Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 12 (1865)
- Issue
- 33 (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 131 (sequence 3)
- Language
- German
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Der Professor Owen lßchlötzt dir vierte Resolution vor, welche den Wunsch auSdrückt, daß man eine Sammlung der Thiere, Pflanzen und Mineralien deheilige« Lande« veranstalte, indem er verlangt, baß man am Platze selbst die zu ihrer systematischen Geschichte nothwenbigen Thatsachen feststelle. Unterstützt von dem ehrwürdigen Herrn Tristani, wird diese Resolution angenommen. Eine andere Resolution,, über welche der Dekan von Westminster und der Dekan von Canterbury sprachen, wurde vorgeschlagen. Sie verlangte, daß der Bidelgelehrte durch diejenigen, welche die Gewohnheiten und Sitten der Bevölkerungen des heiligen Lande« sorgfältig beobachten, untsrstützl werde. Diese Resolution wurde ange« nommen.! Dir rechte Reform. Ein^ Parabel von Leopold Mandel, Lehrer in Wattenscheid. Die Perle, die ich liebte. Die fiel mir in den Sand; Ich siebte ihn und fiebte, Bi« ich sie wiederfand. Nach Raschi zu Genesis 37, 1. Vor grauer Zeit lebte ein Fürst im Morgenlande, dochberühmt I wegen seiner hohen adeligen Abkunft, nicht minder wegin seiner ritterlichen und edelen Gesinnung. Ein gar mächtiger König hatte ihn deshalb zum Freunde erkoren, und, weil schon des Fürsten Urahnen dem Königs- Hause die wichtigsten Dienste geleistet, indem sie zur Erweiterung des königlichen Reiches wesentlich beigetragen, ihn zum Bundesgenossen erwählt. Der König strebte danach, durch Beweise der Liebe daS Fürstengeschlecht auf ewig« Zelten an sein HauS zu fesseln, damit e« immer Arm und Herz dem königlichen Dienste weihe. Zu diesem Zwecke erschien der König an einem schönen Frühlingstage in herrlicher Pracht, umgeben von den Großen seines Reiches in der schlichten Behausung seinetreuen Freunde- und übergab ihm eigenhändig alS Geschenk «ine kostbare Sammlung der herrlichsten Juwelen: Opale in hundert Farben spielend, Diamanten von seltener Größe und reinstem Wasser, Sapphirr und Smaragden von lichtestem Glanze. Oer Fürst, in freudigem Erstaunen ob stlcher königlichen Huld und Gnade, dankte mit tiefbewegtem Herzen und sprach: „Nie, o königlicher Freund, werde ich diese Stunde vergessen; und das herrliche Geschenk soll für ewige Zeiten in dem schönsten Gemache meine- Hausr« zur sorgsamen Obhut niedergelegt werben, damit meine Nachkommen sich Deiner Liede erinnern für und für und Deinem Hause stetS Liebe und Treue beweisen nach dem Vorbild unserer Ahnen." — Oer Schatz, der sich durch nachträglich« Geschenk« des Könignoch um viele werthvolle Gegenstände vermehrte, wurde in de- Fürsten schönstem Kadinete aufbewahrt und hierüber ein treuer Diener al- Aufseher bestellt. Jahrhunderte vergingen — und der Schatz blieb unter der mehr oder minder treuen Obhut der erwählten Aufseher immer im Haus« defürstlichen Stammältesten. Al-; später dies edle Geschlecht durch Bedrängnisse mancher ' Art heimgesucht wurde, besonderaleseinen schönen Erdsitz, «denfallein Geschenk degroßen König-, durch einen unglücklichen Krieg verlor und iu'S Exil wandern mußte, ging auch manche Perle de- Schatze« im Getümmel verloren. Um den Schatz vollzählig zu machen, kaufte der derzeitig« Aufseher oft unächte Steine und reihte sie dem Schatze im Sabiner« bei. Einige seiner Nachfolger im Amt« ließen, theilvon verkehrter Geschmacksrichtung geleitet, theilum die Augen eine- Feindenicht auf diese Kostbarkeiten zu richten, viele der lichtstrahlenden Juwelen geschmacklos in unedle- Metall fassen und legten auch werthlose Gla-korallen, womit die Kinder de- Hausegespielt, au« Achtung vor der Familie in- Kabinet nieder. Sogar manche der Aufseher verkauften gute Stein« um hohen Preis und kauften statt deren schlechte ein, um sich auf Kosten de- Schatzezu bereichern. Dies Alles hielten die Besitzer, die meisten« keine Juwelenkenner waren und : sich seit langer Zeit wenig um den Schatz bekümmerten, ' lm Vertrauen auf ihre Ahnherren und ihre Aufseher für J ächt; selbst den Staub, der sich im Lause der Zeiten an den l Steinen festgesetzt hatte, betrachteten sie alwesentlichen i Bestanbrheil de- Schatze-, und er durfte nicht entfernt : werden. — Da da- Sadinet Jedem osten stand, so besichtigte es; einmal ein Kenner von Juwelen: dieser machte die Entdeckung, daß Jcrttzümer und Täuschungen vorgefallen, und : meldete edem Besitzer mit dem Ersuche», eine Revision ' der Sammlung vornehmen zu lassen, um alle- Werth» I und Geschmacklose wegzuräumen. Der Fürst, in ritter» ' lichen Hebungen uud Künsten wohl vertraut, aber in Kenntniß vo» edlen Steinen unwissend, ließ al-bald seinen Aufseher kommen und befragte ihn um die Wahrheit. Allein dieser mochte sie nicht wissen, oder.sie u-cht sagen wollen und behauptete, alle Steine wären §cht und die Fassung höchst zweckmäßig. „Bedenke, hoher Herr," sprach er, „daß Deine Ahnherren, ruhmvollen Andenken«. Kenner von Juwelen gewesen sind, weshalb »S nicht denkbar ist, daß dieselben irgend etwa- Unächte-» oder Unpassendes in ihrem Cabinet geduldet. Und solche Kenner zu hintergehen, würde nicht ein Aufseher sich unterstanden ha» bcn. Sind doch diese selbst zuverlässige und tüchtige Leute gewesen, sonst würden sif von so erleuchteten Fürsten nicht zu solchem Amte berufen worben sein." Der Fürst mußte nun wohl wieder glauben, die ganze Sammlung wäre ächt, denn die geringste Gla-perle dürft« nicht beseitigt werben. Deo Vorfall ward bekannt. Diele Kenner kamen — die meisten schwiegen, um den Fürsten nicht zu verletzen, ober um dessen AuffehÄ, der großetz Einfluß besaß, nicht gegen sich aufzubriagen'; nur einigjr machten sich'« zur Pflicht, dem Fürsten die Augen zu! öffnen. Diese wurden vom Aufseher für Schelme gehabten, di« danach strebten, diq beseitigten Steiye zu erhaschen. Diese Beschuldigung wurde Seitender^Juwelenkenner durch schwer« Angriffe erwidert, wodurch Fn heftiger Jmb andauernder Streit sich zwischen beiden Parteien entspann, der eine» solchen Umfang annahm, baß der Fürst endlich selbst glaubte, emüsse mit seinem Schatze nicht ganz sichtig sein, und der Sache müde, sich entschloß, die ganze Sammlung alein unnütze- Ding wegzuwerfrn. —7 Eia kluger Juwelier, der auf weiten Reifen sich viele