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Jüdisches Volksblatt · 1865-01-01 · 36 (1865) · p. Seite 142

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
12 (1865)
Issue
36 (1865)
Date
1865-01-01
Page
Seite 142 (sequence 2)
Language
German
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142 und siehe da! es offenbarte fich in seinem ganzen l öese« [ deutsche- Denken, deutsche« Fühlen, deutsche Tiefe und j deutsche Biederkeit; seine Sprache -einfach und edfl sein , Ausdruck gewählt und treffenb und fern von aller mvk ernen Schwulst, darf als mustergiltig bezeichnet werben. Und Deutschland erwiderte leine Liebe mit den Worten: sticht ein Fremdling, sondern ein Edler, Hervorragender bi l Du in unsrer Mitte. (1. B. Mos. 23, 6.) „Ich gestalte mir aber zu behaupten, daß «bei sein ' Zudenrhum tbrt befähigte, da« Besondere mit dem lllgcmeinen zu verschmelzen, daß weder jene» unrergina, noc ► -öir* fern Eintrag geschah. Das Losungswort de« Judent )um« I ist da« Wort de« Weisen: Liede und Treue mögen Dich - nie verlassen! (Spr. Sal. 3, 3.) und der Bode.: de» - Zudenthum« ist die Familie, an deren Herde Lieb« und Treue, Ledenswarme und Nahrung, in-deren S dooße sie gedeihliche Pflege erhalten. Von ihr au« wach cn sie an Höhe und Breite und dehnen sich in immer »»eitere - Kreise über bi« Gemeinde, die Glaubensgenossen, vae Volk und endlich über die Menschheit. Und also entf ltetea sich auch in unserem Wolfsodn Liede und Trer e im , Schooße seiner biedern Familie, die sich in seinen „> ktern- | bildern" ergießen. Diese Liebe und Treue fachten i r ihm : die Glulh für da« Recht und die Ehre seiner Gla rdensgenossen und seine« Glauben« an; sie begeisterter lein Her; für sein Geburtsland und sein Volk und chvfen die Dramen ,Laar und Bürger", „Nur eine See e", in welchen seine Muse mit eben so viel Anmurh wie lÜahr- , heit uns in da« Her; seines Volk« blicken läßt unc dabei > un« sein liebendes Her; zu seinem Volke enthüllt. Diese j Liebe und Treue führten feine Hand bei seinen 8 «strebungen, deutsch« Cultur auf russischen Boden zu verps anzen, und dieselbe Liede und Treue ließen ihn an jedem Unter» nehmen zur Förderung deutschen Leben«, deutscher Kunst und deutscher Wissenschaft den regsten, rharigen tnrheil nehmen. „Und wie sein schriftstellerische« Streben, so wir fein praktische« Lehen. Denn in Wolfsohn war kein Za iespalt. Wa« der Kopf dachte, dafür erwärmte sich da« Herz, daran arbeitete die Hand. Liede und Treue waren die Lenker und Leiter aller seiner Schritte. „Wer ihn nur oberflächlich kannte, ihn in g< selligen Kreisen beobachtete, den entzückte seine Anmuth, i eu zog e« hin zu diesem bescheidenen, liebenswürdigen Mai ne von feinster Sitte und edler Rebe; wer aber seine Lei ensver» hältnissr kannte, «cm e« vergönnt war in fein Jmj zu schauen, der stand gerührt vor so viel Liebe und s lbsivecleugnender Treue, die an ein ausgesprochene« Wort da« Schicksal de« ganzen Leben« zu binden fähig w. r. Za selbst der Schritt und seine Confequenzen, die n aa, die ich wenigstenvom positiv religiösen Standpunkte zu billigen nicht vermag, erscheinen im Zusammeaha »g« mit seinen Leben-Verhältnisses al« Ausfluß edelster, reinster Motive. „Ja i» Liebe und Wahrheit lebte er, lebte r icht für sich und «rang Nicht« für sich al« einen edlen, unaa« tastbaren, guten Namen. So lasset uns diesen e len Na, men denn (n Liebe und