Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 12 (1865)
- Issue
- 33 (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 130 (sequence 2)
- Language
- German
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130 Freunde," fuhr Salomo fort, ..bitte ich, mir zu sagen, «eiche von den genannten Personen Euch die am meistenlo enSwerrhe zu sein scheint) Denn eben in der Beantwortung dieser Frage haben sich zwischen meinen Rachen und mir .Meinungsoerschiedenheiten kund gegeben " „Mir d§> cht," sprach der Erst« der Reisenden, „baß dem Edrmarn das meiste Lob gebühre, indem er den Eid feiner Gew rhlin heilig gehalten und durch große Opfer dessen Lösur g erstrebte." „Ich. glaube, ferner Gemahlin dagrößt Lob zufprechen zu dürfen/' versetzte der Zweite, „weil sie hcem Eide treu geblieben." „Ich halte Beide für lobenswi crh," Hub der Dritte an, „doch Härte ich sicherlich dem ‘ mnglinge da« größte Lob zuerkannt, wenn er nicht so thöricht gewesen wäre, die ihm bargebolrne große Geldsumm i abzulehnen." — „Du bist der Dieb und kein Andrer!" dröhnte plötzlich die Stimme Salomos dem letzten Sprecher entgegen, „denn wisse. Du Thor dein Mund war deine eigene Falle!" (Spr. Eal. 18, 7.) De, Augeredele, betroffen van den Worten d«S weifen Rii)ttr«, erblaßte; fein Gewissen wurde rege; — er sank in Bewußtsein feiner Schuld auf seine Knie und gestanl reylmüthig sein Verbrechen. Zu dessen beiden Gefährtin gewendet, sprach nun der König: „Ihr werdet schon e sehen haben, baß ich diese Geschichte und Frage nur zur Prüfung Eurer und Eure- Gefährten Gesinnung vor /legt, um zu ersehen, wem von Euch der Trieb zum Di« bstahl innewohne. Nur ein solcher, der wie Euer unw» rdiger Reisegenosse Uneigeanützigkeir für Thorheir, mithin Habsucht für Tugend und die unbillige Erlangung von S hätzen für zweckmäßige Klugheit hält, ist eine- Diebstakf lhiq." Die Bestohlenen gelangten wieder zu ihrem Eigenthum und der Schuldige entging seiner verdienten Strafe nicht. Salomo aber galt in Israel und in fernen Ländern als der weiseste König. _ r Eine englische Gesellschaft zur systematischen Ersorschung Palästinas. . (Nach den Times.) Am 7. Juni Nachmittag fand im Saale Will - eine zahlreiche und glänzende Versammlung unter de« l Zorsitze de- Erzbischofvon Port Statt. Es handelte sch darum eine Gesellschaft zu bilden oder eine Kasse zu gründen zum Zwecke der systematischen Erforschung von Pa ästina. Zur Seite Seiner Gnaden faßen der Vicomte Si rarford de Redcliff«, der Vicomte von Stranzforb, dtjr öischof von London, Sir Henry Holland, Sir Roderick Murchison, Herr' D. Layard, Herr R. Hambury und A. m. Bei der Eröffnung der Sitzung setzre^Eeia« Gttad n auseinander, daß viele Männer $er Wissenschaft und de Kunst der Ansicht seien, wir wären weit entfernt Palä lina so zu kennen, wie wir eS sollten, und baß man, da ei lach feiner Meinung sich mit Allem, was bi« vergangen;n Zeiten Palästina'« betrlfft, ebenso verhält, sich rrnsttitl damit beschäftigen müßte. Der Bischof von London nahm da- Work i »mitten der Beifallsbezeugungen und schlug die erste Resolut on vor, nämlich daß ein Fondzur Erforschung des heilig n Landes gebildet werde, und daß da« Komuö sich aueinigen hohen Persönlichkeiten und hervorragenden G.nllemen zusammensetze. Oie Resolution, unterstützt von hem Dicomre Strang» forb, wurde angenommen. Herr Layard schlug folgende Resolution vor: Die Erforschung Jerusalem'- und mehrerer anderer Orte des heiligen Landedurch Ausgrabungen würde wahrscheinlich helle- Licht auf die Archäologie de« jüdischen Volkewerfen. Besonderkönnte man große architektonische Entdeckungen machen; man kennt so wenig von dieser Kunst bei den Juden, daß mir Au-nahm«-einiger großen Steine wir absolut Nichts von der Kunst ober den Denkmälern der Juden wissen. Man könnte freilich sagen, daß eia Pari« einige jüdische Sarkophag« giebt. Man har einen großen Lärm von ihrem Ankauf gemacht, aber, sagt Herr.Layard. ich glaube nicht, baß sie aueiner älteren Zeit alS der de« HerodeS seien, sie tragen di« Spuren einer griechischen oder römischen Kunst, deren Werth eia mittelmäßiger ist. An dem Orte, wo dies« Denkmäler sich befanden, hat man auch die Reste römischer Soldaten gefunden; es scheint, al« wäre dort ihr Begrädnißplatz gewesen. Es wäre fiic uns von der höchsten Wichtigkeit, daß wir dorthin gelangten, zu wissen, wie eS mit den Künsten bei dem alten jüdischen Volke stand, bei diesem Volte, mit dessen religiöser Ueberzeugung die uosrtge st eng verbunden ist; und gerade durch genaue Erforschung könnten wir neue Wege eröffnen. Sei es mir erlaubt zu sagen, baß die französische Regierung, die stelS die erst« ist zu Allem beizutragea, wa« Entdeckungen herdelfüdrt, viel dafür gethan hat. Der Genius der englischen Nation widmet sich dieser Art Untrrnehmung.n wenig; unsere Regierung besitzt «in Voruetdeil dagegen, sie mit ihren Hülfsmitteln zu unterstützen, und wir nehmen niemals die Initiative darin. Der Graf von Vogue unterstützt die Motion und giebt einen interessanten historischen Uederblick über die Erforschung des heiligen Landes Indem er die Huldigung für di« französisch« Regierung billigte, wieer doch darauf hin, daß da« englische Volk durch persönliche Anstrengungen die Dinge erfüllt, die bei den Franzosen der Unterstützung durch eine Regierung bedürfen, und baß gerade dieser Zug des englischen Charaktkcs viel beneidet wird. Das Werk, welchediese Gesellschaft zu erfüllen sich vornimmt, ist bes großen und freien Lande« würdig, in welchem ich zum ersten Male, sagte der Graf, bas Glück hak--, mich zu befinden, und dessen Luft ich zum ersten Male aihmr. Die Resolution wird angenommen. Sir R. Murchison schlägt folgende Resolution vor: „Außer den löblichen Forschungen, welche kürzlich im heiligen. Lande Franzosen, Engländer und Andere angestellt haben, ist e« sehr wünschenswertb, daß man ein regelmäßige« System von Erforschungen in Ausfübrung dringt, welcheauf «ine vollständige Weise den geologischen und geographischen Charakter dieser so -merkwürdigen Gegend bestimmt." Der Redner giebt eia langes Expose der Untersuchungen des Herzog« von LuyneS uub des Herrn Lartet, und betont die Wichtigkeit de« Unternehmens. Herr Geffocl Palgrave, der Verfasser b,6 „Leben im Orient" betitelten Buches, unterstützt in einer höchst interessanten Rede die Motion, die angenommen wird.