Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 12 (1865)
- Issue
- 37 (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 146 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/4908862-5999392-6026759--3048-4911289- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
146 Frachten, im Mensche« soll der Mensch Ebenbild Gottes de, achten und lieben. (Bravo!) Und wie das göttliche Wort nichr von B-kennern einer ^stimmten Religion, sondern vom Menschen auSgehr also eist eS uns auch auf eia sichtbares Zeichen hin, wel» cheS als das Zeichen des ersten, mit dem Meafchengesi-locht geschlossenen Bündnisses dasselbe dem Auge veranschao lichen will, waS di« Erzah'lung dem Gedanken nahe dringe» soll. iDieseS BundcSzeichen. eS ist nicht dem Bereiche mensd licher Thätrgkeit entlehnt, sondern im Gebilde der Naru , der Regenbogen, jenes strahlende Band, welches den ganzen Himmel dis zu seinen beiden Enden zu umsp »atzen scheint, ein herrliches .Symbol der die ganze Men chheit umfassenden und verbindenden GotteSliebe! Und wie geeignet ist, nach der scharfsinnigen B merk» ung eines christlichen Theologen, der Regenbogen seiner ganzen Natur nach zum Bunbeszeichen! DaS Licht st^eS, auS welchem der Regenbogen sich bildet; das Lich: aber ist an sich farblos; erst durch Verbindung mir ir ns^en Stoffen erhalt das Licht Farbe und Gestalt: diese i saqden spielen in einander und dadurch ersteht der vielfarbige "bogen, jenes Bild der Liebe und der Versöhnung sind also ist auch die Religion — jenes Licht des Lich es! — ihrem Ursprünge nach rein und farblos: durch Au nähme von Seiten der Menschen erhall dieses reine, fardlo e Licht Karbe, Gestalt, Individualität. Ader wie die Kar enj im Regenbogen, sollen die Religionen einander ergänzet , werklären, fordern und am Himmel des Lebens jenen Kr evrns« bogen aufbauen helfen, der ein Band wird, die M nßchen mit einander zu verbinden und zu verbrüdern. I r doch überall im Gebiete der Natur und des Geistes sie t unreste Mannigfaltigkeit Bedingung der harmonirenden Einheit! (Bravo). Folgen wir also dem Vorbild« der; eiligen Schrift, gehen wir in der Schule vom Allgemeiner aUS, üderlaffe« wir da« Besondere der Kirche! Noch einta zweiten, vom Herrn Referenten aus zefpcochenen Gedanken möchte ich vom jüdischen Star» punkte aus begründen, er betrifft die Warnung vor Aul rirälSglauben. Im Deuteronomium sprich! Mose daS ersammelte Israel mit den Worten an „Höre Israel, heul« bist du zu einem Volte y-orden Den jüdischen Kc mmearatoren fällt daS in dieser Anreve enthaltene „heut " auf, alch<wo>le Mose dem Volte andeuren, alS wäre eS erst ^Ipmals nach vierzigjährigem Umherirren in der Wüste zu einem Volke geworden, und sie suchen dieses, ihnen so auffallende Wörtchen durch folgende Tradition zuerlturern: Mose, im Bewußtsein d«S ihm nahe bevorstehender Scheidens von der Erde, wollte die göttliche Lehre g«;rn die Schwankungen der Zeit sicher gestellt wissen. Zu diesem Zwecke schrieb er die Lehre nieder, wählte einen di sondern Stamm, den Priestecstamm, um diesem di« besonde e Wartung und Pfleg« der göttlichen Lehre anzuverlrau n: da schaarte sich das gesammte Israel um den vä erlichen Lehrer und sprach: „Mose, unser Lehrer, standen w r nicht Alle am Fuße 0<S Sinai? Ist uns nicht Allen «ieöehr, offenbart und übergeben worden? Wie, nun willst du das uns Allen anvertraute Gur einem besonderen <g ramm« übergeben, baß er allein daS Recht und -die Pflict t bade, darüber zu wachen und es zu hüten, da wir s» ch Alle daS gleiche Recht und die gleiche Pflicht haben I Körnte «S nicht kommen, baß ein auf solche Weife privilrgirttr ] Stamm das besondere EigenthumSrecht der Lehre beansprucht j und unS so viel davon zurheilr, alS ihm gut scheint, und I unS vorenthält, was ihm gut dünkt?" j AlS Mose dies, Worte hörte, da rief er freudig bewegt auS: „Heute bist du zu einem Volke worden; heute stellst du dir vaS Zeugniß eines von Selbstbewußlsein erfüllten Voltes aus, eines Volkes, welches daS Recht deS selbstständigen Unheils beansprucht, aber auch di« Pflicht der Seldstveranrwortlichkeit übernimmt, ein Volk, daS mündig , ist und darum die prresterliche Bevormundung zurückweist." Diesen Gedanken, meine Herren, Sie werden ihn, weil im Namen der jüdischen Tradition ausgesprochen, da- rum nicht alS unwahr zurückweisen! I Heil unS, wenn^Diesec Gedanke, der ja auch eine Er-! rungenschafr der Reformarion ist, Gemeingut der ganzen j Menschheit wird! DaS deutsche Volt, daS Volk der Reformation, das Volk, dem Religiösirät so rief im Herzen lebt. eS scheint besonders berufen, bi« menschliche Autorität in Sachen deS . Glaubens zu bekämpfen; dem achten Glauben aber eine feste Stätte zu bereiten. An Ihren jüdischen Mitbürgern 1 haben Sie, wie in allen nationalen Bestrebungen, also auch in Bezug auf Religiösitär die treuesten Bundesgenossen. Weichen wir auch in Einzelnem von einander I ab; in Beziehung auf die Anerkennung der Wichtigkeit und Bedeutsamkeit der Religion stehen wir zusammen. Mag die Volksschule eS sich zur Aufgabe machen, mehr . auf daS Uedereinstlmmende, alS auf daS Abweichende hin- \ zuweisen! mag sie ihr Augenmerk darauf richten,;u erziehen „eia einig Volk von Brüdern!" (Bravo!) AuS dem Fortgänge der Verhandlungen ersieht man, daß bei dem großen Beifall, den ,pies« Rede fand, doch der christliche, ja der confesiloaelle Standpunkt alS der j höchst« im Religionsunterricht, anzustrebende geltend gemacht I wurde, so besonder« vom Lehrer Wan der in Hirschderg f und vom Referenten Tiedemann, so baß auch wir daraus erkennen müssen, wie' der spezifisch jüdische ReligionSunter-! richt auch in unsrer Schule zu wahren und treu zu pflegen ist.! Zum Rosch-Haschallah-Fest. j Eine Betrachtung.! An dem Tage, wo ganz Israel sich auf seine Betstätten! versammelt, so wert eS über diesen Erdenrund zerstreut ist, wo AlleS» was uns an religiösen Gefühlen geblieben, . in unS erwacht, wo wir auf eia verflossenes Jahr—ach, eS i ist auf immer dahin — zurück, auf ein beginnendes Jahr 1 — ach, waS wird eS unS bringen? — hinaus blicken: . waS sollen wir da beten vor dem Ewigen?. . . ,Moscheh, j der geistige Barer Israels, lehrte selbst unS ein solches Geber, daS wir beten sollten auch am Ende eines Jahres, und fein Gedetwort ist «in tiefes, reineS und einfaches, i Er sagt (5. Mol. 26, 15'): Israelit. an solchem Tage j der«: i „Blicke herab auS Deiner heilrgen Wob- . nung, aus dem Himmel, und segne De^nDolt i Israel, und das Land, das Du uns gegeben,