Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 12 (1865)
- Issue
- 33 (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Bolksblatt. L« Belehrung unk) Unlerhattung auf zuktischem ^ebiele. Herausgegebeu voll Rabbiner Dt. Ludwig Philippfo» in Bonn. rcvt nn < AAB Vor M«1<t ßeitiÄrif« »eicmUia tint Wu»mct. Vreis de« IRbrrl A . . A .. . _ [9l0. 33. 1865.] .«* -»». Ä"e,Ä [12. Jalirg. 3. Quartal.] Salomos Weisheit. Aus dem Hebräischen Leopold Mandel. Lehrer in Wattenscheid. Au Zeiten de» König» Salomo kamen einmal an einem Freitag drei reisende Geschäftsleute nach Jerusalem, um den Sabdarh in der heiligen Stadt zuzudringen. Jeder von ihnen war mit einer bedeutenden Summe Gelbeversehen, das sie aber, wie edie fromm« Sitte erheischte, am Sabbarh nicht mir sich führen wollten. La sie nun in der Sradt keine Bekannten batten, bei denen sie da» Gelb sicher unterbringen konnten, so suchten sie einen einsamen Ort auf, woselbst sie e» heimlich ver» gruben, >m es vor ihrer Abreise wieder adzuhole». Eine« »on diesen Dreien, der nicht ehrlich war, schlich sich in Ab» Wesenheit seiner deiben Gefährten nach dem Orte der ver» borgenen Schatze — stahl den ganzen Gelbvorrath und ver» steckte denselben anderwärts-Al» nach Au-gang de-Sabdathdie drei Gefährten trotz mühseligen Graben- und Suchen» Nichtvon ihrem Eigenthume vorfaaden, überfiel die beiden Bestohlenen eist gewalttger Schrecken; auch der Dieb geberdete sich erschrocken und stieß Worte der heftigsten Entrüstung au-, um den Verdacht von sich abzuwrnden. „Kern Fremder weiß, dawir hier Etwaverbargen," sprach der Erste „der Lied ist unter uns!" ..O, Ihr habt mich bestohlen!" klagte der Ander«. „Ich bin unschuldigrief der Dritte. Rach vielem Zank und Streit kamen sie überein, die Sache zur Ausfindigmachung des Liedes dem weisen Könige Salomo vorzutragen, was auch sofort geschah. Nachdem dieser aufmerksam ihren Au-lassungen gefolgt, gewann erbi« Uederzeugung, daß Einer von den Dreien ü«Ls Lied fein müsse und daß er List gegen List anzuweaden habe, um di« Wahrheit äa den Tag zu bringen. Er sprach de-hald zu ihnen: „War« tet allhier eine Stunde, dann wird die Gericht-sitzung bfginntnl" Zur bestimmten Zeit erschien der König mit seinen Rathen in der Gericht-Halle, woselbst sich schon Biele vom Volke eiogefunden, um den weisen Uctbeil-sprüchea seineberühmten Königzu lausche». Ler König sprach zu den drei Fremden: „Es wird vielleicht schwer fallen, Licht in Euere Angelegenheit zu bringen, oa Ihr nicht die nöthi» gen Zeugen beizubringen vermögel; doch freue ich mich, daß Ihr augenblicklich hier gegenwärtig seid, indem foedeu zwischen meinen Räthen und mir bi« Beantwortung eurer Sjrag« verschiedenartige Meinung-Äußerungen hervorgerufen und ich. mir die Hoffnung mache, baß Ihr, vermöge Euere-, durch viele Reisen und Gefchäft-speculatlonen auSgedildeten Verstände-, meiner Meinung deipflichren werdet." „Frage, o König," sprachen alle Drei, „wir werden Dir unsere Meinungen nicht vorenthalten!" Der König sprach: „Eine reiche Jungfrau und ein armer Jüngling liebten sich gegenseitig und jene gab Diestm daeidliche Versprechen, so lange keinem anderen Manne al- Gattin angehören zu wollen, bider Jüngling si, von ihrem Eide entbunden. Nach dem Willen ihrer Eltern mußte sie algehorsam« Tochter dennoch einen Andern heirathen. Gleich näch der Einsegnung deehelichen Bündnissemachte bi» Neuvermählte «hren Gemahl mit ihrem einst »dgegedenea eidlichen Versprechen bekannt, und erklärte, daß sie fest eatschloffen sei, ihm so lange bie Rechte eine- Gatten zu versagen, dtS der Jüngling ihren gfleisteien Schwur als nichtig erklärt habe. Der junge und ehrliebend« Mann erkannte de« Entschluß seine» röribes alrecht an und reiste mir ihr sofort nach dem weirrnlfernten Wohnorte de- Jüngling-, um die Befreiung von dem eidlichen Ge» lödnisse zu erwirken, und nahm zu dies, m Zwecke eine große Summe Geldemir. Der erstaunte Jüngling entsprach al-bald dem Wunsche der jungen Eheleute, ohne da-.ihm dargedoreae reiche Geschenk anzÜnehMen, und entließ sie mit den besten Glückwünschen. — 3Juf der Heimreise wurden Bride von Räubern überfallen, gefangen und au-» geplündert. Birten, Flehen, Weinen, Nichtschien die kalten Räuderherzen zu rühren. Alnun der Räuber» hauptm-nn, ein alter Wollüstling, der jungen Frau di« Mittheiluag gemacht, baß er ihrer begehre und sie behalten wolle, brach die Gefangene in heftige» Wrheklagen au». Mit lebhafter Darstellung schildert« sie ihm da» Sündhafte" seiner Absicht, erzählte ihm ihre Geschichte sowie da- Re» sultat ihrer Reife und schloß mit den Worten: „Wenn dieser uneigennützige Jüngling und mein ehrenhafter Ge» mahl so edel gegen mich gehandelt, warum willst Du, der Du doch an der Schwelle de- Tode» stehst noch dein Lebensende mit einer verbrecherischen Thal beflecken, di« Du sicher bereuen wirst und worüber Da im Jenseits Rechnung adlegrn mußt! O gib undoch di« Fretdeit, da- Gut magst Du behalten! Wir werden dann Deiner in Dankbarkeit unerinnern und für Dich beten!" Der Hauptmann, in d.ffen Herzen noch nicht-alle- Mitgefühl erstorben war, wurde in Folge dieser Darstellung bewegt, entsagte feinem Vorhaben, setzte al-dald Beide in Freiheit, gab auch dageraubte Gut zurück und ließ sie in Friesen nach ihrer Heimat!) ziehen. — — Run, meine