Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 12 (1865)
- Issue
- 26 (1865)
- Date
- 1865-01-01
- Page
- Seite 102 (sequence 2)
- Language
- German
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102 Felswand bog, jroac nach allen Seiten hin um, bernerkte aber Nichts, und stieg tapfer den Weg weiter hinab. Die beiden Versteckten warteten noch «ine geraume Zeit, kimen dann ruhig zum Vorschein und setzten ihren Weg r»eiker fort. „Nun, sagte der Eine, der hat uns zu einer Rast gezwungen, die uns ganz gut gethan. Auch können wir nun sicher fein, daß wir sobald Keinem wieder begegnen und der gefährlichste Theil unsre- Weges liegt hinter uns, ge, fäbrlich, meine ich, durch die Menschen, denn der Weg vor unS ist sehr döse, aber da sind wir in GotteS 4 and, ' und Du weißt, was König David sagt, ich will lieber in . die- Hand GotteS alS in die Hände der Menschen fa len."! — Mehr noch alS dieses Eitat würde unS die Sp ache,! in welcher sie sich mit einander unterhalten, wenn w r sie belauschen könnten, verrathen, welchem Volke die leiden ' Männer angehören, die einen so mühseligen Pfad gev ählt, um über das Gebirge zu gelangen. ES sind zweiJiden, . der eine in der Tracht der Syrer, der andere in dem! langen Rock und der Mütze aoS Lammfell der % erfer.; Sie wollen über das Gebirge nach dem nördlich gele jenen Turkisian. Denn der Eine ist ein Sendling au- I rusa-; lern, der für die Armen des heiligen Landes bei der Ar, '■ men der innerasiatischen Lander — natürlich nu deS cigencn Glaubens — Spenden sammelt, so kärglich diese; auch auSfallen, si> wenig sie den Mühsalen einer s »lchen Pilgerschaft entsprechen. ES ist doch gut, wenn sich außer 1 im Glauben auch in Werken der Wohlthätigkeit die Her- ' zen der zerstreuten Stammesbrüder wieder finden. Der Andere ist ein persischer Jude, der jenem als Führer dient, und bei dieser Gelegenheit dem persischen Joche zu er tkom, men gedenkt. Denn so schändlich die Unterdrückung, velchr die Perser gegen die Juden — allerdings aber auch gegen die Christen und Gedern — auSüben, so wollen le sie ' doch nicht auS dem Lande lassen, und die Jrreg> llären sind beordert. Jeden niederzulchießen, den sie beim weichen über die Grenze finden; in Turkistan aber r erden Ent- und dl« Juden von den Stämmen freundlich behandelt sind diesen zur Vermittelung ^d«S Handels von ur schätzbarem Werthe. — — Die Sonne nimmt ihren Lauf nach Westen; ...... wir ihr dahin. Auch hier erhebt sich ein himmelhohes G^> birg«; Bckge gipfeln sich auf Berge, bis sie die Region ' des ewigen EiseS erreichen, und von da ab steigen ss noch ein Mal, immer höher in ^en HimmelSraum l inauf. ' Ader schöne Kunststraßen durchfchneiden es, und legm ein enges Band über die Hoben zwischen den Ländern inner, halb deren die Alpen sich erheben. Ern eleganter?jagen, ' von vier starken Rossen gezogen, fahrt langsam von Alt» , dorf auS, das wilde Reußthal hinan, über di« Teufels» 1 drücke, wo donnernd'die Reuß über die FelSwändz stürzt > und ihren nassen Nedelstaub über die Brücke schüttet; durch die dunkle Wölbung deS Urluler Loches, hinter welchen sich die sonnige Au von Andermatt auSdehnc.. Nach kurzer Rast fährt der Wagen recktS durch da- Dorf ui d um den Schlangenweg zur Höhe des GotthardpasseS hinan. Der PflanzenwuchS verschwindet, immer kahler heb n sich di« starren Felswände, immer öder die schneebedeckte, Gip- . fel empor. Nach