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Jüdisches Volksblatt · 1865-01-01 · 36 (1865) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
12 (1865)
Issue
36 (1865)
Date
1865-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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I Jüdisches Boltsblatt. Zur Belehrung und Anterhattuny auf jüdischem Dekrete. HerauSgegeden von Rabbiner 1)r. Ludwig Phili-Psorr in Bonn^ flto. 36. 18Ä5J Ko» bidft gcitlärift gang* i Thlr. BB6 lArrilt erfÄnnt »M»mU4 n»« »»««er. Preis de» Ssßr. r 't n. . ISSÄInlÄSS »'1“ [ > 2. Jahrs. ,L ^narta!.] - - -----n~t ■-• -uu—L«.- Reden am Di» Kunde ,on dem Tode de« als Dichter und Literat rühmlich Dresden hat ein Er zählte, 1820 Leichcnbegängmß, Grabe gehalten Irabe Nr. W. Wolssohn's. »etanmen vr. Wilhelm Wolfsohn zu e allgemeine Theilnahme hrrvorgrrufen. zu Odessa geboren, erst 4L Jahre. Sein und noch mehr die Reden, die an seinem »urden, gaben ein laut redendes Zeng» niß von der Wi rdigung und Liebe, die er gefunden, und darum mögen di« fe Reden hier einen Platz haben. Herr Oder»3^addiner I)r. Landau sagte: „Hochgeehrtes theilnehmend« Versammlung! „Tief erschütterten Herzens und voll schmerzlicher Rührung stehen wir geschaart um die Bahre eines Mannes, den die TodeSsi hel im kräftigsten Lebensalter aus dem Schooße der S inen von dem Felde des Lebens mähete; eines edlen v» »ter« und wohlverdienten Schriftstellers, der in der Doll! rast seines StredenS und Schaffens seiner Wirksamkeit «missen wurde; eines der edelsten und besten Menschen, der n tt aller Hingebung für die höchsten Lebensfragen der Morschheit sich begeisterte; dessen reineS Herz, dessen schwungt oller Geist für die edelsten Güter der Menschheit: für Liede und Wahrheit, für Freiheit und Menschenwürde in den vordern Reihen rang und kämpft,; eines edlen Zullen, der diese Güter zunächst seinen Glaubensgenossen, Venen sie am meisten entzogen waren, in Wort und Schrift zu erkämpfen strebte. Denn, meine Hochgeehrten! 'au« allen seinen zahlreichen Liedern und Gedichten, wi/au« seinen Dramen, ja selbst auS seinen literarischen und ästhetischen Arbeiten leuchtet „nur Ein« Seele", di, Seele. welche liebevoll und lieb,bedürftig, gern alle Lüge und allen Haß verlöschend der ganzen Menschheit liedewarm den Kuß der Versöhnung aufbrücken möchte. Doch über dem großen allgemeinen Streben vergaß er sein« Glaubensgenossen nicht. Bereits vor vier und zwanzig Zähren, als ich zuerst feine Bekanntschaft machte, gab der damals zwanzigjährige Züngling ein Taschenbuch „Jeschurun" heraus, welches die Absicht hatte, seinen Glaubensgenossen Muth und Ausdauer und edles Selbstdewußlsein in ihrem Kampfe zu stärken und zu nähren. — Fast zu gleicher Zeit erschienen von ihm dl« „Sternbilder", ein Band Lieder und Gedichte unter dem Namen Karl Mapen, in welchen er' unter Anderen den geliebten Seinen einei^ Liederkraaz wand, und in dem Liebe: „An meinen Vater" spricht er das Motto feines künftigen StredenS in folgenden Worten auS: Al« ich Dieme Hand, die wertbe, Mil der meinen fest umwand. War'«, als ob den Wnusch ich horiie: „Friede sei in Deiner Hand! „Aber inustl da« Schwert Du tragt», vor Solle« Wrchedlick, i wio edle Herzen schlagen, <\ „Set« süt Deine« Botte« Glück.'' i Und da» Irden Ort' Unter jed« Treu ers verd' ich treulich halten « und jeder Zeit; n Herrscher« Lallen ich meine» Eid. lQ ,.Und treu erfüll! e |rr seinen Eid bis in den Tod. Davon zeugt „Die Osternacht", die in lichten Farben auf schaurigem Grand' den glühenden Wunsch seiner reinen Seele strahlen läßt, »aß die Eonfefsiouen, jede treu ihrem de und WahrheitSstreden^vettrlfrrnd sich die Hände bietet, mögen, daß endlich das einigende Band der Liebe Yen I Sieg erringe über jede- Trennungsgelüste der Confefflon^n. „Ader nicht «yinher stark als Schrift und Wort war ein mächtiger stilfcheigenber Protzest gegen jedes Dorurlheii feine liebenswürdige PersövlichteS. ,.E< herrscht leider noch u»tee Vielen eia thörichteS Vorurtheil, als ob ider Geist de« JtjdenrhumS und der deutsche Geist in ihren Grundlagen sich so gegenüber ständen, daß eine veiberseitige Durchdringung und Verschmelzung zu den Ünmöglichkeiten gehörte. Lch nenne e- «in thörichteS Vorurtheil, weil die Geschichte im Gegentheile bezeugt, daß die unter den Deut sonderer Vorliebe dl merkwürdiger Weise eben die Juden, chen so viel gelitten haben, mit deutsche Sprüche und deutsche Cuilur in sich bewahrten und in die fernsten Lander, in Ungarn, Polen, Rußland, ja, nach den Nachrichten eines neueren Reisenden. diS in das Gebier de« CaucasuS trügen; doch da« gehört nicht bieiher. Hier dieser Edle war ein lebender Protest gegen dieieS Vorurteil. Als er, ein achtzehnjähriger Jüngling, »ach Deutschland kam / sprach er wie einst Abraham |(1. Buch Mos. 23, 4): „Ein Fremdling bin ich und «in Einwohner unter Euch. AuS Odessa gebürtig, dem Bekenntnisse nach Jude, fühle ich mich mit ganzer Seele hhrqezoge» zu deutschem Leben, deutscher Sitte, deutschem Wissen und deutscher Kunst; will mich aufhaltm bei Huch und mit bßm Dlüthenstaob« deutschen Geiste« meine« Geist befruchtet,, mich versenken in da« Wesen Eurer Oeuttr und Dichter." Und sieh« da! er wurde selbst ihrer .fttan und wahrlich nicht der Letzte;

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