Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 12 (1865)
- Issue
- 35 (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Volksblatt. Zur Belehrung und Unterhaltung auf jüdischem schiele.! Herau-gegeben von ^to. 35. 1865.] Rabbiner Dr. K»dwig PhiliPPson in Bonn. Cob MdR äeitKbrift etfAcist •taattltt da« Rbbibir. Preis de« Jahrgang« » Thir. Vierteljährig 7 Rgr. Ille vachbaablaagea, Postämter aad Adtaag«ex»edit,»aea aehmea Be-ellaa-eB aa.! [12. Jfahrg. X Quartal.] „Die Juden" von Lesfing (Schluß.) Der Reisende ist nun allein und spricht: „Vielleicht ist dieser Kerl, so dumm er ist, oder sich stellt, ein bo-hafterer Schelm, alje einer unter den Ju» den gewesen ist. Wenn ein Jude betrügt, so har ihn, unter neun Malen, der Christ vielleicht siebenmal dazu genöthigt. Ich zweifle, ob viel Christen sich rühmen können, mit einem Juden aufrichtig verfahren zu fein, und sie wundern sich, wenn er ihnen Gleichemir Gleichem zu vergelten sucht? Sollen Treu und Redlichkeit unter zwei Völkerschaften herrschen, so müssen beide gleich viel dazu beitragen. Wie aber, wenn es bei der «inen ein Religion-punkt, und beinah ein verdienstliche- Werk wäre, die andere zu verfolgen? „Doch —" Der Reisende befiehlt nun seinem Diener, der «in schwatzhafter Patron ist, die Pferde zur Abreise zu besorgen, wobei er sich über Wohlthätigkeit und Erkenntlichkeit in Phrasen ergeht, die zwar den jungen, aber doch schon mit dem Leben vertrauten und erfahrenen Verfasser verrathen. Da- Fraulein erscheint und protestirt gegen die Abreise, wobei sie eine Zuneigung zu dem Reisenden verrärh. Ein Gleichethut der Baron, der dem Reisenden feine Freundschaft anbietet. Dev Baron schwankt, ob er den Reisenden um Namen und Stand fragen dürfe, und dieser geräth dabei in Verwirrung. Den Baron hat der Schulze in der Meinung, daß die Räuber Juden gewesen, bestärkt, und indem er dieseinem Gaste mittheilt, schimpft er weidlich auf die Juden, deren Gewinnsucht und Betrügereien. und fügt hinzu: „Und ist es nicht wahr, ihre Grsicht-bildung har gleich etwa-, daS uns wider sie eknnimmt? Das Tückische. daS Ungewissenhafte, das Eigennützige, Betrug und Meineid sollte man sehr deutlich auS -ihren Augen zu lesen glauben. — Ader warum kehren Sie sich von mir?,' Der Reis. Wie ich höre, mein Herr, so sind Sie ein großer Kenner der Physiognomie; und ich besorge, daß die meinige — — Der Baron. O! Sie kranken mich. Wie können Sie auf dergleichen Verdacht kommen? Ohne ein Kenner der Physiognomie zu sein, muß ich Ihnen sagen, daß ich nie eine so aufrichtige, großmüthig« und gefällig« Miene gefunden habe, als dse Ihrige. Der Reis. Ihnen die Wahrheit zu gestehen: ich bin kein Freund allgemeiner Urlheile über ganze Völker-Sie werben meine Freiheit nicht üdelrebmen. — Ich sollreglauben, daß eunter allen! Nationen gute und dose Seelen geben könnte. Und unter den Juden — —“ Der Reifen tfe willigt ein, noch einen Tag auf dem Gute zu bleibe », und d iS Fräulein führt, ihn in den Garten, um stm denfelb n zu zeigen Der Baron beauftragt Lisette, da« Kam nermädchen seiner Tochter, audem Bedienten de- Frem)en Aufschluß über diesen herau-zulocken, .und sie, geräth deshalb mit dem Bedienten bald in einen Üiede-Hande. Ader auch derl Vogt wirbt um Lisette, und schenkt ihr die silberne ^vst, die er dem Fremden geflohen. Daro Dose den Bediinten, der und seinen Herr» für einer der ein unglückliche- Due sei. Der Retseilde vermi hatte. Ee har hierbei wie feine- GerechttgleitSgefühl uf besticht sik mit derselben da er überdi« Person feineL- Herrn selbst niht unterrihtet ist, sich mit Lügen hilft. Adelige» aus Holland au-giebt, l gehabt, und darum flüchtig >r seine Dose und wirst den Verdacht auf de t Vogt, dek er bei dem Uhrstehlen ertappt in der Folge Gelegenheit, sein au-zusprechen, über die Vorsicht, «elche man bi Verdächtigungen seiner Nebenmenschen biodachten müsir. Bei elftem Ausammentreffen mit dem Vogte verräth sich dieser ^durch Unversthämcheit und Vorsichtigkeit. Det Bogt sst grob und will beweisen, daß «r die Dose nicht habe, und kehrt seine Taschen um, und hierbei fallen ihm die Bprte heraus, die er und sein Spießgeselle bei dem Uebfrfall gebraucht. Der Fremde hat einen dieser Bärte ergriffen und übergiebt ihn>em Baron. Während er abet noch rm Zweifel ist und sich Vorwürfe machs, kommt f«n Bedienter, erzählt ihm, wa« er dem Kammermädchen angebunden, und zeigt shm die Dose. Lisette gesteht, vot^ wem sie sie habe, und Vogt und Schulze haben untergeß ihr Verbrechen eingesianden. Der Baron jist auf deni Gipfel der Dankbarkeit, daß er durch den Freniben nun sum zweiten Male gerettet und von dem ihn!umgebendenl Gesindel befreit worden. und da er durch Lisftte den vermeintlichen Stand desselben erfahren, bietet er ihm dir Hand seiner Tochter und die Erbschaft seine- Vermögenan. Der Reisende erklärt, daß sein Bedienter die Unwahrheit geredet. Aber den Baron verschlägt dienichli und er bleibt bei seinem Antrag, auch wenn er ein bürgerlicher wäre. Da entdeckt der Fremde, daß er ein Juhe sei. Die Heiratls ist nun unmöglich, aber brr Baron, will ihm wenigsten-! sein Vermögen schenken, um dankbar zu sein. Der Reifende enviebert: „Auch diese- Anerbieten ist bei mir umsonst, da mir der Gott meiner Väter mebx V 1