Treue in unserem Änderten bewahren! Und du, o Vater der Liebe und der Lahrheit! der Du allein den Menschen richtest «ach seinen aaersten Herzen-tiefen, der Du zugleich Richter und liebest er Vater bist, o nimm die Seele unsere« geliebten Bruder« gnädig auf und lasse im Reiche der Wahrdeik «hm da« erhabene Ziel werben, wonach er auf Erden unablässig gestrebt! Amen." Hierauf ergriff Herr Advocar Edmund Judeich, vom Literarischen Verein abgeordner, in nachfolgender Weise da« Wort: „Der Dichter kommt und gehl wie der Frühling. Wer sagt es, wann und wo die erste Blume blühte? Und ehe di« letzte vollo Rose ihren Kelch entfaltet, ist der Lenz^dabin! „Wer sagt e«, edler Wolfsohn, wann und wo zum ersten Male Dich die Muse anlächelre? War es damals, al« den Jüngling in Odessa da« Verlangen erfaßte nach deutschem Wissen und Leben, so daß er den schönen Himmel de« Südens, den orientalischen Zauber der Umgebung mit der ernsten Pflanzstäme de« Geistes, Leipzig, vertauschte? War e« damal«, al« AeSculap seinen Jünger verlor, der sich der Philosophie und dem Studium des klassischen Allerthum« in die Arme warf? Damals, als Lesstng'S Ideen an den feingedildeten Kopf unsere« ideuren Verstorbenen herantraten, Lessing'«, der ihm Vorbild und Stütze wurde für da« ganze Leben? Wer könnre völlig de« Dichter« Herz bi« in seine Ausgänge ergründen! Wir sehen Wolfsohn vor un« plötzlich al« Kritiker, Eullurhistoriker, Dichter; wir folgen seinem Wirken in dem Bewußtsein, daß er bald Höhere« leisten werde, und siehe: schon strömen un« zu die Gedanken und Bilder von: „Ezaar und Bürger", „Nur eine Seele", von „Der Osternacht". Mit feinstem Sinne für Formenschönheir begabt und dennoch niemals sich selbst genügend, sehen wir unseren Wolfsodn, der Ersten Einen, vorwärts schrei« len auf der Bahn des Ruhm«. Dabei erhielt er seinem Auge einen kosmischen Blick. Don Grund au« deutsch, gebildet durch die Gedanken eine« Lessing, Schiller, Goethe, verstand der Dichter doch da« Wesen seine« Geburtslandes, Rußland«, zu fassen und einen elrctrischen Strom gegen» seikigm Austausche« zwischen Deutschland und dem Czaarenreiche herzustellen. Welchen Segen der Dichter, unter dem Schutze einer erhabenen Fürstin, durch freisinnige Verbindung dieser fremdartigen Lebenselemente der Well gegeben, darüber werden die Zeiten nach un« entscheiden. „Ader warum, rüstiger Freund, bist Du nun heimgegangen au« der Mitte Deine« Wirken«? heimgegangen, ehe Deine letzten vollen Rosen erblühten? In der Fülle der Gedanken, im Reichthume männlicher Kraft, im Mit« lagssonn,nglanze scheidest Du von der Erde! Deine Brust war voll von Entwürfen, Deine Hand ruhte tn der form» gewandten Feder, al« dein Augenlied sich senkte — Dein Fuß bereitete sich zu dichterischer Wanderung über Meer und Land — warum ließest Du ihn den ernsten, kurzen Schritt in da« beengende Grad rhun? Siehe, es blüht und grünt ja noch Alle« um Dich her, und die Herzen Deiner Freunde stehen offen Deinen begeisterten Worten, und ihr Ohr lauscht erwartungsvoll all dem Schönen, wa« Du un« noch zu sagen hattest — warum, Freund, bist Du so heimlich von un« gegangen, wie der Frühling? „Könntest Du antworten, würden Deine Lippen trösten in einer Sprache, wie sie wohl selten einem Menschen gegeben. Du hast Dich herangedilder al« Rhetor im Sinne Rom«, im Sinne Griechenland«. Da« Wo«

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