Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 12 (1865)
- Issue
- 29 (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 115 (sequence 3)
- Language
- German
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— 115 — tinrm feurigen Schwert« in der Hand dar. Dieser eigenthümlich« Schmuck in dem sonst so schmucklosen alten Bauwerk weckt natürlich jede- Beschauers Neugier, und wahrscheinlich auch di« defreundlichen Lesers. Sie wurde mir durch folgende Erzählung eine-Kundigen gestillt, und mag auch bei dem letzteren es thun, so gut es gebt. - Bor einem halben Jahrtausend ungefähr wohnte an diesem Hause ein Mann, Uri den Uri genannt. Er war kein Kind der Stadt, sondern eingezogen mit dem Privilegium des Fürsten Erzbischofs, dem Land und Stadt unterthan waren. Er trieb da still seine Geschäfte für sich, und machte große Reisen. Bon einer dieser kehrte er in Begleitung einer Frau zurück, die er -in einem fernen Lande geheirathet. Ader dieänderte in seiner Lebensart nichts. Sem« Zeit war gerheilt zwischen Geschäften, Werken der Wohlthätigkeit, Uedung der Frömmigkeit und dem Leben in seiner Familie, denn seine Frau gebar ihm ein Zwillingspaar, einen Knaben und «in Mädchen. Er ging nie in Gesellschaft, und sah nie solche bei sich; er unterrichtete seine Kinder später selbst. Die > Frau, die von außerordentlicher Schönheit sein sollte, sah man niemals außerhalb des Hauses. Denn Uri haue in! seinem Hause einen eigenen Betsaal und ein Bad einge» i richtet, und sehr gern kam eine genügende Zahl Armer ' zum Gottesdienste nach einem Haus«, wo sie daS Jahr . über der Wohlthaten so viel« genossen. Mit den Geheimnissen, die dieses Haus zu umschweben schienen, wuchs! aber auch der Ruf der darin aufgehäufren Reichthümer, . der bald zum Fabelhaften anschwoll. Jahre der Ruhe I waren vorübergegangen, alS einmal wieder durch die Auf- ' hetzung fanatischer Priester und die Habgier emflußreicher, Personen ein Aufstand des Volkes gegen die Juden toSj brach. Oie s auf Plünderung und Mord ausgehende : Rotte richtete sich zu allererst gegen daS HauS Uri's. Die Dämmerung war bereits eingetreten, als der wülhende Haufe sich hrranwalzte. Alsbald machten die wilden Gesellen Anstalt, die Mauer zu ersteigen, während Andere gegen das Pförtchen donnerten. Aber siehe da, alle Versuche, die Mauer zu erklettern, waren vergebens; sie war so glatt und so hoch^.0aß Jedermann an ihr heruntergleitete, und als ma» Teilern holte, waren diese ent«ed,r zu kurz, ober ihre Sprossen brachen unter den ersten Fußtritten. Man ließ ad davon und verdoppelte die Anstrengungen, daS mit Eisen beschlagene Pförtchen aufzusprengen. Endlich gelang dies. Aber den Embringenden quoll eine mächtige Wolke entgegen, welche den ganzen Hof erfüllte, und mitten aus dieser trat eine licht« Gestalt in weißen Gewändern, von einer wundersamen Schönheit und von Glan; umgosiep. In der Hand hielt sie ein feurige» Schwert, da» einer zackigen Flamme glich und mit großer Schnelligkeit sich im Kreise umschwang. Die Eindtingenden wichen zurück, denn ihre Augen wurden geblendet, dievom' Schwerte ausströmende, Glurh versengte und brr Duft der Wolke betäubte sie. „Der Erzengel aus St. Martin!" schrie man — denn dem Altarblatte in diesem Münster mochte wohl diese Erscheinung gleichen — und stürzte davon. Andere drängten sich ein und erfuhren dasselbe Geschick, und der Ruf: „Der Erzengel aus St. Martin vertheidigt die Juden!" hallte von Mund zu Mund fort. Die Haufen lösten sich auf, und bald umgab di« Ruhe' der Nacht die ganze Stätte, welcheder Schauplatz de, rohesten Raub» und Mordsucht hatte werde«'sollen. So erzählt man, und fügte hinzu: Uri den Art au» Dankbarkeit den Engel, der ihn vertheidigt, auf M'f die Mauer neben da« Pförtchen male«. Er lebte noch lange in feiner Frömmigkeit und seinem Wvhlthun, aber zu etzr ein ng. auch in völliger Einsamkeit. Denn sein Weib und stine Kinder gingen vor ihm hesm, und. er hinterließ ganzes Vermögen zu der jnoch bestehenden Stiftt In jener Zeit mußte dies dllerdingS von sehr grojern Werrhe sein, denn noch heute genügt es, an zwanzig Greise zu «rhaltem Juffuf der Sänger II. Zufsus vor dem Schab- „Jussuf, der der Edelsteine keinen — jemals hat genannt den seinen, — fiu der Edelsteine einen — li« «nt an den Schah Alfait— a ifoasedelsteindefäteKleid!—S i% o Erdgedierer Schah, dein Wille, — daß aufe ner Thränen Fülle — Dir als Edelstein nur eine — r olle und durchsichtig reine — für das ebelsieindesät« Kleid — Jussuf, der bedrängte, weidr! — Trittst du in des Ki, Sks glanzerfüllken — 'Laal dann, in den lichtdurchquillten: — bricht Dir mehr als -au« den Edelsteinen — au« der Zähre, aus der einen — wie auS Hellem Salzkrpstall — funkelnd Regendogenstrahl!" — In d,s Sinnens Tiefen versunken — von. des 6 ra» me-Bildern trunken — hüllet Jussuf in des Pergamin«« Blatt, — da« ec also beschrieben, har — seiner Köpfst uer Klänge; — und der Zöllner mit. Lächeln und Blit zen — reicher dem Schah — di« Berslein da. — Und der Schah spricht: Jussuf erscheine!. — Uqd der Sijah spricht: Gieb mir die Zähre, die du geweiht — mriitrm edelsteinbesäten Klieid! — Beden durchrieselt Jussuf« Aebeine, — aber cor Thränen komme ihm keine; — all' feine« Grames Gestalten — treten hervor aus des Herzens Falten, — ^wandeln vorüber auf leisen Socken, — aber sein Auge bleibt leer und trocken; *— all' st ner dunklen Nächte Schrecken — ihre furchtbaren Häu »ter recken — hoch empor und starren her. —- aber fein 2 uge bleidt trocken uni leer. — Und der Schah schaut immer strenger, — Juss iss Herz zieht sich enger und enger, — und daS Auge dis Schahs funkelt — und da« Auge Jussufs dunkelt; — aber die sonst so reichlich floß — keine Zähre reißt sich los. — „Herr! man senkt' mir" den Baker in'S 8rab, — da floß meine letzte Thiän« hinab, v— und mein Kind hat mich betrogest— da rnd meine Thränen hm nachgezogen." — ,.ZurI)Steli« die Zähre, die du gefveiht — meinem edelsteiadefäten K eid, — oder die Geißel soll dich treffen, — willst du Iben „Herrn der Sonine" äffen?" — „Deiner Geißel dornige Ruthe — wird Kröpfen von meinem Blute — ruvinrothe Zähren — £>ir gewähren; — aber die Th^äne mit strahlhellem Ljicht — die perlweiße, nicht!" — „9 un, so sollen von deinem Volke — die Häupter fallen wst Tropfen der Wölke — unter des Henker* blitzendem Schwerte, — bis mir die Zähre dein Auge gewahrte!' —