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Jüdisches Volksblatt · 1865-01-01 · 31 (1865) · p. Seite 122

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
12 (1865)
Issue
31 (1865)
Date
1865-01-01
Page
Seite 122 (sequence 2)
Language
German
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122 Halewi hierarchischer Gelüste, und meinte, er woll^ sich zum jüdischen Papste aufwerfen, und doch lagen der« rtige Gelüste diesem Manne ganz fern; den Wunsch üb« c die Geister und Gemüther zu herrschen, kannte er nickt. Ec selber sagte nämlich bei einer ähnlichen Gelegenheit: , Wer har denn mlck zum alleinigen Erden und Besitze der Wissenschaft eingesetzt, daß es einem Anderen verloren wäre, dieses Gebier zu betretend" ES war ihm also nicht darum zu tbun,irgend Jemanden den Weg zu be-ngen oder der freien Forschung einen Damm zu setzen, fordern die Wurde d.S Rabbiners nach Außen und innen herzr^ellen. f Fragen wir jedoch, was wohl R. Meir Haler« auf i:it Gedanken brachte, die Promotion der Rabbiner neuerdings ernzufübren, die dis auf den heutigen Tag d steht, so glauben wir nicht zu irren, wenn wir annehmen, daß die Gründung der Universität in Wien mit die Veranlassung zu dieser Einrichtung war, an welcher eberfallS Promotionen stallfanden, und in solcher Weise sehe r wir -eine Neugestaltung deS RaddinerwesenS von tief «in chneidrnder Bedeutung, bei welcher-die Grüybung der dPieneo Universitär von Wichtigkeit war. Nebenher mag auch bemerkt werden, daß fettst der Name: „Universität" auf jüdische Institutionen überging. Man bezeichnet« jüdische Gemeinden mit den Namen: „Universität", und haben noch jetzt die jü ii'chea Gemeinden in Italien den Namen: „ITniversili degli Ebrei.“ *) £« kann dieses um so weniger überraschen wenn man bedenkt, daß in früheren Leiten streng christliche Benennungen auf Juden und Iudenrhum übertragen wurde n, und cs gab Judendifchvfe, Iudenhochmeister etc. Diejenig n, die letzt den Juden Nachahmungssucht vorwerfen, ve:gessen daran, daß im zwölften Jahrhundert an der Köln«- Synagoge Glasmalereien waren,-und Laß cden zu aller Zeiten die Juden mit der Zeit gegangen sind. Unwillkürlich drängt sich uns da» bekannte Gleictmiß auf. die Juden sind wie der Jordan, der das heilige Land durch rrömr. Der Jordan fl.eßt durch Seen, aber man kennt seinen G.mg und Laut, und man ist im Stande das Wasser des Jordan von dem des Sees $u unterscheide». In solcher Weise vermischten sich die Juden mit der Völkern. ohne ihr eigene- und eigcnthümliches Wesen aurzu» geben. Bald nach der Gründung der Universitär halle dieselbe Gelegenheit, den Juden zu nützen. Im Jahre 1371 wurden viele Juden ins Gefängnr'ß geworf n, wo sie längere Zeit schmachten mußten. Der junge Herzog Aldrechr fragte die Oockoren um Rath, was Ml denselben zu geschehen habe, und diese entschieden bas ir, daß man die Juden nicht tödten solle. Sie adoplirk n den ' Grundsatz, daß die Juden wohl gebeugt und geben ülhigt, aber nicht vernicklet werden sollen; in Uedereiasti nmung ' mit dem bekannten Ausspruch Papst Jnnocen; III „Die Juden 'ollen cur immerwährenden Strafe des voi ihnen *' i-Tif ^ra.ier u-ratliu’l'c Hemeiude versuchte es Ja :e .. Nuiver^ " neuken: deck wurde i nn.. v: «. <: rem Äar; deffeldeu Labres verd dem Erlöser zugefügten Kreuzestodes auf ewig Knechte Derjenigen fein, denen Christi Tod die ewige Freiheit ge, geben." (Fortsetzung folgt). Berachia den Nalronai, der hebräische Fabeldichter.!') Dieser Name gehört dem Verfasser der naivsten und einfachsten Fadeln in der hebräischen Literatur. Es ist stets eine sehr delikate Aufgabe für den hebräischen Schriftsieller, ein Werk aus eigenem Geiste zu romponiren: er darf sich keiner Wendung, keines Ausdrucks bedienen, die nickt in der heiligen Schrift angewendet werden. Berachia bar hierin. ein wunderbares Geschick gehabt; mit Erstaunen sieht man die erhabensten Ausdrücke der Propheten in seinen Kabeln einen Charakter und «inen Ton der Naivetät annehmen, deren die Thiere sich gewiß bedient hatten, wenn sie die Gäbe der Sprache besäße«. Die Fadel steigt bekanntlich zu den ältesten Zeiten zurück und hat bereit« 5« der Bibel ihre Beispsele. Selten sind die Fadeln, in denen Pflanzen die Rolle übernehmen; die Radbinen nennen sie Sichat Dekalim, Erzäh, hing der Pflanzen. Unter» anderen beschäftigte sich mit dieser Fabelart Jockanan den Sakkai, der gegen das Ende des I. Jahrhunderts lebte. Oie Thierfadeln heißen Meschaloth Schuai'm, Fabeln der Füchse, wahrscheinlich weil der Fucks hier die Rolle der inrelligentesten Persönlichkeit unter den Thieren spielt. Nach dem Talmud besaß Rabbi Meir aus dem 2. Jahrhundert 30V solcher Fabeln, von denen nur 3 uns aufdewahrt sind. Nach ihm wird Bar Kapara aus dem 3. Jahrhundert als Fabulist citirt, ebenso Rabbi Levi. Die Talmudisten sprechen noch von einer dritten Art Fadeln, welcher sie den Namen Meschalork Kodsim, Fabeln der Wäscher, geben, ohne daß man recht weiß, was darunter zu verstehen sei. Zu aller 3m bar die Fabel das höchste Ansehen bei den Rabbinen genossen. „Nicht sei die Fadel unbedeutend in deinen Augen," sagten sie, „denn oft kann man durch sie die Wort« des Gesetzes verstehen." Bon unsirm Fabeldichter nun weiß man ebenso wenig Gewisses, wie von seinen Kollegen Aefop, Bidpai und Lokman. Man hat ihn in verschiedene Jahrhunderte versitzt. Carmoly macht glaubhaft, daß ec um 1160 ge» lebt. Es ist zweifellos, daß er Franzose gewesen. Aber die Kennlniß der arabischen Sprache und die hebräische Dierioii seiner Fadeln erweisen uns, daß er in der Provence gelebt. Er selbst sagt uns, daß-er ein Nakban, d. h. Punktatoc gewesen. Ein solcher hieß im Mittelalter ein Mann, der die heiligen Man»skr»pte abschrieb, den Copien der Bibel di« Punktation hinzufügke und sie nach den Regeln der Maffora corrigirte. Berachia hatte di« hebräische Sprache vollkommen in seiner Gewalt.- Was ihn auszerchnett und seine Fabeln pikant macht, ist die Kunst, *' ''^a tVancc israeütc. pur E. Carmoly. n?c* . eldn die triliichen Details und die Llellenangadrrr;u finde«. KS,‘ Frankfurt a M. 1856)

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