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Jüdisches Volksblatt · 1865-01-01 · 34 (1865) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
12 (1865)
Issue
34 (1865)
Date
1865-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Bolksblatt. Zur r!eftriinq uni) llntrrfjufluiu] nuf jüdischem ^kjbiel. HerauSgegcben von Rabbiner vr. Ludwig Philippson in Bonn. s4to. 34. 1865.] 4<cn dicicr rfdtiitttft ertoilni;rkw«ni»ch eia« ttumaiet. ffetcü li« Äabr» iianfi« uStblr. Breneijapne. 7'{ -igr. ÄUr B»chdayrim»ü«n, Pcsl.'anrr uat »ieiraugSexreriri-aea nrd«rt Bestellu-tgen ««. ^12. Inbrtz. 3. ftjunrtat.j Briefe nach und aus der Hcimath. > (Neue Folge.) > i 1 I iv. i i Wenn ich nach einer großen, mir fremden oder mit; brr Zeit fremd gewordenen Stadt komme, wo ich Kochstcnzwei, drei Menschen kenne, mich Niemand erwartet, mich Niemand aufsucht, wo neue Beziehungen ich erst anzuknüpfen habe: da überkömmt mich ein Gefühl der Vereinsamung, ein Gefühl, in der wogenden Menge wie verloren zu sein, da-zwar nicht schmerzt, dennoch aber durchaus nicht heiter und empfänglich stimmt. Ich mache bann, daß ich ein Stübchen im Hotel bekomme um wenigstens einenNaum wieder mein nennen zu tonnen, und überlaff« mich da dem Gedanken an meine Lieden in der Heimath, deren theure Gestalten meiner Seele dann zurufen: stehe, du bist nickt verlassen und nicht verloren, nicht vereinzelt und nicht vereinsamt, sondern eine Fülle von Liebe umgiebt dich, und hält dick fest, und laßt dich nickt.- Dann strömen MutK und Kraft wieder in mein Herz, ich wende mick den Zwecken zu, die mich oahin geführt, und fasse ste mit ganzem Geiste ins Auge. Warum ich dir dies heule schildere? Weil es mich auf das zurückführen soll, waS^ch in meinem letzten Schreiben berührte, auf das Familien» und Gemeindeleden. — Es ist einmal mit den Menschen ganz anders als mit allen andern Wesen, besonders mit den Thieren, und nichts erscheint mir lächerlicher, als die Versuche eini«; ger neueren Naturforscher, aus einigen Aehnlickkeiten in | dem Gebühren einiger Thiere mit dem der Menschen auf! die Aehnlichkeil oder gar Gleichheit in beidrn Wesengattungen zu schließen. Was eben den Menschen zum j Menschen macht, ist, daß Alles, was er.tzerührt. Alles, * 1 was er schafft, vom Geiste ergriffen, durchdrungen und eigenartig gestalt« wird, und baß sich hierin eine Reihenfolge von Entwickelungen knüpft, die Jedes bis zu einer 1 höchsten Stufe, ich möchte sagen, dis zur Verklärung erhebt, wenn dieses letztere auch nur in seltenen Augenblicken und bei seltenen Individuen. Es leben einige Thiere heerdenweise; aber eine solche Heerde ist vom menschlichen Staat« gerade soweit entfernt, wie «in Werk thi«4 rischen Kunstrriedes von den Propyläen zu Athen und einem Gemälde Raphael-, wie selbst der Gesang der Nachtigall von einer Symphonie Beethovens oder einem Oratorium Händel-. Einige Thiers leben eine Zeit lang familienweise, aber wer möchte dies, mlt de« unerschöpflichen Schätzen der Liebe vergleichen, welche sich in einer menschlichen Familie aufthun, wer anbeb-, als der in einer solcken persönlich nur der Rohheit und der-Zwietrackt begegnet«, die freilich eben darum auch in ihr möglich find, weil sich in ihr die höchsten Tugenden der Selbstaufopferung und dos Liede-glückes entfalten können. Der Schöpfer hat in der Natur des Menschen uns das Richtige» vorgezeichnet. Jeder Mensch fühlt, sich al- Individuum, wie denn auch alle seine Gefühle, Gedanken und Schicksale einen persönlichen Bod'm behalten, so viele und innige Theilnahme ihn auch mir Andern verknüpft. Jeder Mensch ist aber ebenso auf ande« Menschen, ja auf die Gesammtheir angewiesen, und wİe ohne sie von Geburt an das hülfloseste Geschöpf auH Erden. Was ist über der Mensck gegenüber ver Gesammrheiti Ein Atom, das sich im Universum verliert, bat in die Loft verstärke« k Ja. beschränkte fick noch ha- Dasein des MrMben in der Meng» der anbem auf den bloßen Aus,! rausch Des, waman giebt.und empfängt, was er für , Andere und Andere für ihn schaffen. Sem Bestehen ord» 1 nete sich bann ganz so, wie bas Bestehen eines Elemen- ' rartheiles nach den mechanischen und ckemischen Besetzen. ■' Ader der Mensch bedarf der Liede, der Theilnahme. her.' Hülfe und Miltheilung, und zwar in gleichem Grabe diese zu gebefi wir zu empfangen, ste ,u betkätigen wie sie sich be- ^thäligen zu lassen. Da reicht keine Mechanik und keine Chemie aus. Aus der zahllosen Masse der Gesammkheit müssen da einige Erwählt« herausgrnommen fein, die dem Individuum hingegeben werden. 'Ja, nach dem Maßstabt, wie sich di« Verhältnisse uyd Beziehungen verallgemeinern, wird es. eines immer neuen, weiteren Kreise-', bedürfen, um zur Befriedigung zu gereichen, und so wird nicht dies die Familie, sondern auch die Association, diel Gemeind« und der Staat zur unumgänglecken Nothwendlgkeit für das Jnbividuurü, bevor es zur allgemeinen Menschheit gelangt. Auch hierin haben wir das Vorbild in her Natur. Es' ist da der Bode« , auf dem der Mensch steht, da- Land, in welchem er wohnt, der Welttdeil, dem er angehörr, der Erdball, auf den er gebannt ist, das Sonnensystem, in dadieser «ingefügr ist, bevor wir dem All gegenüber stehen, dafür uns unendlich ist, und dessen Theile wir doch sind. — Es ist ganz schön, kosmopolitische Anstchyn zu haben; wir müssen sie haben, denn wir gehören der Gesammtbilt de- Menschengeschlechtes an, und es ist gerade ein Errungniß unsrer Zeit, die Solidarität der In» teressen aller Menschen immer mehr zu erkennen. Aber geradezu verkehr« ist es, von dem Einzelnen za verlangen,

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