Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 12 (1865)
- Issue
- 38 (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 151 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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151 — r „Unb der Mann anrwortetr und sprach: „„Ich bete den Gott nicht an, davon da redest, und rufe ihn nicht bei Namen, denn ich habe mir selbst einen Sott gemacht, der immerdar in meinem Hause wohnet, und gibt mir Alles, deK ich bedarf."" „Da entbrannte Abraham in Zorn gegen den Mann; und er stand auf und trieb ihn hinaus in die Wüste mit Schlagen." „Und als die Stunde der Mitternacht schlug, da ertönte die Stimme Gottes und rief: „„Abraham, «o ist der Fremdling?"" „Und Abraham antwortete und sprach: „„Heer, er wollte dich nicht anbeten, noch bei Namen dich rufen, darum habe ich ihn von mir hinausgetrieben in die Wüste."" „Und (AotteS Stimme sprach: „„Habe ich nicht ganzer hundert' acht und neunzig Jahre mich sein erbarmt und ihn gekleidet ohnerachtet seiner Widerspenstigkeit gegen mich, und du, der du selber ein Sünder bist, konntest nicht eine Nacht mit ihm Geduld haben?"" „Und Abraham sprach: „„Laß den Zorn des Herrn nicht heiß werben gegen deinen Knecht: siehe, Herr, ich habe gesündigt, vergib mir, ich bitte dich."" „Und er stand auf und ging hinaus in di« Wüste, und suchte den Mann mit Fleiß, fand ihn und kehrte um mit ihm in sein Zelt; und als er sein gepfleget hatte mit Freundlichkeit, entließ er ihn am Morgen mir Geschenken." „Und wiederum redete Gott zu Abraham und sprach: „„Für diese deine Sünde soll dein Same in Traurigkeit bleiben, vierhundert Jahre in einem Lande, das nicht sein ist." ". „ „Aber um deiner Reue willen will ich sie erlösen, und sie sollen ausziehen mir Macht, und mir Freuden des Herzens und großem Gut."" — dieße glückliche Gelegenheit, über die Mittel zur Begrüudung unseres künftiges Nationalwohls hier im Frieden zu berüthen. Haben wi^ denn jetzt jenen allmächtigen Freund verpesten? oder wählen wir, seiner Hilfe nicht länger zu bedürfen? Einen langen Zeitraum habe ich durchlebt, und je länger ich lebe, desto mehr werde ich dükch stets neue Beweise von der Wahrheit überzeugt, daß Gott die Angelegenheiten der Measwe» lenkt! Wenn aber kein Sperling vom Dache fällt ohne seinen Wille», wie ist es denkbar, daß eia Reich sich erhedey sollte ohne seinen Beistand?. Es ist uns gesagt vpordrn in der heil. Schrift: „Wennder Here das Haus nicht bauet, so mühen die sich vergebens , dir es bauen^" Das ist mein fester Glaub« und eben so fest glaube ich, daß euns ohne sitae Mitwirkung bei diesem politisiert Bau nicht besser ergehen werde, als den Erbauern ÄadelS. Unsere Einigkeit wird zerschellen an kleinen Lrtjlichen Interessen, unsere Pläne werben mehr und mehri ln Verwirrung gerathen, und wir selbst biin dir feinste Zukunft der Gegenstand rhnes tadelnden Urthrils sei». Mas aber noch schlimmer ist. die Menschheit wirb,! in Folg« dieses unseligen Beispiels, an der Möglichkeit verzweifeln, durch menschliche Weisheit eine gute Regierung zu begründen, und das Schicksal der Staaten dem Zufall, dem Kriege und der Eroberung anheim stellen. — Deßhald sei es mir erlaubt, darauf anzutragen: „Daß vsn jetzt au jede» Morgen, bevor wir zu unseren Geschäften schreite», in gemeinschaftlichen Gebeten die Hilf« und |l»«c Segen des Himmels für unsere Berathungen erfleht,! und ein Geistücher dieser Stadt, er- , sucht werde, diesem Gottesdienst amtlich beizuwohnen." Der Antrag qtagl zwar nicht durch, kam aber später! insofern zur Derwirmchung, als jede Sesson der gesetzgebenden Versammlung mit einem Gebete begonnen wird, das der Reihe nach : ein Geistlicher immer einer andern Eonfession (auch der jüdischen) abhält. Historische Miszellen. Als im Jahre 1788 eine Versammlung Abgeordneter der Nordamerikanischen Staaten zur Durchsicht der Verfassung zusammentreten sollte, wurde auch Benjamin Franklin gewählt, trotzdem er schon 82 Jahre zählte. Es ist nun auf die Nachwelt ein Antrag von ihm gekommen, „die Sitzungen der gesetzgebenden Versammlung jeden Morgen mit einem Gebete zu eröffnen." Dieser Antrag hat, da Franklin bald darauf starb, für uns den Werth eines Glaudensbekennlnisses, daum so höher anzuschlagen, als Franklin in seinen Jünglingsjahrrn Zweifler gewesen, und später in England und Frankreich vielfach mir de« Ency» klopädisten und anderen derartigen Philosophen jener Zeit umgegaagen. — „Zu Anfang unsere- Kampfes mit England," sagte er zur Unterstützung seines Antrages, „als wir der Gefahr uns bewußt waren, haben wir in ebendemselben Saale täglich den göttlichen Beistand uns erfleht. Und unsre» Gebete wurden gnädig erhört. Wer von uns in jenen Kampf verwickelt war, kan» in vielen Fällen die zu unserem Heile waltende Hand der Vorsehung unmöglich verkannt haben. Derselben gütigen Vorsehung verdanken wir Ueber oie Ursache^ der Anhäufung der Juden in allen polnischen Provinzen sagt vr. Caro in seiner „Geschichte Polens" Th. II. S. 543: „Die Anhäufung der Juden in den südlichen Landestheilen, die biauf den heutigen Tag sich erhallen bat, ist auf drei Ursachen zurückzuführen: Erstens auf die Bertreibung der ungarischen Juden unter Ludwig von Anjou, in Folg« welcher viel« Schaaren auswaadrrn mußten und hier wie jene „Amasidonen," welche der Rachsucht Karl Robert'- 1331 sich entzogen, «in Asyl fanden. Zweitens folgten die in Deutschland gehetzten und vertriebenen Juden dem Strom deutscher Auswanderer, der hier im Süden stärker als irgendwo anders in die östlichen Gegenden sich ergoß. Drittens fanden die Juden in den südpoloischen und russischen Provinzen die meisten ihnen gesellschaftlich Gleichgestellten, griechisch-katholische Russin«». Ssrazenen und Taiirea, in deren Mitte sie den Fluch des Jahrhunderts und die Zurücksetzung weniger empfanden, als unter den Bekenner« des römisch-katholischen Christenthum-."