Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 12 (1865)
- Issue
- 34 (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 136 (sequence 4)
- Language
- German
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-4- 136 dem Unglück in BreSlau, ihrer bald noch rinn al fo viel "al< Christen geblieben? Unser Herr Pfarrer erir nttte da« sehr weislich in der letzten Predigt. E« ist, all wenn sie zugehört hatten, baß sie sich gleich deßwegen invimferai guten Herrn haben rachen wollen. Ach'? »»ein lieber Herr, wenn Sie wollen Glück und Segen in der -Welt haben, so hüten Sie sich vor den Juden, Lrg«r, al« vor der Pest. Der Reifende. Wollte Gott, daß da« nur die Sprache de« Pöbel« wäre! — Der Voigt schimpft besonder« auf die Jud n, di« auf den Messen al« Taschendiebe agiren^-und zei;r in drolliger Weise dem Reisenden, wie sie e« da >u machen pflegten, wobei er ihm eine silberne Tabaksd se au« der Tasche zieht, auch die Ubr nehmen will, aber k »bei ertappt wird und sich nun empfiehlt. (Schluß folgt). Talmudischc Weisheit. Unsre Weisen haben den Unterschied zwischm innerem Werrbe -und Aeußerlichkeiten sehr wohl gekannt, und e« v:rurtbeilt, sich mir den Mitteln zu befchäf igen, ohne den Zweck'im Auge zu haben So sagen sie io Sabbarb I. 32: „Wehe dem, der keine Wohnung hak und mackl da« Thor zur Wohnung." Ganz besonder« '«c erkennen' sie den Werth der Gottesfurcht gegenüber der bloßen Ge-, lehrfamkeir an,. So hoch sie das Sludit m und die Kennmiß de« Gesetze« anschlagen, so erlamea sie doch ihren wabr-n Äerth und ihre Wirksamkeit erst l urch Gottesfurcht. - Da« Gesetz und die ganze Religio« «lehre darf nicht blo« eine Beschäftigung de« forschenden Verstände«, ern Gegenstand der Wißbegierde sein, sondert muß mit dem Herzen erfaßt werden, e« begeistern un > zu Tharen der Ä-lle«furchr treiben. So heißt e« a. a. St.: „Rada, der Sohn de« R. Huna, sagte: rin Mensch, welcher da« Gesetz kennt und keine Gottesfurcht har, gleichet dem Vorsteher, welchem man die Schlüssel zu den innern. aber nicht zu den äußeren Gemächern anvertraui hat." E« hleibcn ibm also auch die innern Gemächei verschlossen, weil nur durch Gott.Sfurcht die innere Er!ennmiß de« göttlichen Gesetze« erlangt wird. ..Man fragte den Rabbi Jochanan Ken Sakai, heißt e« in Adoth de' Nathan, womit ist ein gl rresfürchtiger Weiser zu vergleichen? Mir einem Künstler, antwortete er, der leine Instrumente bei sich bat. Und ein Weiter ohne Gottesfurcht? Mir einem Künstler, d r seine Jnstrumcare nicht bei sich hat." Er kann als» seine Kunst nicht .ruSüben ond keine Wirkung hervordrir gen: S« h"ßt e« auch: „Handelt der Weite nicht wie e« seine Weisheit fordert, so fallt feine Aurec »tweisung auf dir Harzen wie der Regen auf die Steine."! Oie ralinuoische Sprache brachte ein Wort in da^ 'jüdische Publikum, da« in seiner vollen Bedeutung tn!einer andern Sprache nicht wieder gegeben werden kann, nämlich rrrL-in „Chuzpa." E« ist mehr al« Anmaßung, wenigrr al« Frechheit, da« meist« von beiden. Der sie hat und übt, besitzt, wohl einen gewissen Anspruch, macht diesen aber viel zu sehr geltend, dehnt ihn über die Maßen au«. Er hat gute Eigenschaften, aber er wendet sie in einer Art an, die weit über. Verdienst hinauSgehl. Er verblüfft damit die Bescheideneren, und kommt daher rNeist zum Ziele, obgleich man ihn hinterdrein tade!t, und er sich unliebsam macht. Daher heißt e« Sanhedrin: „Chuzpa dringt selbst beim Himmel durch; aber hinwiederum Chuzpa ist ein Reich ohne Krone", weil ihr die Würde adgehl und die Achtung fehlt. Beran ticrUfl veu va,mgärluer'« gm sehr wahre« Wort siebt Sanhedr. 22. 1:.,Fehlt c« dem Diebe an Gelegenheit, so ball er sich für edrlich." E« ist die« so mir den meisten Tugenden der Fall, welche die Menschen sich zuschrciben, odschon cs ihnen nur an Gelegenheit-fehlte, dagegen zu verstoßen. Ja, wir möchten den Svruch unsrer Weisen dabin auSvehnen: Diel. Menschen sind ehrlich, weil sie keine Gelegenheit zum Stehlen , haben.! ... * i Keinen Spruch möchte man den Menschen öfter zu- , rufen al« diesen (Adolh dr' Nathan): „Eine Sache, mit i Mühe angceignet, ist besser al« hundert in Bequemlichkeit I gewonnen." Nur durch Entbehrung und Beschwerde lernen wir den Werth einer Sache kennen und den richtigen Gebrauch von ihr machen. Wa« uns da« Geschick leicht und in Fülle zuwirft, macht un« nur oberflächliche Freude, und wird von unfern Händen schnell wieder zer- ■ streut. Und doch geht das Wünschen der Menschen immer- , fort auf den leichten Erwerb von Reichlhum hinaus! Anekdote. Eine Frau in Süddeutschland sagte: Meine Tochter! fangen sich alle mit Sch an, das Schennychen, da« Schannettchcn, da« Schüllichen, nur das Zopbicchen fängt sich mir 3 an. Allgemeine Zerrung de« Iudentbums. No. 33. 1865. Inhalt: Leitende Artikel: Der Perein für allgemeine Angelegenheiten beS ZudenthumS. — Ern Stück Altcrtbum. — Zeitungsnachrichten: Deutschland: Aus Wortenberg. Hannover. Preußen: Gnesrn, Aus Pommern. Oester- > reichlicher Kailerstaat: S. a. Ujhclv, S. a. Ujbely, Pest. Frankreich: Paris. Italien: Aus Oberitalien. Grie« ' ch enlau d: Lorsu. 33T Zu beziehen durch jedes Pcstanit ond jede Buchhandlung.! Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich!. Thaler. wörtlicher Redactcur: Dr. H. Lotze. SuLhautlurrp iu Sci»;ig. — Druck vou S. »reysi ng iv veiru»