Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 12 (1865)
- Issue
- 29 (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 114 (sequence 2)
- Language
- German
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114 auf ihrem Schiff, ohne von den schädlichen Ausdüns ungen de- Tobten Meere-, die von einigen Reifenden fogrr als j todbringend dargestellt werden, irgend etwazu bemerken. Nach Mas.,da und Kerak wurden die ersten AuSfli ge ge» macht. Masada, da» heutige Seddeh, ist die Bef e, dienach der Eroberung Jerusalemdurch Titus dal letzte Asyl der jüdischen Unabhängigkeit war. Josephurczahlt die erschütternde Geschichte der Eroberung dieseletzten Bollwerk-. Neunhundert Juden widerstanden ein« i ganzen Heer, und alihre Kräfte erschöpft waren, lie jen sie! zehn unter sich da» Amt von Henkern verrichten ur d diese ' Zehn tödteten .schließlich sich selbst. Zwei Krauen un einige \ Kinder blieben allein übrig und durch sie erfühlen die! Römer dir Katastrophe. Der Charakter der Gegcr d har-! monirt mit der tragischen Scene. „Thäler von solcher! Tiefe, daß der Blick ihren Grund nicht erreicht, u ngeben! auf allen Seiten einen ungeheuren Kelsen, der stwst für : Tkiere unerreichbar wäre, wenn man nicht zwei Wege j zu ihm binaufgeführt hätte. Der eine kommt von Osten, von der Seite de- Tobten Meere-, der andere kürzere von Westen. Der östliche Weg heißt wegen feiner! vielen j Windungen die Schlange und ist so dicht neben Abgrün» j den in den Kelsen gehauen, daß er selbst den Kühnsten mit Schreck erfüllt und nur mit der größten Vorsicht d< gangen j werden kann Auf der Spitze des Felsens befin er sich eine Hochfläche, die etwa 600 Meter lang und 2 00 bis > 280 Meter breit ist. Auf dieser Flache, die eile vott j Tbürmen gekrönte Mauer umgab, karren der Hob Priester , Johanne» und nach ihm der König Herode» ein' Beste! bauen lassen, an die sich auf dem gegen Westen l egenden Abhange ein hoher, im Innern reich geschmückter Palast ' anschloß. Ungeheure Wasserbehälter und Kornfelde' liefere ten der. Besatzung, wenn sie belagert wurde, Wasser und Korn. Ein unterirdischer Gang führte vom Paläste zum i Gipfel de- Kelsen-, aber auck die offenen Weg. waren - für einen Feind nicht gangbar, der östliche weg«, seiner! natürlichen Beschaffenheit, der westlichewegen ein 6 Tkür-! mes, der ihn beherrschte." Römischen Soldaten war nichts unmöglich. Nachdem Fulvius Silva den ganzen Kelsen mit einer Mauer h itte umgeben lassen, auf der Krieger Wache hielten, s< >lug er sein Zelt an der Stelle auf, die allein einen Angriff ge-; stattete. Hier senkte sich der Kelsen zu dem uml egenden j Gebirge herab und vordem Thurme, der den westliö en Weg! verschloß, dehnte sich eine große felsige Flache, de unge« j fahr dreihundert Ellen unter dem Gipfel von Mas ida lao. Hier ließ Silva von seinen Truppen -Erde dis z ir Hohe , von zweihundert Ellen aufhäufen und idarauf einer Thurm aufführen, dessen ebene Spitze mehrere teo Belagerun» -mafchi- > nen aufnahm, mit denen BeSpasian r^nd Tilu» i, andere Festungen von Judäa Bresche gelegt hatten. Di ser Erd-; kaufen' existirl noch und über ihn gelangt man zu dem j Felsen von Masada. Der Palast des« HerodeS z igl noch; die Spuren de- Feuer-, da- Elia», der letzte Ueb erlebende j der Besatzung