Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 12 (1865)
- Issue
- 31 (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Volksblatt. Zur Belehrung und llnterQafturig auf jüdischem ^eßiefi HerauSgegeben von Rabbiner Dr. Ludwig Philippso« in $oiyi. rot o 1 <]>/•> -i «oo diel er Zeitschrisi crfÄrint »MeatliA rin« Nummer. PrU^ de« Jahr. r.,. c<- , n Mo. 31. 1865J *“••**& SnÄbI^.^h=?n »XnTX [1~* L»Krs3. chllS und Zeiruug«expeditro»r» vebmen Bestellung«« a al-] Die Wiener Universität und die Juden- Bekanntlich feiert die Wiener Universität in diesem Jahre ihrFünffsuodertjährigeS Jubiläum. Zur Feier gab soeben Vr. G. Wolf zu Wien eine Schrift ^Studien zur Jubelfeier der Wiener Universitär im Jabre 186!»'" heraus, in welcher die Verhältnisse der Juden zu dieser akademischen Lehranstalt besonders behandelt werden. Wir Heden audies r, auf den gründlichsten Forschungen de» ruhenden Schrft mehrere- Interessante hervor. Zuerst, wo von der Gründung der Universität 1365 die Rede ist. Der Derft sagt da (S. 12.) Ist die Stiftung der Universität ohrhe alle Spur an den Juden in Wien vor« über gegangen?! — Wir glauben dieseverneinen zu sollen. Die Stiftung der Universität in Wien hat auch sofort für die Juden Folgen gehabt. Um dieses zu begründen, müffen wir auf einen Moment die Behältnisse der Juden! jener Zeit betrachten. Die alten Wesen erzählen, daß htb die Augen Jacobs trübten, als er das Unglück über seine Kinder und Nachkommen in Eg-pten Hereindrechen ah. Wie trübe jedoch mußte daS Auge derjenigen sein,' «eiche daS Unglück der Juden jener Zeit erlebten. Die jüdische Wissenschaft, die bis dahin mit so vieler Liebe gepss gt wurde, mußte während der Drangsale verkümmern. Der leben-frische Geist war verschwunden, Noth und Eler d schlugen "Ihn, wo er sich zeigte, in Fesseln. Wie natü lich war auch daS jüdische Gemeindeleben verkümmert, und die Corruption machte sich da und dort breit. j)ie Stellung der Rabbiner in den Gemeinden war dansals eine anders alS sie heut zu Tage ist. Die gesammft Macht und Gewalt, sowohl die reliigiose wie die administrative, lag in der Gemeinde odeb in den Vorstehers, die sie sich gewählt hatte. Der Rabbiner war nur dazli da, um in religiösen Fragen zu enrs Heiden, und man fragte den, zu dem man Vertrauen haue. Jedes Mitglied in der Gemeinde oder auch außerhalb derselben hatte dasselbe Recht, und eS war Jedem gestattel, der in religiösen Dingen Bescheid haben wollte, sich an wen immer, der sich seine- Vertrauenzu erfreuen hatte, zu wenden. In solcher Weife wurde auch der leiseste Kein von Hierarchie und Pfaffenherrschaft er) stickt. Daher kam es auch, baß kein Rabbiner irgendwie einer Autorisatipn bedurfte, um zu entscheiden, was erlaubt und wanicht der ihn dazu aatorisicte.*) erlaubt fei, woch gab eS irgend Jemanden, *) Die Ra >bincr bilderen so zu sagen keinen besonderen Diese Ungjed^ndenheit, diese sanfte Anarchie, wi^ wir sie nennen möchten, hatte ihre Schattenseiten. Es d äugten sich öfter-! Äänner auf dr« Radbinerstuhl, die essen nicht würdig,! «W geradezu unwürdig waren; zu dem Jammer von; Außen gesellte ^ch der Zank und Streit im Innern der Gemeinden, und da- Ansehen unk der Stand der Rabbiner sank. Und doch bedurften die Ge. meinbrn gerade zu jener Zeit einer verständigen Füh ung, und doch brauchte die Gemeinde Männer, welche sig in der Zeit der Roth und de-Elendtrösteten, we.lche eine 2 lackt auf die Gemüthft übten. Zu jener Zeit, von 136(> — 1380, lebte in Dien al- Rabbiner R. Dseir Halewi aus Fulda. Derselbe war Freund oder Lehrer von R. 4 schalom, Rabbiner! in Wiener-Neustadt und Lehrer des Abraham Klausner,^ welcher auf dem Gebiete der Liturgie Hervorragendegeleistet hat; (dieser war wilder Lehrer de- Jacob Lewi Mijllin genannt Maharil, welcher -*fa de, rühmres Bucl> ^über rituelle Gebräuche — Minhagfm — geschrieben hat). Wir besitzen' von dem g„ nannten Mei« Halewi kein Schriftwerk und w, rden demselben dllzwei Gebete, Techinoth, für den 10. Abar un!> für den 23. Jjar zugeschrieben.; ab r er hatte einen scharfen Blick für die Bedürfnisse seiner Zeit, er wollte den Rabdinerstand wieder in Ehren beit gen, und er strebte d-rnach, daß würdige Männer diese-!lmt versehen, welch; sich ihrer Stellung bewußt sind, und wel^ chen die Gemeinden die Verwaltung ihrer religiösen An-> gelegenheiten mir Beruhigung anverlrauen können. Als Mittel wähl« er die an dm Universitäten eingefnhrte Promotion, die in früherer Zeit unter den Juden übliche S«micha, ws pie Meister di« Jünger des Berufes würdig erklärten. j Diese „N^uftung" rief unter den Rabbinern einen großen Sturm! hirvor. Jsac B. Scheschet, genannt: Ri basch aus Dal^nc!ia, gest. beiläufig 1400, beschuldigte Meir Stand. ES gab nicht Lleriter und Laien, auch bezogen die : tabbiner — die gewissermaßen als solche sungirten — keinen Gehall von der Äemdinde, sie waren sogar verpflichtet, die L steu der Gemeinde ^»ittragen zu Helsen, und ebenso mußten sie den Behörden die Htenern bezahlen. Nicht selten waren eS reiche oder wenigstens! wohlhabende Männer, die das Amt versahen. Erst «lS das Ükaobinat zu einem «Amte wurde, wies ngn demselben gewisse Functionen zu, gottesdienstliche Bvrträg> zu halten, Proceffe und rituelle Fragen zu entscheiden, und das Amt eines Secrelärs der Gemeinde zu versehen. In späi erer Zeit übertrug man! denselben auch Trauungen und Scheidui gen vorzunehmen. 'Besgl. RechtSgmachten von Jacob Weil und Meir Katzenellei^bogen.)