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Jüdisches Volksblatt · 1865-01-01 · 34 (1865) · p. Seite 134

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
12 (1865)
Issue
34 (1865)
Date
1865-01-01
Page
Seite 134 (sequence 2)
Language
German
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134 in diese Allgemeinheit aufzugehen, verkehr! .und verderduch. ES tritt, der Staat, dessen Bürger wir f nfr, eS :citc die Gemeinde, di« mit ihren örtlichen Bech ilknissea uns tragt, eS tritt die Gesellschaft, deren Glied wir rm .nger'en Sinne find, es tritt endlich die Familie nik »drell Forderungen und Leistungen, mit ihren Rechten un> Pflichten an uns heran, und sie Alle knüpfen ein großes Gei ordr um unS, das aus unfern Gefühlen und Eedanken,! auS unferm Thun und Lassen besieht und unser »airkliches 2eben auSmachl. Dies ist Alles so natürlich und seldstverstandl ch, daß Viel« iede Auseinandersetzung darüber für hockst ü »erflüssig »alten werden. Aber eS ist dies doch nicht. D c außerordentliche Entwicklung der Menschheit in de,! letzten Jahrhunderten hat auch .ine ebenso außerordentlite Verwicklung aller Ledensverhalmisse und Verwirr» rg .aller Begriffe hervorgebrachr, daß eS überaus Roth thu , immxr wieder auf das Einfache, Naturgemäße und Gesetz! iche astf merksam zu machen. Der Schöpfer har einmal «,n Menschen io fein angelegt, und Alles, um ihn in seine, Bestimmung , sich im Kämpfen und Ringen zu entwickeln, fest- ^»halten, eingerichtet, daß Alles, waS er erreicht, immer wieder so viele Nachchrile und Schäden mit sic, dringt, daß er gleich wieder zu kämpfen und zu ringen bit. So giedr es jetzt so viele zersetzende Elemente im Le »en, und darum auch so viele auflösende Theorien, daß e n formlicd.S EhaoS um. den Menschen daraus würde, r cnn wir nicht mir wachsamem Auge auf. die heiligen Güter des Menschen achten, ihre Unveränderlichkeir festhalten, ihr Geltung oewahren und sie mir Thar und Wort pflegen. Religion, Humanitär, Patriotismus, Familienleben, dies sind die keiligcn Güter, welche in Gefahr stehen, und nicht bloS weil verkehrte Theoretiker sie als nutzlos und schäl lick ausgeben. sondern weil noch viel Mehrere im Stradel und Wirbel des Lebens sich von ihnen-beschränkt füllen ujid ohne sie auch fertig zu werden glauben. Freil ch rächt sich dies bitter an allen diesen Menschen, und i iejenigrn unter, ihnen können sich glücklich oreisin, welche entweder auS ihrer bessern, innern Natur heraus ober >urch hie göttlich« Fügung noch zur rechten Zeit umkehren und dns Schiffleinihres Lebens aus der Brandung zu ritten vsr« mögen, bevor es in ihr gescheitert. Für den bessern Theil der Denker isi .es be -eit-S klar geworden, daß sich das jüdische Volk um die Ä kenschhssit dadurch ein unendliches Dtcdirnst erworben, dai e« du» Familienleben mir einer Innigkeit, wie kein an! eres, jepflcgl und eS der Welt als einen Kernpunkt des MenschenbasrinS übergeben hat. Ich brauche nicht dinzrzufügen, daß unste Väter auch in den Zeiten der schwer en Verfolgungen bis zur Gegenwart hierin ihren Hort gefunden, und -baß das Familienleben der Religion des Iu »entdulyS dadurchfernen Dank abgetragen, daß es zu deo n Erhaltung sticht wenig mitgewirkt hat. Und weil es run edens« ein wesentlicher Inhalt dieser Religion wie zu>i Grundcharakler unsres Stammes gehörig ist, haben vir Alles daran zu fetzen, das Familienleben in den Bekei