Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 12 (1865)
- Issue
- 29 (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches BolkMatt. 3ur> JäcleÖruiiQ »nö Unterörtftunij aus jüdischem Hebielc. 'Herausgegebcn von [5Ko. 29. 1865.] Rabbiner Dr. Ludwig Philippson in Bonn Bon dieser Zeit! (drill erscheint wöchentlich eine Nummer. Prei« de- 2« drgang« l Thlr. Bicrieljä-riq 7 % Ngr. «Ile Buchhandlungen. Postär irr und Zeiiuogsexpediiil-neu nehmen Bestellungen an. 1 [12. IsKrg. 3. Hu» tal.] Eine Erforschung des Tobten Meeres. (Aus der „Europa.") Im vorigen Jahre rüstete der Herzog von Luyne» eine Expedition zum Tobten Meere auS, an der er selbst Antheil ^ahm. Nicht eigentlich naturwissenschaftliche Zwecke waren eS, die er verfolgte; in erster Linie stand bei ihm da-Interesse, die Spuren des sogenanntenSteinzeitalter-auchindenGedieten zu verfolgen, von deren frühester Geschichte die Bibel erzählt. Auf die Geologie brauchte er eigentlich keine Rücksicht zu nehmen, da auf diesem Feld« vor ihm genügend gearbeitet war, insbesondere von der nordamericanischen Expedition de- Marinelieutnants Lynch. Der Bericht über diese Expedition ist 1849 in Philadelphia erschienen und auch ins Deutsche übersetzt worden (Bericht über die Expedition u. s. w., von Meißner, Leipzig 1850). Der Herzog wollte die geologische Erforschung indessen nicht vernachlässigen und ließ sich von einem tüchtigen Geologen, Lartet, begleiten. Don seinen übrigen Reisegefährten übernahm Combe die Anthropologie, Botanik und Zoologie, und Schiffslieurnant DigneS die Geographie und Hydrographie. Der Herzog wollte defonderdie Lage von Segor und den andern Stäbkkn der Pentapolis ermitteln. Die Reisenden baden nach ihrer Rückkunft Berichte vorbereitet, die noch im Druck sind. Huillard-Breholles hat die Handschriften einsehen dürfen, und aus einem Artikel, den er darüber in der Revue Contemporaine veröffentlicht hat, schöpfen wir. Die eigentliche Erforschung des Tobten Meers nahm die Zeit vom 14. März bis zum 6. April 1864 in Anspruch. Auf dem Meer, bediente man sich einer Schaluppe, die in Frankreich gebaut und Segor getauft worden war. Sie bestand au- Eisenblech, war 9x/s Meter lang, 2*/io Meter breit und hatte einen halben Meter Tiefgang. Ein kleinerer Kahn> der zur Beschiffung von seichten Stellen dienen sollte, folgte ihr im Schlepptau. Da- Schiff mit dem Aahne wog 8400 Zollpfund, die V'orrLthe aller Art hatten eine Schwere von 5000 Zollpfund. Die beiden Fahrzeuge waren in Frankreich auseinandergenommen worden, um auf Kamellen fortgefchafft werden zu können. Auch so waren einzelne Bestandtheile zu breit und mußten an engen Wegstellen, wie sie in Palästina Vorkommen, abgeladen und von Menschen getragen werden. Beschädigt wurde nichts, und als die Fahrten auf dem Tobten Meer ihr Ende erreicht hatten, waren Schaluppe und Kahn noch vollkommen brauchbar. Der Herzog wollte die Fahrzeuge dem französischen Consul in Jerusalem oder Fuad Pascha schenken, damit sie vlon künftigen Reifenden benutz den könnten. Ein 2 raber bewachte sie und erhielt täglich zwanzig Fran en. Während der Eonsul ui Pascha noch in^edeliaüthigem Wettstreit lagen, w, habe. Bei einer Un daß es mir den am nicht auSgebessect we ihn vor dem Schicksa Wüste geplünden uni werdafür d der das e der unter- «alten sich. ittekn iben könne. Die französischen! Matrosen de- Herzogs versenkten nun den armen Segvr^--um der Geschenk zu Gunster des Andern ablehn,, melde arabische Wächter, da; der Kahn in einem Sturm gegangen sei und die Schaluppe starke Verletzungen er ersuchung de- Fahrzeugs erga Tobten Meer verfügbaren 2 zu bewahren, von den Arabers in Stücke gehauen zu werd«i. Diese Araber machen einen Besuch de-Tobten Meerefrüher' gefährlich unl zu Zeiten unmöglich. Roch, beute muß man sich mit )en verschiedenen Stämmen, di« in habgierige, unverschämt« und räuberische Bettler sind, im voraus verständigen. Eine ehrenwrrthe Ausnahme machen die Aduanen, mit denin unsere Reisenden am meisten verkehrten. Sie bestehen ausschlimkich auverständigen und verhältnißmäßig gebildeten Mens den. Ihr Scheik Gablan ist ein berühmter und gefürchteter Krieger, der die Franzosen durch sein sanfte», zuvor! om« meadrS Benehmen gewann und sie durch, «ine Derdintunz von Energie, Takt und natürlichem Scharfsinn in Erstaunen versetzte. Alle Araber ber Gegend beginnen jetzt zu begreifen, daß sie ein Interesse daran haben, den Freriden ihr Gebiet zu öffnen. Aus einigen Anzeichen geht he>vor, daß selbst die Civilisalion keine lange Zeit mehr brarche» wird, um in dieses Land einzudringen, daihr bisher verschlossen war. Der Herzog befuhr da- Tobte Meer im Früh ing. Es bot ihm keinen ernsten und düstern, sondern im Gegentheil einen anmuthigen und lachenden Anblick. Das. Tobte Meer war blau, wie alle andern Meere, ein lei hter Südost kräuselte seine Wellen, und seine an Schluchten reichen Uferberge waren grüner alder Strand deatlantischen Oceans in der Bretagne oder der deL-Ä ttelmeers zwischen, Marseille und Toulon. Die Grün! läge der Vegetation bilden der Dum, ein mir Dornen deklei »eter Baum, und der bekannt, Sodomapfel, dessen Frücht« wie Orangen au-sehen, aber glichtal- Staub enthalten. Im Frühling würde sich ein angenehmere» Meer kaum finden lassen. Es ist an seinen Ufern nicht zu warm die Winde sind regelmäßig, die Abende und Nächte f isch, die Sonnenuntergänge prachtvoll-. Die Mitglieder der Expedition blieben in der Regel