Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 12 (1865)
- Issue
- 27 (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 107 (sequence 3)
- Language
- German
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107 i stetauf Weissagungen der allen Propheten stützten. Sie müssten also entweder Diesen ihren Glauben versagen, und dann hörten sie auf, Juden zu sein, oder au» jenen ihren Glauben schenken, Zum Beweise derief er siL^aus. die Geburt Jesu durch die Jungfrau, welche von Jesaia« 7, 14. wörtlich so vorau-gesagr worben. Diewar unserem kleinen Manne Loch zu viel. Ec ließ sich die Stelle Matth. 1. 28 vorlesrn, und da er die Warle des Jefaias gut auswendig wußte, schlug er ein nicht ganz bescherd,nes Gelächter auf, und fragte, wo denn bei Jefaias von einer Jungfrau die Rebe sei. Es stände ja nichtvon emer Bellmliili, fonbern von einer Aliuali, und dirbedeutet nicht „Jungfrau" sondern „jung, Frau," wofür er in einem schnellen Flusse fünfoder sich- Stellen der heiligen Schrift anführte. Er meinte baber. Matthäus müsse der hebräischen Sprache wenig kundig gewesen sein. Weder unsir Freund, noch der Herr Pastor wußte, baß ,m ähnlicher Beweis schon von christlichen Gelehrten längst geführt worben, aber jemehr der Letztere selbst de- Hebräischen unkundig, von diesem Eitatenstrom und der ihm unerwarteten Einrede verblüfft war, desto mehr half er sich durch derbe Vorwürfe über den Unglauben und die Hartnäckigkeit der Juden. Der j kleine Mann sprang auf, nahm seine Jagdtasche und wollte sich entfernen. Draußen war es pechschwarze Nacht, der Novembersturm rasite mir außerordentlicher Heftigkeit, bann wieder rauschten Regengüsse herab und machten di, durchweichten Wege ungangbar. Dem Prediger ward «S schnell, inne, daß er zu weit gegangen, daß er überhaupt ein solche- Gespräch nicht hätte beginnen sollen, unv' bei seiner wahrhaften Herzen-güte that es ihm unendlich seid, den kleinen guten Mann gereizt und gekränkt zu haßen. Er stellte sich Diesem entgegen und wollte ihn duichrus in da- Unwetter nicht hinauslassen. Er stellte ihm die Gefährlichkeit vor, bot ihn grab,zu um Vergebung, und versprach auf solch, Gegenständ, nie wieder zurückzukommen. Allewar vergeblich. „Nein, sagte der hartnäckige Gegr ner, ich bin ein Diener de-Jüdentbum-, einer der geringsten zwar, aber kein unwürdiger; und wo man solche Schmähungen gegen dasselbe ausgesprochen, kann ich nicht weilen. Lassen Sie mich fort, Herr Pastor; draußen weht ein kalter Wind, hier aber brennt es mir uvter den Sohlen!" j Wasostte der Pastor tbun? Der kleine Mann eilte hinau-, kam nach mehreren Stunden schweren Kampfes gegen di« Elemente nach Hausi, aber nach einigen Tagen — war sein Stillleben zu Ende. Auch er halte sich der langen Reihe der Märtyrer für die Ehre seine- Glaubens ang,schlossen, ganz unvermerkt, ganz im Slillm, aber auch in ihm hatte die heilige Flamme hell gelodert . . . Juffns der Sänger.*) i. Nickt Sadi und Hafis, nicht Mirza Sckaffy allein — singen in Schiras' Rosinhain, — rufen der Freud« Lieder *) Z«r Erklärung diene: Sadi (gest. 1291) und dafiS lgeft. 13c9), Leide aus Schwas, der damaligen Hauptstadt Persiens, sind die vorzüglichsten Vprifcr der Perser. Mirza Schafs», ein moderner Dichter, bekannt durch Badenstedt. Justus tritt hier al« jüdischer Dichter destclben Lautes auf. cb! rm trte wach — unter Tiflitst blauem Himmelsdach. — Her in den dunklen Dkillefnächten, — wenn mit dem Sta die Donner rea-rrn, — und in das wild durch schär Thal —- nicht «in,m Stern entquillt der Strahl, da kannst du David'- Saiten lauschen, -rwie sie von Jussust« Fingern rauschen. — Es ist ein jTon und loch ein Ton, — der durch der Elemente Dryh'n, — durch Windes. und bu ch Wellen-Todm— urplötzlich klingend sich erhoben, — 1 erklu igen schnell und schnsll zerstoben Doch audes Sturmes grausem Wimmern — t£Sn wieder dann wie licht's Schimmeln — in fchrrckensvi Finsternlss.n, — dekrostes Strahl in Kümmernissen Und endlich schrillt fS siegreich an — und bricht langqetragenen B>ann — und rauscht zum Himmel empor — und üdertöitt der Stürme Edor^.— daß sich ehrfurchtsvoll ihm beugen,— verhallend schweigen. . Das ist der wundersam, Sang — aus Juflustin Jsfahanq, — ' b«t klang,rfiUlren Zionslaure, — ihm der greife Ahn vertraute. — 2. Und Sadi singt: J^n deiner Weisheit, Juffuf, w«fd) Thor! — Wer dieser deinem Sang bas Ohr? Skklingst du desdieses Kette — mit Nachtigallen die Wette? — Tönt eS fröhlich durch die Luft, — geMllt von Refenbufl? — Bricht dein Bers des Her Hülle — bei des B»a>trs perlender Fülle? — Schw Mäochenauges feurige: Sohn — um deine Lippe bei deinem Ton? meine- Liede- Glühen, t'» Uen den aut fif die xefn um die rangt sich dei Sieh, alle Blumen blühen — — der Sonne Strahlen schieße« wenn meine Töne fließen, — die Trauben alle reife« wenn meine Klänge schweifen — und alle Herzen heben bei meiner Wort, Schweben. S. Und Jussüf sprichf: Ja alle Parade,sisauen — die Menschen dunkle Kerkler bauen, — sie wvllen herrschen und genießen — und! lassen darum Thränen fließen, — sie lauschen süßen Sasigesrönen, — doch Andre Hessen schmerzlich stöhnen, -- und mitten durch der Hrrfe Schwirren — hör' ich die ehrnen Ketten klirren. — So singe du den Singend«, — ich ringe mit den Ringenden; — des goldnen Beche4 Rand umkränze', — ruf' aaS: wer will Gesang und Tänze? — Ich schreit' in der Le» fangnen Kerker — > und rvanble ihn zum lufk'gen Erker — von ihre- Geistes wuüdem Arm — nehm ich brr F ssel Lüstern Harm — und! wecke leist der Freiheit Ahnen — auf ihre- Herzen- Tra^erdahnen. — 4. Und Hafi« singt: > Fülle den Becher mir, liedliher Knabe. — baß ich da» fröhliche Herz mir erlabe. — Schlie iet, ihr Mädchen, den lustigen Reigen! — wie sie hüp en, wie sie sich neigen! -J- Streuet mir neue Rosen aif's Haupt, — wenn sie bjt kosende Zephyr geraubt, — l listige Rosen, die heut lerst erblüht. — Ha, wie die Lebe im Herzen mir |— Ader den Juffuf. den Halter mir fern — schließt ihfi mit seinem Gespielen, dem Ji m, mer — ein in die letzte, die dunkelste Kammer! — — Schenke, ruf' mir de» Bechers Kam'raben. — alle | inb sie. ich lieb' sie, qeladri^! — Ruf mir bi« Mädchen, di ch, weißt Du, die schönen, f— ihnen gilt ja, ich iied'sie, wein S