Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 12 (1865)
- Issue
- 28 (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 111 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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111 Augen besonders zeugen von Wohlwollen. Klugheit und Leutseligkeit. Er spricht französisch und englisch mit der deutender Fertigkeit. Die Ausstattung des Zimmers war wirklich feenhaft und erinnerte mich lebhaft an die Beschreibungen aus tausend und einer Nacht. Alles glänzte und glitzerte von Gold und edlen Steinen, das Mobiliar war alles pariser Arbeit. Nachdem er sich ungefähr 10! Minuten mit Mr. Graves und mir, mir Ersterem über | seine Rückkehr nach hier, mit mir über die amerikanischen; Zustände unterhalten hatte, wurde uns Scherbe! und , Pfeifen gereicht. Da dort keine Tische gebräuchlich sind,; so kniet ein seichgekleideter Sklave vor Jedem nstber. In; seinen beiden Händen hielt er einen massiv goldenen i PräsentirleUejc, auf welchem in gleichfalls gediegenen Gefä-! ßen sich der Scherbet befindet, der mir kleinen goldenen Löffeln j beinah wie EiS-CrLme gegessen wird. Der Sklave verbleibt in der knieenden Stellung, bis er vom Hofmeister einen Wink erhält, aufjustehen. Dann rauchten wir Opium, obgleich nur wenige Züge. Nachdem Mr. GraveS ein officiellesi Schreiben für den Präsidenten von Amerika nebst einem tverlhvollen Ringe alSMeschenk für sich selbst bekommen, verabschiedeten wir uns, wobei uns der Sultan der Sit!le gemäß wieder bis an die Thüre geleitete. Das Ganze! dauerte ungefähr 1b Minuten. Auf mein Bitten würben wir im Palast heuimgeführt. Uederall herrschte derselbe solide, wenn auch nicht immer zierliche Reichtbum. Besonders zog das Waffentabiner meine Aufmerksamkeit auf sich durch die prachtvollsten, reichverzierten Waffen. Auch bas Bidliothekzimmer wurde besehen, doch befinden sich dort nur wenige europäische Werke, die meisten sind arabische, türkische und persische Schriften. Dann gingen wir sin den Marstall, wo über 230 der schönsten arabischen Pferde sich befanden. Auch deren Ausrüstung war auf Vas Prachtvollste ausgestaltel. In dem großen parkartigen Gärten, in welchem die seltensten Blumen, Früchte und Vögel sich befinden, erhebt sich ein zweiter, wo möglich noch schönerer Palast, der Harem des Sultans, in welchem sich über 300 Mädchen von allen Schanirungen, von per stolzen Tochter Aldions bis zur ebenholzschwarzen Afrikanerin befinden, die jedoch für Jeden, den Sultan ausgenommen, unsichtbar sind. Ueberhaupk siebt man hier k)in weibliches Wesen, Sklavinnen ausgenommen, unverschleiert, und Mr. GraveS versicherte mir, ikaß ec während seines vierjährigen dortigen Aufenthalts muc zwei Araberinnen unverschleiert gesehen habe. Das Gesetz erlaubt näm!ich dem Manne, seine Frau, wenn er sie unverschleiert in Gegenwart eines Fremden trifft, sofort zu -1. Juli, als der N. West-Sturm losdrach. Am Dir««- tag hatten wir alle Hegel weggenommen und lagen vor Top und Takrl. Am Nachmittag desselben TageS nahmen wir eine furchtbare See über, welche zwei M. nn über Bord, schwemmte, einem. Dritten beide Beine unrerhald der Kmee zerbrach und unsre Sommerkajüte, Küche,- Steuer, Langboot, sowie auch'' all' unser Vieh i der Bord schwemmte. Dep beiden armen Teufeln konnte k ine Hülfe geleistet werden J da die See sehr hoch ging, md wir kaum glaubten, daß unser Schiff es 2-1 Stunden länger aushallen würde. Wir mußten sie ihrem Schicksal überlassen. Wir hätten