nern des Iudenlhums und in den Abkömmlingen unsres St immer ln seiner Reinheit und Innigkeit zu erhalten, und eS überhaupt alS ein unschätzbares Gut d«S Menfcheag ^schlechtes gegen alle faktischen und theoretischen Angriffe z» schützen. Ich halte eS namentlich für eine der. wichtigsten Aufgaben des jüdischen Religionslehrers, auf der Kanzel, in der Schule und im Leben für das Familienleben zu wirken, und feine Heiligkeit schon vem jugcndlichrn Herzen zu Gefühl und Bewußtsein zu bringen. Tondcrbare Bibelauslegung. Sicherlich hat dem richtigen Versiänbniß und der wahrhaften Würdigung der heiligen Schrift Nicht dlos der Unglaube und die Hyperkri.tik, sondern mindesten« ebenso viel jene buchstabengläudige Exegese geschadet, welche Alles in das Wort hineininterprelilea^wiU, was an neuen Gedanken oder Entivickrlungcn der Wissenschaft aufkömmt. Wir finden hierfür ein reckt auffälliges Beispiel in Sir Henry Holland'» Essays Bd. 2., die un vorigen Jahr» in deutscher UebersetzuNg zu Hamburg erschienen. Es handelt sich hier um Hiob 38, 3l., und sprechen wir uns erst selbst über diese Stelle aus. Sie lauter in unsrer Übersetzung (V. 3t — 33) folgendermaßen : „Hast du geknüpft die Bande der Plejaden, oder des OrionS Bande, dubiösest stes Führst du zur Zeit die Sternbilder heraus, den Bar mit seinen Jungen leitest ou* Kennst du des Himmels Satzungen, und feine Herrschaft auf die Erde setzest du rin Der heilige Sänger bewundert also hier zuerst die unverrückbare feste Stellung, welche die Sterne, die inan Plejaden nennt, und die des Orions zu einander einnehmen, so daß sie durch unsichtbare Bande an ^.einander geknüpft erscheinen; dann wieder die ewigen Bahnen, in welchen die Gestirne über uns dahin ziehen unejn immer gleicher Weife an unferm Horizonte erscheinen uno verschwinden; endlich die ewigen Gesetze, nach welchen die Bewegung aller Himmelskörper geschieht und diese auf die Erde bestimmte Einflüsse üben. Sind dies Aeußerungen täglicher Beobachtungen, so liegt namentlich in V. 33 der Gedanke der Na ru rein heit klar darin ausgesprochen. Und di«S ist Großes genug. Die Lehre, daß das ganze Universum eine Einheit ist. alle Theile desselben aufeinander bestimmten Einfluß üben, also alle in engstem Zusammenhang stehen und dies nach ewigen Gesetzen, welche Gott als seine Schöpfungsgedanken in vre Wesen gelegt, ist eine der bedeutungsvollsten, welche unsre' heilige Schrift der Menschheit gelehrt hak, und die in dieser Prägnanz dem klassischen Alterthum verborgen geblieben war. Aber bamu sind gewisse bibelgläubige Interpreten nickt zufrieden; sie wollen auch darin nicht bloS die Entdeckungen, sondern auch die Hypothesen der neueren Naturwissenschaft angedeutet finden. Sir Henry Holland giebr eine Kritik eincs sonst ausgezeichneten Werkes „die physikalische Geographie 'des Meeres" von dem Nordamerika»!- sehen Schiffslieumant Maury. Herr Maury theilr nun die Ansicht des Prof. Mädler in Dorpat, welcher in dem Sterne Alcyone unter den Plejaden das GravitätS-Eentrum ^>e» ungeheuren Planetensystems sinder, zu welchem unser Ekdtheil alS «in kleiner und untergeordneter Planet gehört, und indem er dasdes Textes, das eigentlich Heiterkeit heißt (1. Sam. 15, 32.), und das offenbar hier für m-css „Bande" (von i:j>) steht, wie auch das parallele r-osrtt erweist, mit „fußen Einfluß" übersetzt

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