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Jüdisches Volksblatt · 1865-01-01 · 37 (1865) · p. Seite 147

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
12 (1865)
Issue
37 (1865)
Date
1865-01-01
Page
Seite 147 (sequence 3)
Language
German
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147 daß eein Land fei, fließend von Milch und Honig." Ja, zum Himmel heben wir unsre Augen empor. jum Himmel, der da« unendliche Weltall ist, ringum tut«, hoch über uns, tief unter uns, und daist die Wohnung ve- Herrn, diedie heilige Stätte unsre-Gotte- und von ihm erwarten wir, auseiner Höhe den Segen auf diesekleine Erdenrund, daunser ist, den Segen auf J-rael, auf un- und All«, und auf da- Land, in dem er unwerben und wachsen und gedeihen ließ,"in dem er unarbeiten und kämpfen, leiden und unfreue», erringen und verlieren läßt, seinen Segen, baß es «in Land werde, wo Milch und Honig fließt, für leidlichen und geistigen Bedarf, Milch und Honig zur Nahrung, Fried' und sü» ße- Glück für unsere Herzen! Wawaren, wawürden wir ohne diesen Segen? ohne Deinen Segen, Barer im Himmel — wavermag unsre Kraft, die so schnell erlahmt, unsre Stärke , die so plötzlich verschwindet, unser Vermögen, daso leicht dahin fliegt, unsre Ehre, die einem Hauche gleicht, unser Wille, der wie Wachschmilzt, unser Gedanke, der dem Irrlicht gleicher? Nur die Kraft vermag'-, bieDu unverleihst, nur d i e Stärk«, mitberDu unumgürtest, nur da- Gut, da- Du uns erhältst, nur die Ehre, die wir von Dir erlangen, nur Dein Wille und ■> Dein Gedanke, d^e Du in unsenkest! ... Ja, so blick , au- Deiner heiligen Wohnung und segne die anderen vor Dir. segne sie heut« und alle Tag« de- Jahr,-! . . . Ader sagt zu un- Moscheh: tretet hin und betet so und seid de- Segen-, diese- Got^e-segen-, auf den Alle- | ankommt, von dem Alleadhängt, seid seiner gewiß? Nein!! er stellt Bedingungen auf, die wir erfüllt haben müßten, bevor wir so beten, und ohne deren Erfüllung wir auch de- Gebetevolle Erhörung nicht erwarten könnten — er sagt (V. 13 ff).: „so sprich vor dem Ewigen, Deinem; Gölte: Hiaweggeraumt habe ich da- Heilig» audem Hause, und eauch gegeben dem Levi und dem Fremdling, der Waise und der Wittwe ganz nach Deinem Gebote, da- Du mir geboten, ich habe Nichtübertreten von deinen Geboten und Nichtvergessen, ich habe nicht da» j von in Trauer gegessen, und nichthinweggeräumt davon i in Unreinem, und nichtgegeben davon für einen Tobten;! ich habe gehört auf die Stimme de- Ewigen, meine- 1 Gotte-, habe gethan, ganz wie Du mir geboren." ' Sehen wir undiese Bedingungen näher an und fragen wir un-, haben wir sie erfüllt? Können wir so sprechen vor dem Ewigen, damit wir deren können, wie Moscheh vorgeschrirben? „Hiaweggeraumt habe ich da- Heilige audem Hause." Wie? Wenn wir die Worte so nehmen, wie sie da stehen, könnten danicht Biel«, sehr, zu Biele von uns sagen? Ich habe da- Heilige hinweggeräumt audem Hause — wa- Heiligehabe ich denn noch im Haus«? Sadbath und Fest halte ich nicht, Satzung und Gebrauch beobacht« ich nicht, Gebet spreche ich nicht, nicht, wenn ich mich zu Tische setze, nicht wenn ich von ihm mich erbebe, nicht wenn ich mich niederkege, nicht wenn ich aufstehe, bete ich, wo ist bi, Heiligung de- Vatervor dem Sohne, j der Mutter vor der Tochter, und wiederum der Kinder > vor den Eltern, da- Wort Gottefindet sich nicht in I meinem Schranke, viel weniger auf meinem