Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1865-01-01 · 37 (1865) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
12 (1865)
Issue
37 (1865)
Date
1865-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/4908862-5999392-6026759--3047-4911288
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Jüdisches VolkSblatt. Zur Leleheung und Anterhatlung aus jüdischem Gebiete. Herausgegeden von Rabbiner Dr. Ludwig Philippsou in ®onnj m« nn *as»e i «o» dieser Aeitscbrif, «rs«ei»l w-cheulU» «in- Nuoimrr. Prci« Kr« 2«sbr. r.» ... , A [9iO- 37- 1865.] - *»- [> 2. Jahrj. 3. Quartal.] Eine Rede in der XV. allgemeinen deutschen Lehrerversammlung zu Dresden am 6ten Juni 1865. Einen Hauptgegenstand in der diesjährigen allgemeinen deutschen Lehrerversammlung bildeten Vorträge über den Religionsunterricht in der Volksschule. Referent war Rector Tiedemann, und sein mit großem Beifall aufgenommener Vortrag war für die folgenden Redner der Text, zu welchem sie ihre Glossen vordrachten. So frei» sinnig die meisten Borträge waren, so gingen sie doch fämmtlich vom christlichen Standpunkte aus, und darum sah sich Herr vr. Goldschmidt aus Leipzig, welcher der Versammlung beiwohnte, bewogen, auch das Wort zu ergreifen. Seine Rede machte einen tiefen Eindruck, und war wiederholt vom Bravo der Versammlung unterbrochen. Wir thellen daher hier die Rede des Dr. ©. nach der Nr. 32. der „A. deutschen Lehrerzeitung" (vom 8. Aug.) mit. Rabbiner Dr. Goldfchmidt aus Leipzig: „Meine Herren! Unter den angekündigten, aber nicht gehaltenen Borträgen befindet sich einer, „das Jungbleiben der Lehrer" betitelt. Gewiß bedauern viele der Anwesenden mit mir den Wegfall dieses, gar ntanches Anregende verheißenden Vortrages. Freuen wir uns indeß, für Manches, das jener Vortrag wahrscheinlich theoretisch hat Nachweisen »ollen, zum großen Theile praktisch entschädigt worden zu sei». — Der jugendlich frische, lebendige und belebende Geist, der diese Versammlung und die meisten der hier vernommenen Reden durchweht, legt rh a t säch l ich von der Jugendftische unserer Lehrer und ihrer Berufsfreudigkeit Zeugniß ab. Diesen erfreuliche« Eindruck haben Ihre seit \btti Tagen hier gepflogenen Verhandlungen auf »ich persönlich gemacht und diesem «inen Ausdruck zu geben, ist der Z»e^ der mir erbetene« Worte, welche gleichzeitig den von dem geehrte« Referenten gehaltenen Dortrag mit einigen bescheidenen Bemerkungen zu begleiten sich erlauben werde«. Ich verspreche Ihnen, meine Herren, kurz zu sein; ich kann es um so mehr, da ich mir dem größten Theile des vom Herrn Referenten eben so gründlich als klar Ausgesprochenen aus vollster Seele übereinstimme. Meine Bemerkungen sind nicht oppositioneller, sondern bestätigender Natur. — Daß dasjenige, was Sie Namens des Christenthums ausgesprochen, von mir, dem jüdischen Theologe«, Namens des Judenthums ausgesprochen wird, das wird Sie, hoffentlich, so wenig verletzt», als mich Ihre Argumentation verletzt oder auch nur befremdet. Weder über das Eigenthumsrecht noch über die Priorität wollen wir mit einander rechten. Mag die Wahrheit als jüdisch oder christlich bezeichnet und gelehrt werden, »enn sie nur überhaupt gelehrt wird, was mir die Hauptsache scheint, wenn sie mit Hingebung, mit Ernst und in Wahrhaftigkeit gelehrt wird. Bei der Wahrheit! darf der Anspruch auf Alleinbesitz nicht erhoben werden tjfte ist bestimmt, Gemeingut Aller zu werden, wie das streben nach Wahrheit gemeinsame Aufgabe Aller ist. Parum freut es mich, wenn ich in einer Versammlung, deren überwiegende Mehrzahl christliche Lehrer sind, oft etwas als christlich bezeichnet finde, was ich als jüdisch zu dezeiü ne» gewohnt bin, und war ich im kaufe der Diskussion, »ameütttch aber »ährend des lichtvollen herrlichen Vortrages des Referenten oft mit Nathan auszumfen versucht: „Wat »ich dir zum Christen macht, das macht dich «kr zvm Indent" \ Heil uns, wen» d< uns gelingt, ächte Religiosität in das Herz der Jugend zu pflanzen: es ist dies eine der schönsten und heiligsten ^ufgichea der Volksschule! Diese Rücksicht stuf die Volksschule aber scheint es desonders nörhlg zu mache«, daß der Religionsuntericht, so weit er Aufgabe der Schule ist, sich mehr auf das Allgemein« beschränke, daß, das Spezielle dem Konfirmandenunterrichte des Geistlichen und der Kanzel überlassen bleibe. Es gilt dies namentlich von den Schulen größerer Städte, welche von Schälern der verschiedenen Bekenntnisse zugleich besucht werden. — Sie, meine Herren, haben gewiß die Erfadrung gemacht, Wie harmlos das jugendliche Gemüth, und wie Kinder> katholischer, protestantischer, jüdischer Ael, tern auf derselben Sämlbank friedlich neben einander fltze«, oft durch Frevndschäst mit einander verbunden, auf der Schulbank geschloffen **& fm Leven stch bewährend, und Heil uns, daß dem lass« ist! Die Schule soll ja fürs praktisch« Leben vorbereite». > Warum also i» das jugendlich «»befangene, harmlose Gemüth bea Sam^n ber Zwietracht streuen? Wozu in der Schul« schon jene Zerklüftung und Zerhlitterung Hervorrufe», die leider im Leben nicht ganz umgangen werbm kann und welcher entgegenzuarbtttea und möglicherweise vorzudeugen mir eine der schönsten und heiligsten Ausgaben der Schule zu sein scheint. Lehren wir die JugeW zunächst im Mensche» den Mensche« betrachten; wir folgen hierin dem Buche der Bücher, »er heiligen Schriff; auch sie geht vom Allgemeinen aus: ste beginnt nicht asit der Schöpfung eines Jude», eines Christen, eines Mohamedsaers; bea Menschen hat Gott geschaffen, erzählt sie uns^, den Menschen i« Ebenbild« Gottes;

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.