langer Fahrt gelangt man zur Höhe und rastet am Rande eines, kleinen grauen SeeS, dtS. StcllaieeS. in dessen Näde vier Ströme, die das (lebirgH hinunter nach den vier Weltgegenden eilen, ihre Quelle finden. Eine weiße Nebelwolke fährt daher, komr tt heran, wirft ihre Schloßen in den Wagen und den § choß der Reisenden, ist vorüber, und macht dem blauen, lächelnden Himmel wieder Platz. Die Pferde sind gewechselt,'der Wagen rollt weiter, hinunter die steile Straße in das Vgl Tremolo, wo der Tessin in gewaltigem Sturze und Kundert Cascaden die schwarzen Felswände hinabgleiret. Don unten herauf schimmern schon die sonnenbeschienenen Fluren Italienentgegen. In dem Wagen befindet sich ein junge- Ehepaar, das seine Flitterwochen in den Gärten Italienverträumen will. Auch sie sind Juden aus den gottgesegneten Gauen deutscher Erde. Wissen sie von dem rtiffif/fctn (SaIhrtron nm irnh h»n Sfnrhtlmopn dm Elbur«?- Ueber daS Dovre Fjeld und das Lang Fjeld, welches Norwegen in daS nördliche und südliche theileu, führen schmale Fahrstraßen gen Süden hinab, die mit kleinen einsitzigen Wägelchen, von einem starken eingebornen Pferde gezogen, befahren werden. Wir sehen jetzt ein solches, allerdings nicht bequemes Gefährte langsam und mit größter Vorsicht den im Zickzack laufenden Weg hiuabfahren, der nach der einsamen Lergstadt KongSberg führt. Allein eS ist noch weit vom Ziele. Zwar ist der Reifende mit seinem Kutscher, einem derben norwegischen Bauernsohne, dem Wagen und Pferd gehören, bereits über den Kamm des Gebirgegelangt, die Schneeregion liegt hinter ihnen; aber die Kiefergrenze ist noch nicht erreicht, von fern erst sieht man die kleine verkrüpvelte Birke nahen, und der Fjäll zeigt hier und da nur ein niedriges Strauchwerk. Der Wind, der südwestlich vom Meere herweht, wird daher durch Nichts aufgehalten und bläst dem Reisenden schneidend in- Gesicht, welcher sich vergebens durch den hohen Kragen des PelzrockeS und die niedergeschlagenen Klappen der Pelzmütze zu schützen sucht. DaS Roß wiehert und stößt Dampfwolken durch die Nüstern aus. Ueberall erblickt da- Auge nur schwindlig steile, Abhänge über tiefe Klüfte und reißende Felsengewässer, die auS den höher gelegenen Gletschern hervorströmen und sich donnernd ihre Bahn von Höhe zu Höhe brechen. Es gehört ein Mannes herz dazu, um hier nicht zu verzagen, sondern mulhig daS Auge über die drohenden Hindernisse schweifen zu lassen. Dem Manne im Wägelchen ist eS kaum an der Wiege vorgesungen, solche Wege passiren zu müssen. Denn seine Hei'math liegt in der weiten Ebene, welche die schöne breite Elbe durchfließt, bevor sie ihre Wellen mit den Wogen deS MeereS vermählt. Er ist ein echtes Hamburger Kind, und bat alS Knabe oft genug seine Stimme in den klingenden Chören des „Hamburger TempelS" vernehmen lassen. Doch sind eS keine heroischen Motive, die ihn zum Uebersteigen dieser dem Nordpol so nahen Bergzüge bewegen. Auch die Bewunderung für die'unendlichen Schönheiten, für die Majestät dieser gr-ßartigen Naturscenerien hatten ihn nicht getrieben, dem schwindligen Bette deS Louven zuzueilen; den« er möchte viel lieber auf dem Alsterbassin umherrudern, oder auf dem Dampfschiff nach Blankenese hinunrerschwimmen. Kur;, eS ist ein Commis Voyageur, der im Auftrag« seiner wohlbekannten Firma die Städte Schwedens und Norwegens bereist, um die Fabrikate deutschen FleißeS in die entlegenen Wohnungen des