Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 12 (1865)
- Issue
- 38 (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 152 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 86% known words query
- IRI
…/4908862-5999392-6026760--3055-4911295- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
152 Miszellen. Di» 2uden im Ehanat Bachara. (Mittelasien.) Der neueste Reifend« durch Mittelasien, Dam »ery, schildert di, Lgg« der Juden in Bochara folgender näßen, (Reise in Mittelasien. Leipzig, 1805 S. 293.): Zudenj gibt »» gegen 10,000 im Ehanate, die größtenheilS in Bochara, Samarkand und Karfchi ledei und sich medr mir Handwerk als mit Handel beschäftigen. Ihrem Urfpr«nge nach find sie persische Juden und zwar noch ander ersten Gefangenschaft. Cie sir d auS KaSwin und Merw voc ILO Jahren hierhergeriändert und leben in der größten Unterdrückung und Bera htung. Sie dürfen sich nur an der Schwelle zeigen, w nn sie einen Rechtgläubigen besuchen wollen, und wenn >ie von letzterem einen Besuch erhalten, muffen sie eiligst ftr eigene- Hauverlassen und sich vor die Thüre stellt!. In Bochara zahlen sie jährlich 2000 Tilla Dschisi (Tribut), ‘Den der Gemeindevorstanb übeidkingt und dabei für die ganze Gemeinde zwei leichte Ohrfeigen de ommt, was der Koran als UnterrhänigkeitSzeichen vor chreidt. Auf den Ruf der Privilegien der Juden in der Türkei sind einige nach Damaskus und andern Orten Syrienausgewandert, doch darf dienur im Geheimen ge chehen, da sonst die Emigrationslust mir ConsiSkation od r Tod bestraft wird. Auffallend ist, wie sie Postverdiadur g durch die jährlich auS Turkestan nach Mekka g henden Hadschis unterhalten; auch meine Reisegefährten hatten mehrere Briefe mitgebracht und suchten die Adreffa «n auf. Der jetzige Kaiser Theodor von Adyssinien, ein berüchtigter Wütherich, der aber für Kinder eine und grenzte Docliede besitzt, behauptet steif und fest, ein Rar »komme deS Königs Salomo und der Königin Saba zu se n. In Mittelasien, namentlich bei den räuberischen Turkomanen, in Bochara, Cbiwa u. s. w. ist die Sklaverei auf das Furchtbarste im Schwange. Die Stämn e überfallen ihre Nachbarn, plündern deren Gut, rau ren die Menschen, machen sie zu Sklaven für sich oder zi m Verkauf, indem sie ihnen die scheußlichste- Behandlung widerfahren lasse«. Bekanntlich theilen sich die Moha nedaner in zwei große Sekten, die Sunniten und die Schiit n (Perser). Nach dem Koran darf kein Muselmann zur t Sklaven gemacht werden; man hat nunWßk^Schiite» für Ungläubige erklärt; raubt man Sunnire», so zwlrgt man sie durch Martern, Schiiten zu werden, und inachr sie zu Sklaven. Ebenso verfährt man mit oen Hindus. Hier ist »S nun, wo den. Juden in Mittelasien I ie große Verachtung, in welcher sie stehen, und in welcher man sie für unrein erklärt hat, zu großen Vorthrile gereicht. Man plündert sie auS, vergreift sich aber nicht . n ihrem Körper und macht sie nicht zu Sklaven (llambßry, Reise in Mittelasien, S. 150.) Ei»e Gerichtsscene ans Oberschlefien. Vor dem Gericht in N. sieht ein berüchtigter Dieb; eS handelt sich um einen Einbruch beim Handelsmann Gchapfel Beruner. Der Bestohlene wird als Zeuge ver, nommen. Präs: Wie heißen Sic? Beruner (achselzuckend und lächelnd): Wie soll mer heißen, Herr Persibent? Wann Se timmen ßu geihn von 1 Z. nach N. und von N. nach Z. und Se frogen in jedem Dorfe jedes Kind, werbt man Ihnen sogen, ich bin der . Schavsel Beruner aus Z. Präs.: Sie haben kur; zu antworten, ersparen Sie sich alle Umschweife. Was ist Ihnen gestohlen? — Zeuge er« zählt lamentirrnd, was er von dem bei ihm verübten Diebstahl weiß. Präf.: (auf euren PackWaaren deutend): ReeognoS» ciren Sie diese Waaren als Jbr Eigenlhum? — Beruner: WaS soll ich? Ich muß Ihnen sogen, Herr Persidenr, bei ünS spricht me nifcht lateinisch ünd nischr französch, ich känn daS nifcht lesen, waS Sie do schmüfen. Präs.: Nun, Sie sollen mir sagen, od die Waare, die hier vor Ihnen liegt, diejenige ist, dke Ihnen gestohlen worden ist. — Beruner (sich zu seiner Frau umwendenb, . die sich im Zuhörerraum befindet): Gott der ^ererbte, Rickel, : hast du gehört? Rickel, kümm e mal her! Ich haad mer j doch gekaaft die Wooce ßu Lappig auf dir Meß, mir ist ' sie worden gestohlen — (auf den Präsidenten zeigend) frägt ' der mich noch, ob sie mein ist. (Schallende- Gelächter.) , Präs.: Ich ermahn« Sie, sich kurz zu erklären und I bei brr Suche zu bleibend—Beruner: Wie haaßt? Wie > soll ich bleiben bei der Sach, wenn sie mer ist gestohlen?! Js se doch aach nischr geblieben bei mir. * i Präs.: Sie mißverstehen mich. Sie erkennen die Waare; als Ihr Eigemhum?— Beruner: So soll ich gesund sein » zehntausend Johre, wenn's nick ist, wie der Herr Persipent sogen. Präs.: Können Sie Ihre Aussage beschwören,? — i Beruner: Können könnt ich, Herr Persibent, aber mögen \ möcht ich nischr gern. Ich bin a alter Jüd und had ‘ schon verloren viel Geld, weil ich nifcht mocht schwören. ' Aber wissen Se waS, Here Persibent. (Zeuge zieht einen schmierigen Geldbeutel auS der Tasche), wetten will ich mit Ihnen, um waS Se wollen, daß dir Wooce meine ist. (Schallende- Gelächter.) Der Präsident bezeigt indeß keine Lust, auf dies, Offerte eiozugehen, und Schapsel muß schwören, worauf ihm die Waare zugesprochen wird. j Allgemeine Zeitung desJudenrhumS. No. 37. 1865. Jmhalt: Leitende Artikel: Etwas über den Judenhaß. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Leipzig, Berden. Preußen: Berlin, Sobernheim. Oesterreichischer k^Kaiserstaat: Wien. Wien. Italien: Florenz. Schweiz: I Zürich. Frankreich: Pari«, Paris. Rußland: Au« > Kurland. Amerika: Bonn, Aus Amerika, New-Uork. > 2EP Za beziehen durch jedes Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thalrr, vierteljährlich Thaler. Berantwortl «etWj vo» S«umgjttnct'l sachlicher Redacleur: Dr. H. Lotzr. xbtunt » Seirri». — Drmk v», <s Srcvii NA >s Leipzig