nur noch mehr Menschenleben i geopfert. Es war eine schlimme Lage, wenn auch roch I nicht die schlimmste, die ich während meines Seeledens" j durchgemachr. Ader ist allen gefahrvollen Stunden lade > ich es erfahren, welch ein Segen es ist, wenn man dtatt im Herzen und ein reines Gewissen har. Ein kräft ges Schema Jisrael'un&. tfaruch Schern wiederholt ausgesto ien, und der' Mülh ist da und läßt uns alle die Mittel ergreifen, die dem Menshen zu Gebot« stehen, das Uetrige überläßt man der Hand Gottes. Am Mitlwoch^Al end ließ der Sturm nach. Wir waren ziemlich leck gewo den und halten ziemlich f ark zu pumpen. Ich kann du* versichern, es ging mir nahe, üaß ich die armen Burs her» ihrem Schicksal überlas'en mußte, allein das hilft Niors. Unser Capikahr - bewies sich, ebenso erbärmlich wie auf der Hinreise. Mir einem Wort,' es ist ein richtiger W schlappen. Durch die so twahreNde Nässe und Anstrengui gen Halle ich mir mein alreS Halsüdel wieder zugezogen, welches nach drei Tagen so zunahm, daß ich vom Dunste ablreren mußte. Am 5 Tage wurde es so schlimm, daß ich nicht das Geringse mehr herunterdringen und kium Luft schöpfen. konnte. mich kaum aufrichten Ich war so weit zuletzt, das glaubte, ich würde sier! en. Ich wurde so schwach, da i ich ä.qe konnte. Endlich am 9tm öffnete sich das Geschwür, welches durch daS Anschwillen der Mandeln entstand«» war, und nun wurde e« schnell besser. In dieser Ze r faßte ich den festen Enlsct luß, an Land käme, operiren zu lassen, Zeit von mich, sobald ich wieder was ich auch ausgefüfirt habe. Während der ganzen lag der arme Matrost (der noch dazu ein Deutscher tobten. Mr großer, aber wöchentlichen endet, und gi hatten im 2ln schen Ocean Graves sagte mir, daß die dortigen Frauen von mildßr Schönheit seien. Nach einem vier- Aufenthalt batten wir unsre Labung völligen mir Mr. GraveS als Passagier in See. Wir ang fortwährend ungünstigen Wind, da im Jndi- »ie Paffarwinde oder Monsoons immer in einer ich Richtung wetjen, nämlichOMonarevonN.Ost undkMonate von S. Wir gebrauchten 50 Tage um nach dem Eap der guten Hoffnung zu kommen, was man sonst bei günstigem Winde in 8 Tagen segeln kann. Trotzvem war das Weller schön und angenehm. Auf der Höhe des CapS angelangt, änderte sich daS Wetter plötzlich, und wir bekamen einen füchterlichen Sturm, einen der schwersten Stürme, die ich erlebt habe. Es war am Montag d. sihv guter Familie war) mit seinen gebrochenen Denen, > da der Capirain sagte/daß er eS nicht verstände, diesilbeneinzusetzen, und.lieber! warten wolle, biS wir nach der! Insel Sr. Helena, bij noch 600 Meilen von uns lag, ' hinkämen. Sobald ich nur auf Deck krabbeln konnte, setzte ' und schiente ich ihm j beide Beine ein. 16 Tage vorauf i kamen wir in Ht. Hejena an, wo wir Wasser und P wvii sion einnehmen mußreis», und der Docror, der den Rudolph untersuchte, sagte mif, daß er den Verband nicht a nehmen würde, da eres Selbst nicht hätte besser machen können. Von dort aus bot unsre Reise nichts mehr Bemerkens-, werrhes, und wir klmen am 1. September Mckli h in Prvvidence an, wo ^inS unsre Ladung, und zu »i einer großen Freude, adbezablt wurde. Von dort auS gin; ich sofort nach New-Pofk, wo ich von Onkel 8oui<| mit großer Freude empfanden wurde. Meinem Dorsatze^ekreu ging ich schon am folgenden Tage zu dem besten Opeiareuc in New-Pork, Dr. ^auer, um mich operiren zu Ussen. Er fragte mich: „Äind Sie Seemanns" Nachdenr ich dies bejaht harre, sagte er: „Na dann brauche ich 5 hnen