Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 12 (1865)
- Issue
- 34 (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 135 (sequence 3)
- Language
- German
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135 (the sweet iufluence of the plejades), glaubt er jene Ansicht de- Dorpater Professors darin ausgesprochen: Die Plejaden befassen den Schwerpunkt, von welchem auS unser Planetensystem gehalten und getragen wirb. Dem gotlbegeisterten Dichter vor so vielen Jahrtausenden war diese- Problem schon bekannt und gelöst,.und seine Autorität macht eS zu einem zweifellosen Glaubenssatz! Unglücklicher Weise ist aber sowohl di« Uedrrsetzung deS Herrn Maury eine sehr zweifelhafte, als auch die Ansicht deS Prof. Mädler nichts als eine kühne Hypothese, von welcher die bedeutendsten Astronomen nichtwissen wollen, ja deren Unhaltbarkeil sie durch die triftigsten Gründe erwiesen haben. Sir Henry Holland weist mit beredten Worten diese Art die Bibel auSzulegen und ihre Autoritär zu verwenden, alS einen Mißbrauch und eine Kränkung bewahren religiösen Glaubenzurück. Die heilige Schrift, sagt ec, stellt in den Psalmen, dem Buche Hiob u. f. w. Gemälde, von den Werken und Wundern der göttlichen Schöpfung auf, die keiner Anleihe bei der Wissenschaft bedürfen, um für alle Zeiten als die erhabensten Lobreden auf die Macht und Weisheit de- Schöpfers zu gelten. Die Bibel schildert unin unübertrefflicher Weise die sichtbaren Offenbarungen der Wei-heir, Schönheit und Macht des Schöpfer-, will uns aber nicht Bürgschaft für naturwissenschaftliche Fakten und Ansichten geben. — Diesen Aeußerungen de»' Sir Henry Holland tonnen wir unnur anschließen. Von jeher hat man die Autorität der heiligen Schrift in den Dingen, in welchen sie unbedingt alsolche anerkannt, werden muß, dadurch gefährdet und adgeschwächr, daß man diese Autorität auch für Dinge in Anspruch nahm, mit welchen sie nichtzu thun hat und die den wechselnden Ansichten der menschlichen Wis» senschafr unterworfen sind. „Die Juden" von Lcssing. - Ueder kein Werk der deutschen Literatur, mir Ausnahme von Goethe'- „Faust," ist so viel geschrieben worden, wie über „Nathan den Weisen" von Lessing. Man har die verschiedenartigsten Gesichtspunkte aufgestellt, um den Zweck und die Charaktere der unsterblichen, ewig fuschen Dichtung zu erklären, und den größten Scharfsinn aufgeboren, um die von Lessing darin gegebenen Doctrinen zu deuten. In den meisten Fällen war man sehr spitzfindig, und ging über bas rechte Maaß hinaus. Bei einem Dichtwerk muß man stets auf die, dem Dichter einwohnenden Jnstincte rechnen, und nicht überall Hie subtilsten VerstandeSopecacionen als die Quelle des dichterischen Erzeugnisses auffinden wollen, selbst bei einem Lessing nicht, der bei seinen Poesien sehr viel ge- und bedacht haben soll. 2i«S erkennt man so recht, wenn man eine Jugendarbeit Lessing'S: „Dje Juden, ein Lustspiel in einem Aufzuge," liest, und alSdald einsieht, daß hier der Nathan, wie man sagt, io ouce schon vorhanden ist. Wir finden schon hier als Zweck d«S Lustspiels die Bekämpfung aller Vorurtheile gegen die Juden; wir sehen schon hier einen sehr großmüthigen, feinfühlenden, und viel vernünftelnden Juden auftreren, und mir einem höchst würdigen Christen zusammenrreffen, um die Wahrheit anschaulich zu