Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 12 (1865)
- Issue
- 31 (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 123 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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die er besaß, seinen Erzählungen ganze Stellen der Bibel einzumifchen und ihnen durch die Verbindung mit andern hebräischen Phrasen einen unbeschreiblichen Reiz zu geden, der sich natürlich in der Uebersetzunß,verliert. Bon seinen 107 Fabeln fiisd nur einige von seiner eigenen Erfindung. Don diesen letzteren stellen wir hier einige Beispiele her. Der Rade und da- Aas. Ein hungriger Rabe fand im Felde ein Aas. Er war außer sich vor Freude darüber. Er sprang vor Vergnügen, schlug mit den Flügeln und ließ seine rauhe Trimm« so laut ertönen, daß der Adler in der Hohe der Lüfte sie hörte und sich! sogleich zur Erde nieberließ. Der Rabe ergriff eiligst die Flucht, und der gewaltige Vogel bemächtigte sich des Wildes. | Seit jener j Zeit macht der Rabe keinen Lärm mehr, wenn er eine Deute findet. Die Mücke und der Stier. Eine Mückf, welche müßig kn den Feldern umherflog, bemerkte emeni an den Pflug gespannten Stier. Der Stier ging Schritt für Schritt vorwärts und hinrerließ riefe Furchen in der Erde. Sie flog zu ihm hin und setzte sich zwischen feine beiden Hörner. Der Stier setzte seinen Gang! «heiter fort ohne sich stören zu lassen, da er die müßige Mhcke nicht einmal bemerkte. Die Biene ge» wahrte sie unh schaut« von einiger Entfernung aus zu, neugierig zu wissen, waS die Mücke macht« und wie lange sie noch dieses ^nutzlose Gebühren fortsetzen würde. Endlich sagte sie zu ihi: „Warum sitzest du dich so zwischen feine beiden Hörner?" „— Wiss^, erwiederte ihr die Mücke, daß ich und der Stier heute diese ganze weite Ebene, die vor uns liegt, bearbeitet haben. Thue desgleichen, Biene, wenn du kannst." I Oft schleicht sich der Unwissende unter die Gelehrten. Er spricht nichts, giedt keine Meinung ad, aber nimmt ein AuSsihett an, welches Achtung einflößen soll. Und dann sagt er: „Wir Gelehrten, wir haben die und die j Entdeckung gemacht!" 1 Die beiden Hirsche. ■k. Zwei Hirsche standen am Rande eines Baches und schienen sich Geheimnisse zuzuflüstern. Ein Mensch, der di« Landstraße daherkam, bemerkte sie, und di« Neugier bewog ihn, sich ihnen zu nähern. „Warum sprecht ihr so leise, meine Freunde? sagt« er zu ihnen. In dieser Einsamkeit könnte euch doch Nie, mand belausch »." „— Wir haben, erwiderten sie, in der That unS kein« großen Geheimnisse mitzutheilen, der Müssiggang und die Langeweile sind di« Hauptgründe unsrer Zusammenkunft; wir thuen nu so geheimuißvoll, um unserer Unterhaltung den Anschein ^iner wichtigen Angelegenheit zu geben." Der Thöricht« spielt zuweilen den ernsten Menschen, um stch das Aussehen eine- Klugen zu geden. Der Sit «er, der Löwe und de» Bock. Ein Stier bemerkt« einen Löwen und ergriff die Flucht, der.Löwe verfolgte ihn brüllend. Endlich entwischte er, indem er sich biürer Gesträuche verbarg. Auch ein Ziegen, bock hatte ft« dorthin vor dem Löwen versteckt. Der Stier erschrak heftig, als er ih« bemerkte. „Was hast du, Detter? fragte ihn der Bock; du hist Furcht vor mjr, und wir sind doch in demselben Stelle großg,zogen!' — „Du l ist es, Bock! rief der Stier. Ach, Allhs, waS athmet, if: heute in meinen Augen ei» Löwe, so hat mich dieser Rächer mit Schrecken erfüllt." Der Verfolgte fürchtet sogar seinen Schatten. D er Wolf und die Thiere. Der Wolf, »er Kanzler de-Löwen, wurde rines Ta.es von sammtlich n^ Thieren angeklagt, welche darüber Be, schwer?« führten, daß kein Thier vor dem Zahne die es Räubers sicher wäre. „Dieser Vielfraß, riefen sie, macht aas dem Waide, eine Wüste, aus unfern Frauen Witlwey, aus unsim Kindern Waise»." Der König i gerieth in Zorn und warf ihm in streng *n Worten seine Grausamkeit vor. „— DaS ^Vergangene kann nicht wieder gut gemacht werden, fügte ^r hinzu; aber hüte dich in Zukunft vor d lei sin GewaltthaN'gkelten. Begnüge dich mit den tobten Thieren, die dst auf den Feldem findest, und schwöre, b ch während zweier Jahre jede-Fleisches eines lebenden Thier S, das du dir zu erwürgen gestattest, zu enthalte»." Der Wolf leistet« den Eid und zog sich zurück. Einige Tag» darauf wurde er von einem heft^m Hunger ergriff« und sah ein fettrS Schaf auf einer Wirse weiden. Tausend verschieden« Gedanken kreuzten sich in seinem Gehirns:> „Während zweier Jahre >»tch alle- Fleisches enthalten! ... Die Strafe ist hart, und ich heb» geschworen! Ab« jedes Jahr hat dreihundert fünf »«d sechSzig Tage.; Wenn ich sehe, ist es Tag, wenn ich nicht sehe, ist es 9)acht. Also inuner, wenn ich die Anzen schließe, ist es Nacht; wenn ich sie aber wieder öffne, ist es Tag." Sogleich drückte er mit Gewalt die Augenlider nieder und öffnete sie darauf wieder; und so w»de Abend, und so wurde Morgen: das war ein Tag. Zn dieser Weise zählte er zwei vollständige Jahre. „Jetzt^sügre er, Hab« ich im Voranfür meinen Fehler die Straf« erlitten" und er ergriff das Schaf und erwürgte es. Ein Räuber findet da- Mittel, de» stärksten Eid zu umgehen. Geben wir! nun noch eine Nachahmung einer sonder, baren indischen Fabel, wie sie Berachia vtranstalret hat. Oie Maus, der Sonnenball, vaS^Gewölk, der Wind und bas Gemäuhr. Eine kleine Dame unter den Mausen ließ es sich ein» fallen folgendermaßen zu überlegen