchtigen, wo es Noch thut? oder nur zu liebkosen, verblendet vor Liebe?. Verderbet Zhr Eure Kinder, statt sie zu bilden? Wisset Zhr auch Euren erwachsenen Kindern mit Achtung zu begegnen, daß Zhr sie nicht zur Sünde de« Ungehorsams und der Mißachtung gegen Euch verleitet? — Welch' eine Zluth von Fragen, und doch hanget von ihnen Leben oder Tod ab! — III. Dann aber tritt der Mensch zunächst in die Welt hinaus innerhalb seines Glaubens, Zhr, Zsraeliten, hiermit zugleich innerhalb Eures Stamme«. Za. Zhr seid Zsraeliten, und nachdem Zhr in Euer Innere«, dann in Eure Familien geschaut, so erblickt Zbr Euch zunächst als ZSraelirrn. So beißt e« denn hier: erfüllet Zhr al« Zsraeliten da». wa« Ihr sein sollt, rbur Zhr, wozu Ihr als solche berufen seid? Zhr fragt: wie so sind wir al« solche berufen? Durch Gott, der Euch als Zsraeliten geboren werben ließ, und Euch so Alles in die Wieg, gelegt, was Israel'« ist; durch die Geschichte und Eure Later, die Euch als ein heilige.« Erbe hinterlassen Alle«, wa« Z«ra,l'« ist; endlich durch die Welt, die Euch al« Zsraeliten benennt und Alle« da« zuertheilt, wa« ZZrael'S ist. Wie? ist solch eine Berufung irgend zweifelhaft und zweideutig? — Dann fragt Zhr: wa« ist denn der Beruf al« JScaeliten? Zn grauer Vorzeit wurde Israel übergeben die Lehre vom einigen Gotte, von der Menschen« liebe, von der Menschengleichberecktigung und von der Heiligung. Von Israel sollte sie ausstrahlen nach und nach und ein Theil nach dem andern über die ganze Menschheit, Zsrael sie tragen und bezeugen, durch alle Zeiten, bi« sie die ganze Mensch- heit davon ganz und gar erfüllt hat. Bi« dahin, di« an dies,« große weite, weite Ziel hat jeder Zsraelir in allen Geschlechtern einen zwiefachen Beruf, erstens diese Lehre und diese« Gesetz an sich selbst zu dethatigen und zu verwirklichen, zweiten« sie zu bekennen und zu bekunden nach außen. Fürwahr, daran haben die Zeiten nicht« geändert, und bi« neueste Zeit hat nur diesen Beruf bestimmter erkannt, genauer formulirt. Also ersten« rin Zeder von! Euch, ntie weil wurzelt und lebet er in dieser Lehre und diesem Gesetze Zsrael'«, in der Anbetung de« einigen Gotte«, in der Nächstenliebe, der Menschengleichberrchtig- - ung und der Heiligung? Zst er ein lebendige« oder ein > rodle« Glied de« großen Israel«? d. h. ist die Religion , Israel'« in ihm lebendig ober tobt? Wie weit hält sich j Dein innere« und äußere« Leben auf dem Boden de«; Zucenthum« oder wie weit Kat e« sich von ikm entfernt?

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.