machen, daß die Confessioa zwar ein trennende- Moment sei» kann, durchaus aber die gegenseitige Uebung der Liede u»d Achtung nicht zu verhindern braucht und nicht verhindern soll. E» ist eigenrhümlich, daß auch hier der Jude schon sehr sattenzenreich, aber auch in seinen Handlungen den schönen Phrasen entsprechend erscheint, ganz al- Vorbild für den Nathan. So schwach diese- Lustspiel auch noch ist, wenn es auch bereitden schönen flüssigen Dialog Lessing'S verrckrh. so erhält eS doch als Schlüssel zum Nathan eine« großen Werth, und gestatten wir uns daher hier näher darauf einzugehen, da eS gewiß nur wenigen unserer Lesern bekannt ist. Lessing' fötttb: diese- Lustspiel im Jahre 1748, also alS zwanzigjähriger Jüngling, während er noch Student in Leipzig war. Ebereiter unsomit eine außerordentlich« Befriedigung, Lesstng so in seinen.Ansichten, Gesinnungen und Intentionen j konsequent zu sehen, so baß er einerseits nicht erst der Erfahrung n feinespäteren Lebenbedurfte , um zu seinen h manen und juöendfreunblichea Gesinnungen zu I gelangen, anderseits aber auch in diesen durch die Erfahrung nicht wankend gemacht, sondern bestärkt worden ift, und n ir dürfen unnicht verhehlen, daß also eS nichj der Ein luß Mendelssohn'- war, der in' Lrssing diese Ansichten ge »eckt habe. Denn alS Lessing diese- Lustspiel veifaßre, ka> tue er den nur wenige Monate jüngeren Mendelssohn noch nicht, und doch gleicht der Jude in diesem Lustspiele dem jü rischen Weitweisen nicht weniger alS Nathan selbst. Der Inhalt de- Lustf >ielS ist folgender. Ein Baron war auf der Fahrt nach st nem Gute von zwei vermummten Kerlen angeftrllen wor >en, die ihn tödten wollten, um ihn zu berauben. Ein 8 eisender kommt dazu, stürzt sich auf die Räuber, jagt sie in die Flucht und befreit den Baron. Dieser voll aufr chtigster Dankbarkeit läßt nicht ad, dider Reitende, der zu Pferde war^ und einen Bedienten hatte, ihm auf ein Gut folgt und einen Sag bei ihm bleibt., Die de den Räuber waren der Doigt und der Schulz^ feinei)orfe-, der Reisende ein Jude, waS stldstoerstänhllch den Baron noch unbekannt ist. Da- Lustspiel beginnt r üt einem Gespräch der beiden Spitzbuben, dieihre Pl ne auf ihren Herrn nicht aufgeben und den Reifend« a auS Rache bestehlen wollen. Der Reisende tritt auf u >o will adeeistn, weil der Bacon Und dessen einzige, noch j rngr Tochter ihn. all zu sehr mit heu Ausdrücken "ihrer Dankbarkeit, auf welche er, da er nur seine Pflicht gethan einen so großen Anspruch 4« haben gar nicht glaubt, überhäufen, und er darum fürchtet, ihnen zuletzt doch nur lästig zu fallen. Der spitzbübische Voigt macht sic^ an ihn heran, und läßt sich von ihm den Vorgang erzählen. Der Baron glaubt, dgß die Räuber Juden gewesen, ^weil sie l inge Bärte gehabt. Diewird nun von dem Hoigt best« tigt. Er sagt: »Ja, ja, haS glaub ich ganz gewiß auch, daß eS Juden gewesen! sind. § ie möge« daS gottlose Gesindel >noch nicht so kennen. € 0 viel alS ihrer sind, keinen ausgenommen, sinh Betrüg ir, Diebe und Straßenräuder. Darum ist eS auch ein Volk, daS der liebe Gott ver, flucht hat. Ich dürfte nicht König fein: ich ließe keinen einzigen am Leben. Ach> Gott behüte alle rechtschaffenen Christen vor diesen Leuten! Wenn sie der liebe Gott nicht selber haßte, n!eßwegen »raren denn nur vor Kurzem, bei >