Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 12 (1865)
- Issue
- 35 (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 138 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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138 gegeben hak. als ich brauche. Zu aller Bergettunz bitte ich nicht-, al< baß Sie künftig von meinem Volke etwagelinder und weniger allgemein urkhrilen. Ich Hab: mich njchr vor Ihnen verborgen, weil ich mich meiner 9> eligion schäme. Nein!-Ich sah aber, daß Sie Neigung;» mir, und Abneigung gegen meine Nation hatten. U >d die Freundschaft eine- Menschen, er sei, wer er wolle, st mir allezeit unschätzbar gewesen." Am beleidigtsten zeigt sich der Bediente, der - sehr üvel nimmt, daß ein Jude „einen ehrlichen Cdri ten in seine Oienstr nimmt." Der Reisende übt die edelste Vergeltung und schknkt ihm zu seinem Lohn noch di Dose. Oer Bediente ist davon sehr gerührt und will ferner bei ihm bleiben. Das Stück schließt: „Oec Baron. Allewa« ich von Ihnen seh . entzückt mich. O, wie achtung-würdig waren die Juden, wenn sie alle Ihnen glichen 5 Der Re,>'. Und wie liedenswürdig die Christen) wenn sie Alle ihre Eigenschaften d,faßen!" — So wenig diese- Lustspiel auf die Edre eine- 4 keisterwerke- Anspruch machen kann, so merkwürdig ist e doch, wenn man die Zeit seine- Ursprungin Betrach zieht. 1749, wo noch kern Tbierry und Gcegoire in Fra ckrrich. noch kein Dobm in Deutschland — sie traten e st 30 Jahre später a^f — die Menschenrecht« auch für d> Juden gefordert, wo noch kein Mendel-sohn der W Beweis eineseltenen Talent- und Charakterauf der Juden gegeben, erhebt sich ein zwanzigjähriger Ung für sie auf dem Wege der Kunst, und nicht au- ,m,m abstrakten Prinzip heraus, sondern indem er Alle-, wagegen sie im Schwange ist, für Lorurthril rklärt, und ihre Ebenbürtigkeit in Tugend und Charakter anerkennt. Für einen ''otchen Genius können wir nicht Verkbrunz undOrnkoarkeit genug empsinden! Wie cs noch vor achtzig Jahren am sah. Oer um die Geschichte der Juden in Oesterreiä schon <o vielfach verdiente Dr. G. Wolf in Wien v. t «den wieder einen Beitrag zu jener herau-gegeben l,.Z ir Geschichte ver Juden in Wien. Herzfelv und Bauers), aus lt den Seilen Jung- Wenn der Frühling nahet«, bezog man jedoch Bretker» häuser, welche Wertheimbec und Oppenheimer im Wieser'» schen und Mazaischen Hause auf Hem Peter-platze, wo sie damals wohnten, errichtet hatten und welche zugleich al- Laudhütlen dienten. Die Männer, welche fremden Gemeinden prachtvolle Synagogen erbauten, oder sie darin unterstützten, verrichteten ibre Andacht in einem Betterbause. Diese Bttlokalitäten respektive Laubhütten, die den Behörden gegenüber nicht für dagelten durften, wasie waren, haben öfterdie Veranlassung zu Untersuchungen gegeben. Am 8. März 1700 befahl der Bürgermeister zu untersuchen, ob Oppenheimer und Wertheimbec nicht in der Stille feuergefährliche Bauten in ihren Behausungen errichten. Am 16. März 1706 würde Emanuel Oppenheimer aufgerragen die feueraesährlichen hölzernen Verschlage, welche gegen da- Gesetz al- Synagoge benutzt werden, sofort adzudrechea, bei einem PöniaU von 101)0 Dukaten. Im Jahre 1716 wieder beklagte sich die Hau-ngenlhümerin „Frau Mäzain," daß der Inwohner Wertheimber eine Laubhütten errichtet Hab« und in derselben seine „aber, gläudischen Possen treibe." Da die Dienstboten die Speisen auch v^^deadS in die Lauberhürre tragen, fo werde sie in ihrer mMtlichen Ruhe gestört. ' Wieder wurde befohlen die Hütte abzurragen. Am 10. Mär; 1718 wurden die Juden eineandern Vergebenangeklagr. Sie unterfingen sich nämlich auf ihren Festen und Hochzeiten Musik und Tan; zu hatten, wobei sich auch einige Christen einfanven, „welche- Unternehmen in sich selbst sträflich und verboten ist." In der That wurde auch sofort den Juden befohlen, „die Musiquen und Tanzunlerhattungen alle- Ernste- und strackadzustellen." Wie wol mag eden frommen Seelen thun, da« sie nicht di« heutige Zeit erlebt haben, wo csogar Minister nicht unter ihrer Würde hatten auf HauSdällen, welche Juden veranstalten, zu erscheinen. —" Und nun audem Jahr« 1778 und 1780! „Trotz all dieser Vorgänge dtteilere sich «inzelweise die soziale Emanzipation der Juden in Wien vor. Juden standen in freundlichem, manchmal in freundschaftlichem weichem wir Einigedervorheben. daunso re< >t ver- > Verkehr mir den Christen rc, und wie wie hinzufügen anschauliche, wie nahe wir noch den traurigsten Zu landen müssen, di« Juden fingen an jüdisch-religiöse Gesetze zu I übertreten. Stellen wir zuvor Etwaaus noch früherer Zit her, , Im Jahre 1778 beschwerte 'sich der Cardinal Migazzi nämlich auder Zeit 1700—1720. j bei der Kaiserin über diese Zustände. :aß die Juden im Wir haben bereitfrüher bemerkt, daß die Juden, I vertraulichen Umgänge mit Christen stehen. Sie besuchen welch.» egestattet war in Wien zu wohnen, in der 'Gast- und Caffeehaufer, kleiden sich wie die Adeligen, be- Srille ihre Ceremonien üben durften. Nun ist ejedoch suchen die noblen Plätze im Theater, hatten christlich, bekannt, daß der Gottesdienst,, da- Gebet inmitte r einer /Dienstboten rc. ,Lrrsammlu»g," bei welcher mindestenzehn Personen I Die niederöstreichische Regierung ihrerseits klagte auch anwesend sein müssen, abgehalten werden soll und »dschop^ über diese Zustände. Wir heben aueinem Berichte der- Gott auch »a» Gebet de- Einzelnen erhört, so har ,- selben vom 27. Jänner 1778 hecau-.- doch mehr Weihe und darum auch mehr Werth. wenn man einmitten einer „versammelten Gemeinde" vewichtet. Di« Privatwohnungen waren zu enge und zu kleo, aldaß man in denselben eine besondere Betlokalitä: hätte errichten können. Man dequrmle sich daher wähl Md be- Winler» und machte die Wohnstube zum G-tt-Hause. „Nur einen einzigen solchen, wegen seinem Anzüge sehr in die Augen fallenden Juden, will man in der Person desich au-gedenden galizischen Hoffaktor- KönigSderger, sonst Salomon David jun. genannt zum Beispiel barstellen, welcher sich sogar anmasset Degen zu tragen und da er nicht nur in der Hoftrauer gekleidet ist, so ist