von Masada. avgezünder harre. Ei > Thurm ist allem unversehrt geblieben, aber der zu ihm« führende § unterirdische Weg ist noch nicht aufgefunden wö den und | er mußte ununteriucht bleiben, da nicht einmal die Katrosen! de» Herzogwagten, sich an Seilen!;» ihm hi »unterzuj lassen. j Der Besuch von Kerak bot Schwierigkeiten anderer Art. Weder der Amerikaner Lynch noch der Franzose Saulcy harren wegen der Feindseligkeit der Beduinen dabin Vordringen können. Der Scheik Mohammed Mu» gelli, der die Fellahin von Kerak beherrscht, kann zweitausend Krieger in- Feld stellen. Er galt für einen fanatischen und gewaltthatigen Mann, der keinem Europäer Zutritt in seinem Gebiete gestatte. Dank der Geschicklichkeit de- DragomanS Anton führten die Verhandlungen mitdem Scheik rasch zum Ziel. Der grimmige Beduine wurde nickt blogefügig, sondern holte auch die Reisenden persönlich am Ufer de- Tobten Meeread und führte sie unter Krieg-spielen nach Kerak. Die Stadt, die östlich vom Tobten Meer liegt und in sechs Stunden zu erreichen ist, erhebt sich am Vereinigung-Punkte zweier Wadi- (Thäler, der Name Wadi wird auch für Fluß ge, braucht) auf einem steilen Felsen. Ihr umfangreich,- Schloß, daaus mächtigen Blöcken aufgeführt ist, bietet einen großartigen Anblick dar. Kerak ist da- Crac der Kreuzfahrer und war die Residenz des berüchtigten Renaud de Chacillon, dessen Verrath dem fränkischen Königreich Jerusalem den furchtbaren Sturm zuzog, von dem es sich nie wieder erholte. Im Schlosse sieht man kufische Inschriften, die auder Zeit Saladin'S stammen und die der Sieger nach der Uebergade de- Platzes har einmeißeln lassen. Ein Besuch der von Kerak aus dem alten Rabdalh- Moab gemacht wurde, lohnte nicht. Reste jüdischer Kunst fanden sich nicht vor und die zahlreichen Ruinen au» römischer Zeit vecriethen ihren Ursprung in einer Epoche des Verfall- und waren außerdem schlecht erhalten. In Kerak wohnten die Reisenden in einem griechischen Kloster, dessen EpitropoS ein ehemaliger bulgarischer Bauer, übrigenein sanfter und wohlwollender Mann war. .(Schluß folgt.) Eine Sage. In einer süddeutschen Stadt befindet sich in der ehemaligen „Judengasse," die vielmehr ein ganzes Viertel voll finsterer, wüster Winkel au-machr, ein alte- Gebäude, dawie näher in'» Auge fassen wollen. Don außen gewahrt man nicht» als eine hohe, steile Mauer, die, aus großen Quadern bestehend, noch heute unverrückt ihren Platz behauptet, und nur durch eine kleine Pforte den Zugang gewährt. Man tritt durch diese in einen geräumigen Hof, auf welchem ein nicht unbeträchtliche-, alle- HaW. steht, datrotz öeS AuSickende- Verfallnoch jetzt kräftig und haltbar sich erweist und durch eine angemessene Restauration noch einen langen Bestand verheißen würde. Ist die Einrichtung de- Haufe» für den Alterthum-frcund von nicht geringem Interesse, so wird die Neugier durch ein Bild erregt, das! fresco neben pem Pförtchen auf die innere Seite der Außenmauer gemalt, und von den lebhaftesten Karden ist. Da- Ganze, ist nämlich eine Stiftung für jüdische Greise ausehr öfter Zeit, und da ist denn in der Urkunde die Bedingung gestellt, das Bild auf brr Mauer von zehn zu zehn Jahren neu anfarben zu lassen, was nun seit Jahrhunderten regelmäßig geschieht. Das Bild stellt einen Engel mit