Tische, kaum baß noch da-Erinnerung-zeichen an derPfoste besagt, baß! dieein israelitische-Hau-! also ja, ich habe hinweggeräumt aumeinem Haust alles Heilige. — Doch nein! Moscheh sagt etwas ganz Anderes: bas Geheiligte, ich habe bas von mir G-itt d. i. zu heiligen Zwecken Geweihete audem Hause hinweggeräumt, d. h zu diesen Zwecken wirklich hinweggegeben. Nun auch dakönnten Biele, sehr, zu Diele sagen!, denn da sie daganze Jahr Gon nbchts heiligen, da sie nichts von dem Ihrigen, ob es viel ober wenig sej, zu heiligen Zwecken bestimmen, ' können sie dreist sagen, sie haben Geheiügtenicht im Hause behalte» — aber Moscheh liebt keine ZweideUtigkcktea, Umschweife und Rückhaltungea gestattet er nicht, darum fügt er hinzu: „ich habe bas Geheiligte aus dem Hause hinweggeräumt, und habe es dem Levit, dem Fremdling, der Wittwe und der Waise, dem Armen und Hälftbedürftigen gegeben." Sehet, das ist di, fcht« Lehre, daecht« Gesetz Israel'»: Gotte heiligen wir, was wir der Wittwe und Waise, hem Lehrer und dem Fremdling geben, \ und wawir bissen geben sollen, daist Gott geheiligt. Und es war nicht wenig, es war der Zehente unsre- Derdienstr-, der ganze Zehente dedurch den Erwerb erlangten Gute-. Es rewea keine Opfer, keine heiligen Geräthe, keine gottesdienstlich«^ Zwecke aks Gott Geheiligteauf» gezählt, sondern was! dem Armen und Hülfsbedürftigea, brr Wittwe und Waise > zu spenden sei, das ist vnpn bas Geheiligte, das Heilige in Deinem Hause. Also, bas Erste, womit wir vor Gott treten sollen, um anzubetea unid stinen Segei^zu ersieh«» vom Himmel auf uns und all« Unstigen hernieder, daist: bi« Werke der Parmherzigkeit:, 'Diel wir da- Jahr hindurch geübt, die guten Thalen, dse wir vollbracht, die Thränen, die wir getrocknet, der M^n^el, dem wir adgeholfen, die Gebeugten, die wir aufgtrichret, die am Abgrund Stehenden, die wir gerettet, ober' wie wir für Leidende gesorgt mit Wort ,nd Thar — Denn wie? Ihr wolltet Segen enyrfangen, »nb spendet ihn Niemanden? Ihr wollttt empfangen und »irmal» geben? Fülle der Milch und des Honigs, anr «m sie selbst zu genießen, nicht «inen Tropfen davon adzugeden? Wie könntet ihr bas verlangen? wie den Herrn für so schwach und ungerecht halten? Ihr sagt: »un, ich nabe so viele Jahre nichts gegeben, und doch in Fülle Erhalten, wird'- auch weiter so sein . . . Ich aber sag« euch: ewird nicht weiter, nicht immer so sein . . . Ja, dies und Jene» witd weiter gegeben, aber dafür Anderes entzogen; Du behältst Deinen Reichehum, aber verlierst Deine Gesundheit; Du behältst Deine Gesundheit, aber verlierst von den Deiam; Du behältst die Deinen, aberstehst sie irre und. verloren gehen — ach! der Segen unsres Gottes muß eia so vielfältiger, so umfassender sein, um Alles zu befriedigen; dessen wir bedürfen . . . Und fürwahr, die Liede dos Bakerreicht sehr «eit, giebt lange nach, aber endlich ist auch sie erschöpft, und die Zeit der Ahndung tritt ein,, und die Stunde der Laagmutd läuft ab, und die Rechnung wird vorgelegt, ganz und genau . . . Darum frag« dich — und aufrichtig! Daß Du hie und da einige Groschen in «inen Dereiu gegeben, baß du hi« und . \ da einem Fürfprechenden einige Thaler,^einem Drängenden Etwas hingeworfev, dawillst Du nicht rechnen — Du überlegst vielmehr, da ich so und so viel für mich und für die Meinen und mein Hauswesen und aste mein« Bedürf-

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